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Vorwahl in Ohio : Zitterpartie für die Republikaner

  • -Aktualisiert am

Sieg ungewiss: Troy Balderson Bild: AP

Es hätte eigentlich ein klarer Sieg werden sollen, aber es kam anders. In einem Kongressbezirk in Ohio zeigte sich, dass die Republikaner auch in bisher sicheren Gegenden zu kämpfen haben – nicht zuletzt dank Donald Trump.

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          Die Republikaner in Ohio jubelten vielleicht zu früh. Die Nachwahl für einen Sitz im Abgeordnetenhaus ging so knapp aus, dass das Ergebnis am Abend noch nicht feststand. Weniger als ein Prozentpunkt trennten den Republikaner Troy Balderson und den Demokraten Danny O’Connor. Unter einem halben Prozentpunkt muss neu ausgezählt werden – und selbst, wenn es dazu nicht kommt, könnte es noch Tage dauern, bis das Endergebnis feststeht.

          Der 56 Jahre alte Troy Balderson erreichte nach bisheriger Auszählung 50,2 Prozent der Stimmen und könnte nun für die Republikaner ins Abgeordnetenhaus einziehen. Er ist ein ehemaliger Autohändler und machte bisher Politik im Senat des Bundesstaates.

          Das knappe Ergebnis zeigt vor allem, wie gespalten die Wählerschaft ist. Doch für die Demokraten ist das ein großer Erfolg in einem Bezirk, den sie seit 35 Jahren nicht gewonnen haben. Dass der 31 Jahre alte Danny O’Connor so nah an den Republikaner Balderson herankam, können sie als gutes Vorzeichen für die Kongresswahlen im November werten. Die Partei müsste 23 Sitze zurückerobern, um die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu gewinnen. Der Sitz in Ohio war in die strategischen Berechnungen der Demokraten hierfür nicht eingerechnet. Die hiesige Nachwahl galt trotzdem als Stimmungsbarometer und Testwahl.

          Der zwölfte Wahlbezirk in Ohio umfasst einige der reichsten Vororte der Stadt Columbus: Hier leben viele Menschen mit hohen Bildungsabschlüssen und guten Jobs. Die Republikaner stellten seit 1983 ununterbrochen einen Vertreter im Repräsentantenhaus. Der bisherige Abgeordnete Pat Tiberi war zurückgetreten, um sich seinen Geschäften zu widmen. Donald Trump gewann den Wahlbezirk 2016 mit elf Prozentpunkten Vorsprung.

          Für ein Distrikt mit einer über Jahrzehnte hinweg stabilen republikanischen Wählerbasis war es bereits eine schlechte Nachricht, dass die Partei abermals Millionen Dollar von außen in Last-Minute-Aktionen des Wahlkampfes pumpen musste. Der Präsident sprach bei einer Veranstaltung am vergangenen Samstag, vorher kamen sein Sohn Donald Trump jr. und Vizepräsident Mike Pence nach Ohio.

          In letzter Minute stellte sich auch der republikanische Gouverneur und einstige Trump-Gegenkandidat John Kasich hinter Balderson. Das dürfte ihm bei den moderateren Wählern geholfen haben. Kasich hatte seine Partei am Sonntag noch gewarnt, dass die Stimmung bei vielen Bürgern nicht gut sei: „Frauen aus den Vororten sind besonders abgeschreckt“, sagte er dem Sender ABC. „Die republikanische Partei steht nicht gut da, denn diese Wahl sollte nicht einmal knapp sein.“

          Die Republikaner stecken vielerorts in einem Dilemma: Sie brauchen Trumps Basis, können es sich aber nicht leisten, zu viele moderate oder Wechselwähler zu verprellen. In Ohio setzten sie wieder einmal auf Polarisierung als Wahlkampfstrategie. Sie machten Danny O’Connor für alles verantwortlich, was die republikanischen Wähler nicht mögen, von vermeintlicher Schwäche gegenüber Kriminellen bis zu einer laxen Grenzpolitik und Steuererhöhungen.

          Trump setzte bei seinem Auftritt auf die Angst der Wähler vor einem Sieg der Demokraten im November: „Sie werden eure Steuern erhöhen, ihr werdet überall Kriminalität haben, die Leute werden über die Grenzen strömen“, sagte Trump bei der Wahlkampfveranstaltung am Samstag. O’Connor sei eine Marionette der unbeliebten Parteiführerin im Abgeordnetenhaus, Nancy Pelosi. Pelosi kontrolliere O’Connor – „wer zur Hölle das auch immer ist“, so der Präsident.

          Zuversichtlich: Danny O´Connor
          Zuversichtlich: Danny O´Connor : Bild: AFP

          Manche Republikaner hatten schon befürchtet, die Unterstützung des Präsidenten könnte Balderson den Sieg kosten. Kurz vor der Wahl hatte er auf Twitter Basketballstar LeBron James beleidigt, der für viele in Ohio ein Held ist. Der demokratische Kandidat O’Connor hatte sich unterdessen zeitweise von Pelosi distanziert und machte einen Wahlkampf, mit dem er vor allem die Mitte ansprechen wollte – seine Themen waren zum Beispiel die Sicherung der öffentlichen Altersvorsorge und die Verbesserung der Krankenversicherung. 

          Wie schon bei anderen Wahlen seit Donald Trumps Vereidigung konnten die Demokraten in Ohio viele Kleinspender mobilisieren, während die Republikaner vorwiegend auf Zuwendungen von wohlhabenderen Einzelpersonen und Gruppen setzten. Allein der „Congressional Leadership Fund“, ein vom Sprecher des Repräsentantenhauses Paul Ryan unterstütztes Super-PAC, gab 2,6 Millionen Dollar für die Kampagne aus. Demokrat O’Connor zahlte laut der „Washington Post“ besonders viel Geld für Werbespots im Fernsehen: Er investierte dafür 2,4 Millionen Dollar, sein republikanischer Konkurrent Balderson weniger als 600.000 Dollar. Beide werden nun im November wieder antreten. Angesichts des knappen Ergebnisses dürfte das Rennen offen sein.

          Weitere Vorwahlen in anderen Bundesstaaten

          Am Dienstag gab es auch noch weitere Vorwahlen. Beide Parteien kürten Kandidaten in Kansas, Michigan, Missouri und dem Staat Washington. Dabei ging es für Donald Trump vor allem darum, ob seine Kandidaten genügend Wähler mobilisieren konnten. Trump zeigte in den vergangenen Monaten, dass er innerhalb der Partei eine solide Machtbasis hat. Bei innerparteilichen Vorwahlen gewannen seit Juni elf Kandidaten, für die er sich ausgesprochen hatte. Und auch den möglichen Sieg Baldersons schrieb er sich sofort auf die Fahnen.

          Bei allgemeinen Wahlen hat Trump dagegen bereits einige Niederlagen hinter sich: Er unterstützte die Kandidatur von Ed Gillespie als Gouverneur von Virginia, Roy Moore bei der Senats-Nachwahl in Alabama und Rick Saccone in Pennsylvania im Kampf um einen Haus im Repräsentantenhaus – alle drei verloren gegen ihre demokratischen Gegner.

          Bei den Demokraten gab es am Dienstag Vorwahlen für die Gouverneurswahlen in Kansas und Michigan, außerdem Vorwahlen für den Kongress im Staat Washington und in Missouri. In Michigan und Kansas setzten sich mit Laura Kelly und Gretchen Whitmer Frauen durch. Damit haben die Demokraten bislang acht Frauen für Gouverneurswahlen nominiert und setzen damit einen innerparteilichen Trend fort.

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