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Afghanistan : US-Militär und Bundeswehr intensivieren ihren Rettungseinsatz

  • Aktualisiert am

Ausreisewillige warten am Mittwoch auf dem Internationalen Flughafen von Kabul darauf, an Bord einer Maschine zu gehen. Bild: AP

So viele Menschen wie möglich in so kurzer Zeit wie möglich: Das ist die Devise der Flüge, mit denen Schutzsuchende aus Afghanistan herausgebracht werden sollen. Seit der Machtübernahme der Taliban wurden 18.000 Menschen ausgeflogen.

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          Die USA verstärken ihre Bemühungen zur Evakuierung von US-Amerikanern, Afghanen und Menschen anderer Nationalitäten aus Kabul. Auch Deutschland und andere Länder setzen ihre Evakuierungsflüge fort: In der Nacht zu Freitag brachten Bundeswehr-Maschinen erneut Hunderte Menschen aus der afghanischen Hauptstadt heraus. Aus Washington hieß es, das US-Außenministerium schicke zusätzliche Konsularbeamte nach Katar und Kuwait, um dort die Weiterreise der Menschen zu organisieren. Außerdem seien weitere Beamte in Kabul gelandet, wo rund um den Flughafen weiter Chaos herrscht. Das Ziel sei es, so schnell wie möglich so viele Menschen wie möglich aus dem Land zu bringen.

          Wie ein NATO-Mitarbeiter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters bestätigt, sind seit der Machtübernahme der Taliban mehr als 18.000 Geflüchtete von Flughafen in Kabul ausgeflogen worden.

          Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums seien in engem Kontakt mit den Taliban außerhalb des Flughafens, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby. „Wir wollen nicht, dass jemand belästigt oder verletzt wird.“ Kirby betonte, dass man keinen kompletten Überblick darüber habe, was außerhalb des Flughafens passiere und ob auch Menschen mit US-Pässen oder Visa von den Taliban schikaniert würden. Man habe am Flughafen zusätzliche Gates geöffnet, um die Evakuierung zu beschleunigen.

          Die Journalistin Ayesha Tanzeem vom US-Auslandssender Voice of America berichtete via CNN von „grausamen Szenen“ rund um den Flughafen. Die Situation sei genauso schlimm, wie es auf zahlreichen Videos zu sehen sei - und werde immer schlimmer. Sie selbst sei erst beim dritten Anlauf in den Flughafen gekommen und habe stundenlang im Gedränge gestanden.

          Neue Vorwürfe gegen Washington

          Unterdessen wurden neue Vorwürfe laut, die US-Regierung habe nicht rechtzeitig auf Warnungen gehört. CNN berichtete, im Juli hätten US-Diplomaten ein geheimes Schreiben an US-Außenminister Antony Blinken geschickt und darin schnelles Handeln gefordert. „Soweit ich weiß, wurde in dem Telegramm der mögliche Sturz der afghanischen Regierung nach dem Abzug der US-Truppen am 31. August vorausgesagt“, sagte der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater Jonathan Finer dazu. „Ich denke, das Telegramm spiegelt wider, was wir schon die ganze Zeit gesagt haben.“ Niemand habe erwartet, dass die afghanische Regierung und Armee binnen weniger Tage kollabieren würden.

          Finer bekräftigte den Plan, die Evakuierungsaktion bis Ende August abzuschließen – bis dahin wollten die USA eigentlich auch ihre Truppen aus Afghanistan abgezogen haben. „Wir glauben, dass wir die Amerikaner, die ausreisen wollen, bis zum 31. August rausholen können“, sagte er. Ähnlich hatte sich am Vortag auch US-Präsident Joe Biden geäußert - ohne einen längeren Verbleib im Notfall auszuschließen, sollten noch US-Amerikaner in Afghanistan sein. Ob dies auch für afghanische Helfer gelte, ließ er offen.

          Bundeswehr hat 1640 Passagiere ausgeflogen

          Während das US-Militär mit Stand Donnerstagmorgen 2000 Menschen innerhalb von 24 Stunden evakuiert hatte, hat die Bundeswehr seit Montag mehr als 1640 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht. Am Freitagmorgen landeten zwei weitere Maschinen aus Kabul mit insgesamt über 360 Menschen in der usbekischen Hauptstadt Taschkent, von wo aus sie mit zivilen Flugzeugen weiter nach Deutschland gebracht werden.

          US-Präsident Biden wollte sich am Freitag zum Stand der Evakuierungen äußern. Er hatte zuletzt immer wieder den Abzug der US-Truppen trotz der raschen Machtübernahme durch die Taliban vehement verteidigt. Er tauschte sich am Donnerstag außerdem mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron über die Lage in Afghanistan aus, wie das Weiße Haus am Abend (Ortszeit) mitteilte. Beide betonten demnach, wie wichtig es sei, dass sich die Verbündeten und demokratischen Partner weiter eng abstimmten.

          Derweil steigt die Sorge vor gewaltsamen Racheakten der Taliban nach ihrer Machtübernahme in Afghanistan. Die G7-Staaten reagierten alarmiert auf entsprechende Berichte und forderten die Islamisten auf, die von ihnen zugesagte Sicherheit von Zivilisten auch wirklich zu gewährleisten. Diese Botschaft ging von einer Telefonkonferenz der Außen- und Entwicklungshilfeminister der G7-Staaten aus, zu denen neben Deutschland und den USA auch Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada und Japan sowie Vertreter der EU gehören.

          Taten statt Worte

          Man sei sich einig, „dass die Beziehungen der internationalen Gemeinschaft zu den Taliban von ihren Taten und nicht von ihren Worten abhängen werden“, hieß es aus dem US-Außenministerium nach der Schalte. In der kommenden Woche ist eine Telefonkonferenz auf Ebene der Staats- und Regierungschefs geplant.

          Der frühere Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach sich für eine internationale Afghanistan-Konferenz aus. „Je eher sie stattfindet, umso besser“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Teilnehmen sollten auch Russland und China – auch wenn in beiden Ländern derzeit noch Spott und Häme wegen der Blamage des Westens dominierten. „Das Triumphgeheul dieser Tage in Moskau und Peking wird bald verklingen“, meint Gabriel. Außerdem gehörten neben der EU und den Weltmächten USA, China und Russland auch Pakistan und der Iran an den Konferenztisch, betonte er.

          Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet sprach sich für Gespräche mit den Taliban aus, um gefährdeten Menschen in Afghanistan zu helfen. „Die Kunst guter Außenpolitik besteht gerade darin, mit solchen Staaten zu Lösungen zu kommen, deren Ziele und Menschenbild unsere Gesellschaft zu Recht ablehnt“, sagte der CDU-Chef der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Den Dialog mit den Taliban zu verweigern, würde den Menschen nicht helfen, die aus Afghanistan herauswollen.“

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