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Syrien : Assad kündigt noch härtere Angriffe auf die Opposition an

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Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat den Angriff auf syrische Regierungstruppen mit der amerikanischen Invasion im Irak verglichen. „Das erinnert alles an die Lage 2003, als die USA und Großbritannien mit ihren Verbündeten in den Irak einmarschiert sind ohne die Zustimmung des UN-Sicherheitsrates“, sagte Lawrow am Freitag bei einem Besuch in der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Der damalige amerikanische Präsident George W. Bush hatte die Invasion mit den vermuteten irakischen Chemiewaffen begründet. Angebliche Belege für das Arsenal erwiesen sich später als falsch.

Nach Luftangriff in Syrien : Donald Trumps Pressestatement im Original

Gabriel: Angriff nachvollziehbar

Russland zählt außer Iran zu den wichtigsten Verbündeten von Syriens Staatschef Baschar al-Assad. Die Regierung in Teheran erklärte ebenfalls, sie verurteile den amerikanischen Luftangriff „entschieden“. Großbritannien, Frankreich, Japan und die Türkei hingegen unterstützten die Angriffe auf eine Luftwaffenbasis im Norden des Bürgerkriegslandes. China warnt vor einer weiteren Verschlechterung der Lage in Syrien. Man verurteile den Einsatz von Chemiewaffen – egal von wem und zu welchem Zweck, teilt das Außenministerium in Peking mit. Die jüngsten Entwicklungen in Syrien zeigten, dass es dringend eine politische Lösung des Bürgerkriegs geben müsse.

Aktion – Reaktion: Diese Granate in Chan Scheichum soll Giftgas enthalten haben.
Aktion – Reaktion: Diese Granate in Chan Scheichum soll Giftgas enthalten haben. : Bild: dpa

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hält den Luftangriff in Syrien hingegen für nachvollziehbar. „Dass die Vereinigten Staaten jetzt mit einem Angriff gegen die militärischen Strukturen des Assad-Regimes reagiert haben, von denen dieses grausame Kriegsverbrechen ausging, ist nachvollziehbar“, erklärte Gabriel am Freitag am Rande seiner Mali-Reise in Bamako, wie das Auswärtige Amt in Berlin mitteilte. Zugleich warb er für eine „politische Lösung“ des Bürgerkriegs in Syrien. Er fordert gemeinsam mit Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault Russland zur Teilnahme an Gesprächen auf.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) teilt in Berlin mit, dass der amerikanische Verteidigungsminister James Mattis sie über den Luftangriff informiert habe. Ein Sprecher ergänzt vor Journalisten, dass sie „kurz vorher vorab“ unterrichtet worden sei. „Der Einsatz von Chemiewaffen muss nicht nur geächtet sein,sondern muss auch Konsequenzen haben“, erklärt von der Leyen. Die Bundeswehr sei an dem Luftschlag aber nicht beteiligt gewesen, sagt ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums.

Linke fürchtet einen Weltkrieg

Der SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz sagte: „Mit den amerikanischen Luftschlägen der vergangenen Nacht sollte die Fähigkeit des Assad-Regimes, weitere Kriegsverbrechen zu begehen, eingeschränkt werden. Für uns alle muss klar sein: Wir brauchen jetzt umso drängender eine diplomatische Lösung des Konflikts. Das ist die Stunde der Gespräche, nicht der Bomben.“

Kritik und Sorge äußerte die Linkspartei. Der außenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Jan van Aken, sagte dem SWR: „Was für ein Irrsinn.“ Es bestehe jetzt „die große Gefahr, dass es weiter eskaliert.“ Er befürchte nun, „dass es sich hochschaukelt“ zwischen Russland und den Vereinigten Staaten. Statt des Angriffs wäre seiner Meinung nach eine unabhängige Untersuchung des Giftgasangriffs richtig gewesen, um die Verantwortlichen für die Attacke zu ermitteln. Danach könne in der Weltgemeinschaft überlegt werden, „was die Reaktion ist, aber nicht einseitig einen Militärschlag, und das auch noch auf einen Stützpunkt, wo die Russen auch stationiert waren“.

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