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Oberkommandierender für Europa : Amerikaner setzen Truppenabzug aus Deutschland aus

General Tod Wolters, Oberkommandierender der amerikanischen Streitkräfte in Europa im August 2017 in Litauen Bild: Reuters

Der von Präsident Donald Trump angeordnete Teilabzug amerikanischer Soldaten aus Deutschland wird vorerst nicht stattfinden. Alle Truppenabzüge aus Europa wurden gestoppt und sollen „neu geprüft“ werden, teilte der zuständige General mit.

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          Das amerikanische Militär stellt den vom früheren Präsidenten Donald Trump angeordneten Teilabzug aus Deutschland komplett zur Disposition. „Jede einzelne dieser Optionen ist gestoppt worden. Sie werden neu geprüft, von Anfang bis Ende“, sagte der Oberkommandierende der amerikanischen Streitkräfte in Europa, General Tod Wolters, am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Korrespondenten internationaler Zeitungen. Wolters, zugleich oberster Befehlshaber der Nato-Truppen, hatte im Juli im Auftrag Trumps Pläne für den Abzug von 12.000 Soldaten aus Deutschland – einem Drittel – und die Neuorganisation der Kommandostrukturen präsentiert.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Am Mittwoch hob er hervor, dass er seinerzeit Vorgaben der vorigen Regierung umgesetzt und Optionen vorgelegt habe, die Vorteile versprochen hätten. Nunmehr untersuche man jedoch, wie sich die Optionen auf das größere Bild von Sicherheit und Abschreckung auswirkten. „Das ist genau das, was unser neuer Verteidigungsminister braucht: sicherzustellen, dass wir weiterhin die Dinge in Europa tun können, die wir tun müssen, um mehr Frieden zu schaffen.“

          „Großartiger Gastgeber der amerikanischen Truppen“

          Die Wortwahl legte nahe, dass derlei Erwägungen für Trump nicht relevant waren. Der aus dem Amt geschiedene Präsident hatte den Abzug immer wieder damit verknüpft, dass Deutschland zu wenig Geld für Verteidigung ausgebe. Der von Wolters ausgearbeitete Plan sah vor, gut die Hälfte der abgezogenen Truppen in die Vereinigten Staaten zurückzubringen. Ein Teil sollte von dort aus nach Europa rotieren, etwa in die Schwarzmeer-Region. 5600 Mann sollten dauerhaft in anderen europäischen Nato-Staaten angesiedelt werden.

          Davon hätten vor allem Italien und Belgien profitiert, das noch weniger für Verteidigung aufwendet als Deutschland. So wollte Wolters das Hauptquartier für die amerikanischen Truppen in Europa von Stuttgart ins belgische Mons verlegen. Der von Präsident Biden eingesetzte neue Verteidigungsminister Lloyd Austin hatte der Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer im ersten Telefonat dafür gedankt, „dass Deutschland uns weiterhin als großartiger Gastgeber der amerikanischen Truppen dient“, wie das Pentagon mitteilte.

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