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US-Militärpaket für Ukraine : Amerikanische Kamikaze-Drohne gegen russische Panzer

Ein zerstörtes gepanzertes Fahrzeug der russischen Armee in der Ukraine Mitte April Bild: dpa

Sie sind der bestgehütete Bestandteil von Amerikas jüngstem Militärpaket: 121 Drohnen des Typs „Phoenix Ghost“ sollen die Ukrainer bei der Abwehrschlacht im Donbass unterstützen.

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          Die russischen Truppen werden bei der Schlacht im Donbass schon bald auf Drohnen amerikanischer Machart treffen. 121 Kamikaze-Drohnen des Typs „Phoenix Ghost“ erhalten die ukrainischen Verteidiger aus den Vereinigten Staaten. Sie sind Teil des 800 Millionen Dollar schweren Sicherheitspakets, das die Regierung Biden in dieser Woche zur Unterstützung Kiews ankündigte – und zugleich dessen bestgehüteter Bestandteil.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Wer nach Bildern der Drohnen im Internet sucht, bleibt erfolglos. Das Herstellerkonsortium Aevex Aerospace führt Phoenix Ghost noch nicht einmal auf seiner Webseite. Pentagon-Sprecher John Kirby beließ es denn auch auf einer Pressekonferenz am Donnerstag in Washington D.C. bei ein paar Hinweisen. Phoenix Ghost sei Teil eines Drohnenprogramms, an dem die amerikanische Luftwaffe schon vor dem russischen Überfall gearbeitet habe. In Gesprächen mit den Ukrainern sei man dann zu der Auffassung gelangt, dass die Drohne „sehr schön“ zu deren Bedürfnissen bei der Schlacht im Donbass passe.

          Zumindest diese Bedürfnisse sind kein Geheimnis: Die ukrainischen Verteidiger sehen sich im Osten des Landes einer Übermacht russischer Truppen gegenüber. Moskau versucht dort seit Beginn der Woche, mit Angriffen von Norden, Osten und Süden die Oblaste Luhansk und Donezk vollständig zu besetzen und dabei Teile der ukrainischen Streitkräfte einzuschließen.

          Angesichts des offenen Geländes verfügen die russischen Kampftruppen in der Ostukraine über bessere Möglichkeiten, ihre Übermacht an Kampfpanzern und gepanzerten Verbänden zum Einsatz zu bringen. Hinterhalte von Jagdtrupps mit Panzerabwehrwaffen aus bebautem Gelände, mit deren Hilfe die Ukrainer den russischen Vormarsch im Norden stoppten, sind hier deutlich seltener möglich. Das ist ein Grund, warum Kiew bei den westlichen Unterstützern nun vehement um Panzer bittet, um Artillerie – und um weitere Kampfdrohnen.

          Phoenix-Ghost leistungsfähiger als Switchblades

          Phoenix Ghost ist die zweite Kampfdrohne, die die Amerikaner an die Ukraine liefern. Kiews Truppen haben laut Angaben der US-Streitkräfte bereits 400 Switchblade erhalten, von denen die Ukrainer auch schon mehrere im Krieg zum Einsatz brachten. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kampfdrohnen, die Raketen abschießen, verfügen beide Modelle über einen kleinen Gefechtskopf, mit dem sie sich ins Ziel stürzen und dabei selbst zerstören. Daher der Spitzname Kamikaze-Drohnen.

          Gegenüber herkömmlichen Kampfdrohnen verfügt die Kamikaze-Variante über eine Reihe von Vorteilen: Sie ist günstig, ihre Bedienung lässt sich leicht erlernen. Eine Startbahn braucht es für beide Drohnenarten nicht. Eine Switchblade wiegt in ihrer kleinsten Konfiguration 2,5 Kilogramm und kann von einem Infanteristen mühelos transportiert werden. Und schließlich können die Drohnen über ihrem Einsatzgebiet lange Zeit nahezu unbemerkt kreisen, bevor sie sich hinabstürzen. In Fachkreisen spricht man daher auch von „loitering munition“, also von Munition, die sozusagen herumlungert. Damit ist gemeint, sie können in der Luft kreisen, bis ein Ziel gefunden ist, auf das sie dann im Sturzflug herabfallen.

          Laut Angaben eines Vorstandsmitglieds von Aevex sind die Phoenix-Ghost gegenüber den Switchblades noch einmal leistungsfähiger. Die Drohne könne vertikal starten, über sechs Stunden lang ein Ziel suchen und dank seiner Infrarotsensoren auch bei Nacht operieren, zitierte „Politico“ am Donnerstag den früheren amerikanischen Generalleutnant David Deptula. Die Switchblade hingegen könne nur eine Stunde lang in der Luft bleiben und sei gegen „mittelschwer gepanzerte Bodenziele wirksam“, so der Dekan des Mitchell Institute for Aerospace Studies weiter.

          Wann genau die neuen Kamikaze-Drohnen zum Einsatz kommen werden, ist noch offen.

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