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Neuer Kandidat bei Demokraten : Ein Neuer für die Mitte

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Seine Kritiker könnten noch weiter zurückschauen, wenn es um fragwürdige Karriere-Wegmarken des Kandidaten geht. Für das Justizministerium handelte er beispielsweise 1997 einen Vergleich aus, in dem Ölgigant Texaco 176 Millionen Dollar wegen rassistischer Diskriminierung gegen Angestellte zahlen musste. Ein Jahr später heuerte er als Top-Rechtsberater bei dem Konzern an. Von dort ging er zu Coca-Cola, als das Unternehmen 192 Millionen Dollar im bis dahin teuersten Fall von rassistischer Diskriminierung zahlen musste und danach sein Image reparieren wollte. Im Jahr 2003 verteidigte Patrick Coca-Cola dann gegen Vorwürfe in Kolumbien, wo Gewerkschafter aus dem Unternehmen ermordet worden waren. Als die Firma sich weigerte, eine eigene Untersuchung anzustrengen, kündigte Patrick schließlich. Im Jahr darauf akzeptierte er aber einen Beratervertrag über 2,1 Millionen Dollar mit dem Getränkehersteller.

Zach Carter, der diese bewegte Geschichte Patricks für die „Huffington Post“ zusammentrug, urteilte, dass dessen Zeit als Gouverneur dagegen „zahm“ gewesen sei. In Massachusetts gab Patrick großen Pharmaunternehmen und Biotech-Firmen Steuererleichterungen und Subventionen in Höhe von einer Milliarde Dollar und baute Regulierungen in etlichen Politikbereichen ab.

Kaum hatte Patrick in dieser Woche seine Kandidatur erklärt, verbreiteten Kritiker auch eine Geschichte, die bislang nur regional für Schlagzeilen gesorgt hatte. Der Schwager des ehemaligen Gouverneurs war 1993 wegen der Vergewaltigung seiner Ehefrau, Patricks Schwester, verurteilt worden. Jahre später gab es Presseberichte, dass der Schwager sich nicht wie vorgeschrieben als Sexualstraftäter registrieren ließ. Die Vorsitzenden der örtlichen Registrierungsstelle drangen darauf, dies nachzuholen und wurden von Patrick entlassen. Kürzlich wurde der Schwager wegen einer abermaligen Vergewaltigung zu sechs bis acht Jahren Haft verurteilt.

Michele Dauber, Professorin an der Stanford Universität, schrieb bei Twitter, dass sie Patrick lange kenne und beide am selben Gericht ihr Referendariat absolviert hätten. Dass er die Taten seines Schwagers als „Familienangelegenheit“ bezeichnet habe und sich an den Behördenleiterinnen gerächt habe, disqualifiziere ihn als Präsidentschaftsbewerber.

Trotz seiner Geschichte glauben manche Beobachter indessen, dass Patrick einer Kandidatin besondere Unannehmlichkeiten bereiten könnte. Schließlich kommt er genau wie Elizabeth Warren aus Massachusetts – und manche in der dortigen Partei könnten von der Senatorin zum ehemaligen Gouverneur überlaufen. Beide sind auch im wichtigen Nachbarstaat New Hampshire gut vernetzt, wo die zweite Vorwahl stattfindet. Und dort überschneiden sich nach Ansicht von Parteistrategen ihre Zielgruppen: besser verdienende Wähler mit höheren Bildungsabschlüssen, die meisten weiß. Bislang verstanden sich die beiden neuen Konkurrenten gut. Patrick spendete 2018 5000 Dollar für Warrens Senats-Kampagne.

Diese Nähe könnte indessen auch zum Problem für die Kandidatin werden. Bei einem Auftritt in Greensboro in North Carolina fragte CNN-Kommentatorin Angela Rye Warren in der vergangenen Woche, welche drei Afroamerikaner ihr einfielen, die sie sich in ihrem Kabinett vorstellen könne. Die Senatorin nannte „meinen ehemaligen Gouverneur Deval Patrick“, der ein fantastischer Mensch sei. Es dürfte nun schwerer für die Verfechterin der Vermögenssteuer sein, ihrem neuen Konkurrenten seine Nähe zu den Milliardären vorzuwerfen.

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