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ASEAN-Gipfel : Im „Herzen“ einer beunruhigten Region

Bild: AP

In Südostasien wächst die Furcht vor einem Konflikt mit China. Nun zeigt der amerikanische Präsident Joe Biden dort wichtige Präsenz.

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          Mit seiner Ankunft in Südostasien hat der amerikanische Präsident Joe Biden dort am Samstag schon einige Pluspunkte gesammelt. In diesem Teil der Welt sagen die Politiker oft, dass Diplomatie zu 80 Prozent daraus bestehe, persönlich anwesend zu sein. Sein Vorgänger Donald Trump hatte in vier Jahren Amtszeit keinen einzigen Ostasiengipfel besucht, wie das Treffen der zehn Mitgliedstaaten des Verbands der südostasiatischen Staaten (ASEAN) mit ihren diversen Dialogpartnern genannt wird.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Angereist sind etwa auch Chinas Ministerpräsident Li Keqiang, Japans Regierungschef Fumio Kishida, Südkoreas Präsident Yoon Suk-yeol und der australische Ministerpräsident Anthony Albanese. Die Region, die immer mehr von der wachsenden Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten und China geprägt wird, ist erleichtert darüber, dass der Präsident Präsenz zeigt. Für die meisten Staaten ist China zwar der größte Handelspartner, doch die Vereinigten Staaten fungieren seit Jahrzehnten als Sicherheitsgarant in Südostasien.

          Zudem ist es gleich ein mehrtägiger Aufenthalt in der dynamischen Wachstumsregion. Nach seinem Besuch will Biden von der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh auf die Urlaubsinsel Bali weiterreisen. Dort trifft am Montag zum ersten Mal seit seiner Amtseinführung als Präsident Chinas Staatschef Xi Jinping persönlich. Danach wird er am Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G 20) teilnehmen.

          Nordkorea als Bedrohung für alle Staaten

          ASEAN sei das „Herz“ in der Indopazifik-Strategie der Vereinigten Staaten, sagte Biden zum Auftakt seines Gesprächs mit den zehn Mitgliedsstaaten. Er kündigte an, dass die diplomatischen Beziehungen zu einer „umfassenden strategischen Partnerschaft“ aufgewertet würden. Damit ziehen die Vereinigten Staaten mit China gleich, die seit dem vergangenen Jahr diesen Status innehaben.

          Zusammen sollten sie die größten Herausforderungen der Gegenwart begegnen, darunter dem Klimawandel, Gesundheitsfragen und Bedrohungen der regelbasierten Ordnung und des Rechtsstaats, sagte Biden weiter. Damit sollte ein Indopazifik aufgebaut werden, „der frei und offen, stabil und erfolgreich, widerstandsfähig und sicher ist“. Als Problempunkte in der Region sprach er das Südchinesische Meer und Myanmar an. Darüber hinaus kündigte er Finanzhilfen von 860 Millionen Dollar für die ASEAN-Staaten an, die in Klimaprojekte, erneuerbare Energien, in die Bildungs- und Gesundheitssysteme fließen sollen. Hinzu kam eine Reihe anderer Initiativen und Projekte.

          Bei seinem Besuch in Phnom Penh konnte Biden auf den als „historisch“ bezeichneten ersten Sondergipfel der Vereinigten Staaten mit den ASEAN-Staaten im Mai in Washington aufbauen. Ebenfalls auf dem Terminplan standen in Phnom Penh bilaterale Treffen mit Japan und Südkorea sowie ein gemeinsamer Dreiergipfel. Dabei sollte es vor allem um die Bedrohung durch Nordkorea gehen. Bidens Nationaler Sicherheitsberater Jake Sullivan hatte auf dem Flug nach Kambodscha angekündigt, dass Biden auch im Gespräch mit Xi um eine „konstruktive Rolle“ Chinas im Konflikt mit Nordkorea bemühen werde.

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