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Neuer Kandidat bei Demokraten : Ein Neuer für die Mitte

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Harte Arbeit habe den amerikanischen Traum für ihn wahr werden lassen, versicherte Patrick in dem Video. Für ähnliche Preisungen des Glücks der Tüchtigen wird Obama von afroamerikanischen Aktivisten häufig kritisiert: schließlich verschleiere er so, dass harte Arbeit für sehr viele Schwarze im Land nichts an ihrer prekären Situation ändert und wälze die Verantwortung auf die Opfer von strukturellem Rassismus und Ausbeutung ab.

Patrick und Obama haben viel gemeinsam: sie kommen beide aus Chicago, gingen beide mit Stipendien auf gute Schulen und schließlich nach Harvard. Beide wurden zunächst Anwälte und bearbeiteten Bürgerrechts-Fälle. Ihre Erfolgsgeschichten stehen vor allem für das, was Hochbegabte aus ihrem Schicksal machen können, wenn sehr viel Glück und Unterstützung dazu kommen. Dass Patricks Geschichte auch für normale Lohnabhängige und arme Menschen Strahlkraft entwickelt, kann man bezweifeln – Obama enttäuschte bereits viele, die sich eine entschiedene Politik für Arbeiter und Afroamerikaner erhofft hatten.

Schwarze Wählerinnen und Wähler sind prozentual die verlässlichsten Parteigänger der Demokraten. Sie zu überzeugen, wäre auch für Patrick entscheidend. Diese Wähler gelten allgemein als eher pragmatisch, gerade die Älteren aus der Mittelschicht. Wie die mehrheitlich schwarzen Demokraten in South Carolina Ende Februar abstimmen, hat großen Einfluss auf die weiteren Vorwahlen. Bidens starke Werte hat er nicht zuletzt Afroamerikanern zu verdanken – die schwarzen Kandidaten Cory Booker und Kamala Harris konnten bisher nicht deutlich punkten. Die schwarzen Wähler verhalten sich also nicht „identitätspolitisch“, wie ihnen gern unterstellt wird. Sie sind auch kein monolithischer Block, denn auch sie trennen Klassen- und Generationenunterschiede. Viele junge Afroamerikaner unterstützen zum Beispiel Bernie Sanders. Bei diesen Wählerinnen und Wählern dürfte Patrick erst recht nicht gut ankommen.

Am Mittwoch verschwand die Biografie des Neu-Kandidaten von der Webseite der Investmentfirma Bain Capital, deren Vorstand er bis dahin angehört hatte. Die Firma investiert zur Zeit 105 Milliarden Dollar für ihre Kunden. Die Demokraten hatten den republikanischen Mitgründer Mitt Romney bei seiner Präsidentschaftskandidatur 2012 für die Aktivitäten des Unternehmens angegriffen. Viele in der Partei werden Patricks Position bei Bain nun nicht milder beurteilen.

Und nicht nur dieser Teil seiner Vergangenheit wird ihm Schwierigkeiten bereiten. In den zahlreichen Büchern über Machenschaften der amerikanischen Immobilien- und Finanzbranche und die Krise von 2008 taucht sein Name häufig auf. Die Konkurrenz dürfte sich nicht scheuen, die spektakulärsten Fälle wieder in die Diskussion zu bringen. Als Patrick in den neunziger Jahren im Justizministerium tätig war, ermöglichte er dem späteren Chef von Ameriquest, Ronald Arnall, einen großzügigen Vergleich im Streit um rassistische Hypothekenvergaben seiner damaligen Firma. Patrick trat 2004 dann selbst dem Vorstand der Ameriquest-Holding ACC bei.

Wenig später war das Unternehmen dafür berüchtigt, dass es Kunden aggressiv Subprime-Hypotheken aufdrängte und dabei besonders afroamerikanische Familien ins Visier nahm, die später in der Immobilienkrise ihre Häuser verloren. Die Firma musste 325 Millionen Dollar Entschädigungen zahlen. Ameriquest ging bankrott, Patrick setzte sich für Arnall ein, der Botschafter in den Niederlanden wurde. Er selbst ging in die Politik, wurde 2007 Gouverneur. Im Wahlkampf weigerte er sich, seine Steuererklärungen zu veröffentlichen. Dass schwarze Arbeiter und Angestellte, die in der Immobilienkrise überproportional viel Vermögen verloren, nun massenhaft von Biden zu Patrick überlaufen werden, gilt als unwahrscheinlich.

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