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Kongresswahlen in Arizona : Sechs Geschwister warnen vor Wahl des eigenen Bruders

Mit einer Videokampagne warnen die Geschwister des Kongressabgeordneten Paul Gosar vor der Wahl ihres Bruders. Bild: AP

In einem Video eines demokratischen Kandidaten für die Kongresswahlen in Amerika kommt der republikanische Bewerber nicht gut weg. Das wäre wenig überraschend – doch die Kritik kommt von den eigenen Geschwistern.

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          Dass der politische Gegner in einem Wahlwerbespot nicht immer ungeschoren davon kommt, dürfte die Wenigsten überraschen. Und so mutet das Video, mit welchem der Demokrat David Brill im republikanisch geprägten Arizona um den Einzug in den Kongress kämpft, zunächst reichlich unspektakulär an. Nacheinander lässt Brill mehrere Personen zu Wort kommen, die erklären, warum dessen republikanischer Gegenkandidat, Paul Gosar, nicht die beste Wahl für den Kongress sei.

          Simon Hüsgen
          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          „Paul arbeitet definitiv nicht für seinen Wahlkreis“, wirft zum Beispiel David, ein Anwalt im mittleren Alter, Gosar vor. Jennifer hingegen kritisiert das aus ihrer Sicht mangelnde soziale Engagement des republikanischen Abgeordneten für die Landbevölkerung in Arizona. „Wenn er sich wirklich für die Leute im ländlichen Arizona interessieren würde, wette ich, dass er sich für soziale Sicherheit und einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung einsetzen würde“, bemängelt die Dolmetscherin. Auch Grace, Tim, Gaston und Joan scheinen Gosar politisch nicht allzu gewogen zu sein. Aber reicht das, um einen Kandidaten, der 2016 noch mit 71 Prozent der Stimmen in Arizonas viertem Wahlbezirk in den Kongress einzog, ernsthaft herauszufordern?

          Das Video hält für seine Nutzer noch eine entscheidende Wendung bereit: Denn die Sechs eint nicht nur ihre Wahlempfehlung für den Demokraten Brill, sondern auch ihr Nachname: Gosar. Die Gemeinsamkeit mit dem Namen des Republikaners sind dabei kein bizarrer Zufall – Paul Gosar ist ihr Bruder.

          „Wir sind bestürzt, dass Paul so tief gesunken ist“

          Was aber treibt die sechs Geschwister dazu, sich derart öffentlich gegen Paul zu stellen? „Es wäre schwer, meinen Bruder als etwas anderes als einen Rassisten zu sehen“, erklärt Grace Gosar laut der Phoenix News Times in einem anderen Video.

          Schon 2017 hatten sich sieben Geschwister Gosars in einem offenen Brief im Kingsman Daily Miner an ihren Bruder gewandt. Zuvor hatte Paul in einem Interview mit dem Nachrichtenportal „Vice“ behauptet, der demokratische Großspender George Soros habe „seine eigenen Leute den Nazis ausgeliefert“. Soros hatte als Kind jüdischer Eltern die Besetzung seines Geburtslandes Ungarns durch die Nazis überlebt. In dem Brief zeigten sich die Geschwister bestürzt, dass „Paul so tief gesunken ist“ und forderten ihn auf, sich bei Soros zu entschuldigen. „Es ist extrem erschütternd, dich deswegen zur Rede stellen zu müssen, Paul, aber du hast uns mit deinen arglistigen und antisemitischen Aussagen dazu gezwungen.“

          Zudem behauptete Paul Gosar, die Ausschreitungen in Charlottesville seien von „Linken“ organisiert worden, um Donald Trump zu schaden. Eine Rede von Papst Franziskus im Kapitol boykottierte er, weil dieser sich im Kampf gegen den Klimawandel engagiert. Außerdem verteidigte Gosar den britischen Rechtsextremisten Tommy Robinson.

          Wie in den gesamten Vereinigten Staaten finden in Arizona am 6. November die Zwischenwahlen statt. Bei den Vorwahlen setzte sich Gosar ohne Gegenkandidat mit 100 Prozent der Stimmen durch. Doch auch, wenn es Gosar im November gelingen sollte, seinen Sitz im Kapitol zu verteidigen, muss der Republikaner mit Gegenwind rechnen – denn am 22. November kommen in den Vereinigten Staaten zahlreiche Familien zum Thanksgiving zusammen.

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