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Präsidentenwahl in 2020 : Wie Obama Trump bekämpft

Barack Obama bei einer Wahlkampfveranstaltung im November 2018 in Chicago Bild: dpa

Barack Obama soll den möglichen Herausforderern von Donald Trump Rat und Richtung geben. Manch einer hofft auch, dass der ehemalige Präsident früh einen Favoriten benennt.

  • -Aktualisiert am

          Das Feld der Kandidaten, die 2020 für die Demokraten gegen Donald Trump antreten wollen, ist groß – und für die Bewerber geht nichts ohne den letzten echten Star ihrer Partei: Barack Obama. Trotz aller Kritik an den politischen Einzelheiten seiner Amtszeit, alle wollen Obamas Rat. In erster Linie geht es natürlich darum, Donald Trump abzulösen. Doch für den Amtsvorgänger steht auch das eigene politische Erbe auf dem Spiel. Trump bekämpft, was als Erfolg Obamas gilt – vom Pariser Klimaschutzabkommen bis zur Krankenversicherung „Obamacare“. Die Demokraten wiederum sind seit der Wahl 2016 nach links gerückt. Vielen von ihnen ging die Gesundheitsreform längst nicht weit genug, sie wollen eine gesetzliche Krankenversicherung für alle. Doch obwohl der ehemalige Präsident dazu eine Meinung haben dürfte, öffentlich äußert er sie nicht. Stattdessen trifft er sich schon seit Monaten mit jenen Parteifreunden, die den Kampf aufnehmen wollen – erst untereinander in der parteiinternen Vorwahl und dann gegen Trump.

          John Philips und David Jacobsen waren unter Obama Botschafter in Kanada und Italien – nun mischen sie bei der demokratischen Kandidatenauswahl mit. Eines Tages wird Obama seine Popularität und seine „Follower-Power“ hinter einen einzigen Kandidaten stellen. Wann das sein wird, ist noch unklar, Philips und Jacobsen organisieren aber schon einmal Treffen von ehemaligen Spendern Obamas mit ausgewählten Bewerbern. Die Geldgeber von damals sollen sich frühzeitig eine Meinung über das Feld der Aspiranten machen. Nicht nur Demokraten, die ihre Kandidatur bereits erklärt haben, trafen sich mit den Spendern, berichtete die „New York Times“. Neben offiziellen Bewerbern wie Cory Booker, Kamala Harris und Amy Klobuchar nahm auch Senator Sherrod Brown aus Ohio teil.

          Wann erklärt sich Obama?

          Obama stellte bereits mehrmals klar, dass er nicht für einen Kandidaten werben will, bevor die Partei ihre Wahl getroffen hat. Einige spekulieren zwar darüber, dass er sich äußern könnte, wenn das Feld auf zwei oder drei Bewerber zusammenschrumpft, doch das ist noch lange hin. Obamas ehemaliger Chefstratege David Axelrod sagte in einem Interview, niemand solle mit einer schnellen Erklärung Obamas rechnen.

          In den vergangenen Monaten konzentrierte sich der nun 57 Jahre alte Obama vor allem darauf, seine Stiftung und Präsidentenbibliothek in Chicago aufzubauen. Er machte aber auch Wahlkampf bei den Midterm-Kongresswahlen, unter anderem für Andrew Gillum, der sich in Florida als Gouverneur bewarb und knapp verlor. Der ehemalige Präsident setzt sich auch für eine Kampagne ein, die gegen das so genannte Gerrymandering kämpft, bei dem sich die Mehrheitspartei die Wahldistrikte günstig zuschneiden kann. Die nächste Volkszählung, mit der es überall im Land wieder neue Gerrymandering-Fälle geben dürfte, findet 2020 statt.

          Obama beschränke sich zurzeit darauf, demokratischen Bewerbern Tipps zu geben, hieß es. Er soll sich bereits mit über einem Dutzend Kandidaten getroffen haben. Dabei machte er keinen Unterschied zwischen prominenteren Kandidaten wie Cory Booker oder Elizabeth Warren und Außenseitern wie Pete Buttigieg, dem Bürgermeister von South Bend im Bundesstaat Indiana. Obama gab ihnen auch Einblicke in die persönlich belastenden Seiten des Wahlkampfes und des Amtes. Der Texaner Beto O'Rourke, der Ted Cruz im November fast seinen Platz im Senat abgenommen hätte, sprach in einem Interview mit Oprah Winfrey kurz darüber. Ihm trauen viele die Kandidatur zwar zu, bislang erklärte er sich allerdings nicht. „Sie fragen, ob er mir zugeredet hat, das hat er nicht“, sagte O'Rourke über das Gespräch mit Obama. „Aber er hat mir sehr offen von seinem Denkprozess vor seiner ersten Kandidatur erzählt.“

          Selbst Obamas ehemaliger Stellvertreter Joe Biden, dem er herzlich zugetan ist, kann wohl nicht auf ein frühes „endorsement“ hoffen. Der 76-jährige zögert auch nach wie vor mit einer Kandidatur. Überhaupt gehe es Obama zurzeit weniger um den innerparteilichen Wahlkampf als um die Frage, wie man Trump konkret besiegen könne. Der „New York Times“ zufolge soll er die Kandidaten besonders nachdrücklich ermahnt haben, Trump auf dem Feld der Wirtschafts- und Sozialpolitik Paroli zu bieten. Der Präsident wird nicht müde, die vergleichsweise gute wirtschaftliche Situation im Land als exklusiv eigenes Verdienst auszugeben. Sein Vorgänger ist sich mit vielen anderen inner- und außerhalb der Partei einig: Wer Trump besiegen will, muss auch jenen Bürgern etwas bieten, die den Geschäftsmann aus New York in der Hoffnung auf bessere Zeiten wählten.

          Hillary Clintons Fehler

          Obamas früherer Berater Eric Schultz sagte der „New York Times“: „Präsident Obama rät den Kandidaten, immer nach vorn zu gehen, auch in Gegenden und vor Leuten, die sie nicht unbedingt für sich gewinnen werden. Wichtig ist, dass sie Positionen transportieren, die wirklich ihren eigenen Ansichten entsprechen, und dass sie eine positive Vision dieses Landes entwickeln, die zu ihrer eigenen persönlichen Geschichte passt.“

          Hillary Clinton, die 2016 unerwartet Trump unterlag, musste sich unter anderem den Vorwurf gefallen lassen, nicht „authentisch“ genug zu sein. Als großer Fehler gilt auch, dass sie nicht oft in Gebieten Wahlkampf machte, die als tendenziell verloren galten – in vielen Südstaaten-Gegenden etwa gab es noch kurz vor der Wahl kaum ein Clinton-Plakat zu sehen. Eines soll Obama bei den Gesprächen mit den möglichen Trump-Herausforderern dann übrigens doch verraten haben: er sehe „Raum“ für einen etwas „moderateren“ Kandidaten. Bislang gibt es unter den prominenten Anwärtern besonders viele, die innerparteilich eher links stehen.

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