https://www.faz.net/-gpf-a2py7

Amerikanische Justiz : Verletzter Schwarzer in Wisconsin hatte Messer im Auto

  • Aktualisiert am

Die Stadt Kenosha in Wisconsin wird seit Tagen von Unruhen gegen Polizeigewalt erschüttert. Bild: AP

Nach Angaben der Ermittler wurden die Polizisten wegen häuslicher Gewalt gerufen, bevor ein Beamter auf Jacob Blake schoss. Wegen der schweren Unruhen, die der Vorfall ausgelöst hat, schickt Washington 1000 Nationalgardisten und 200 Justizbeamte nach Wisconsin.

          2 Min.

          Der Afroamerikaner Jacob Blake, der in der Stadt Kenosha durch Schüsse in den Rücken bei einem Polizeieinsatz schwer verletzt worden war, hatte nach Angaben der Ermittlungsbehörden ein Messer in seinem Fahrzeug. Das Messer sei auf dem Boden des Innenraums auf der Fahrerseite sichergestellt worden, sagte der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Wisconsin, Joshua Kaul, am Mittwoch. Der Mann habe den Polizisten zuvor „an einem bestimmten Punkt“ gesagt, dass er ein Messer habe, sagte Kaul. Unklar war zunächst, ob der 29-Jährige das Messer bei der Auseinandersetzung zu einem Zeitpunkt in seiner Hand gehalten hatte. Der Generalstaatsanwalt sagte, eine weitere Waffe sei in dem Fahrzeug nicht gefunden worden.

          Der Fall sorgte für heftige Proteste in den Vereinigten Staaten, nachdem ein Video des Polizeieinsatzes veröffentlicht worden war. Darauf ist zu sehen, wie der 29-jährige Jacob Blake sich zunächst um sein Auto bewegt, während zwei Polizisten ihm mit gezogenen Waffen folgen. Eine davon ist direkt auf seinen Rücken gerichtet. Blake öffnet die Fahrertür und beugt sich hinein, unmittelbar danach fallen sieben Schüsse.

          Der Generalstaatsanwalt machte zunächst auch auf Anfragen von Journalisten keine weiteren Angaben zum Ablauf des Zwischenfalls. Die Polizei in Kenosha ist nicht mit Kameras am Körper ausgestattet. Der Fall wird nach den Regelungen in Wisconsin von der Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates untersucht.

          Der auf Video festgehaltene Ablauf des Zwischenfalls hatte Vorwürfe ungerechtfertigter Polizeigewalt und zum Teil gewaltsame Proteste in Kenosha ausgelöst. Kaul sagte, eine Frau habe die Polizei am Sonntag alarmiert und berichtet, dass sich ihr Freund gegen ihren Willen auf ihrem Grundstück aufhalte. Die eintreffenden Beamten hätten Blake vor Ort festnehmen wollen und dabei vergeblich einen Elektroschocker eingesetzt. Blake sei um das Auto herumgegangen, habe die Fahrertür geöffnet und sich nach vorne gebeugt.

          Ein Polizist habe ihn daraufhin am T-Shirt gepackt und ihm sieben Mal mit seiner Dienstwaffe in den Rücken geschossen, sagte Kaul. „Kein anderer Beamter hat seine Waffe abgefeuert.“ Der Beamte, der die Schüsse abgab, ist demnach seit sieben Jahren Polizist in Kenosha. In dem Auto befanden sich die Kinder Blakes im Alter von drei, fünf und acht Jahren.

          Die Anwälte von Blakes Familie haben angegeben, dass er einen Streit zwischen zwei Frauen habe schlichten wollen. Wegen der schweren Verletzungen ist der Familie zufolge unklar, ob der 29-Jährige jemals wieder laufen können wird.

          Nach den tagelangen Protesten gegen Polizeigewalt in Wisconsin, die der Vorfall in Kenosha auslöste, stationiert die amerikanische Regierung nun Nationalgardisten und Beamte in der Stadt. „Präsident Trump verurteilt Gewalt in jeglicher Form und glaubt, dass wir alle Amerikaner vor Chaos und Gesetzlosigkeit schützen müssen“, sagte Kayleigh McEnany, Sprecherin des Weißen Hauses am Mittwoch. Daher seien rund 1000 Soldaten der Nationalgarde und über 200 Strafverfolgungsbeamte, darunter Agenten des FBI, zur Unterstützung auf dem Weg in die Stadt Kenosha, ergänzte McEnany.

          Zuvor schrieb die Sprecherin des Justizministeriums, Kerri Kupec, auf Twitter, dass die Entsendung der Beamten „die staatlichen und lokalen Strafverfolgungsbehörden bei der Reaktion auf die Unruhen und Ausschreitungen unterstützen.“ Kenosha könne nach Bedarf mit zusätzlichen Bundesmitteln versorgt werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Terror in Nizza : Rausch des islamistischen Nihilismus

          Nach der Ermordung des Lehrers Samuel Paty durch einen Islamisten wurde die Stimmung aufgeheizt. Auch durch Boykottaufrufe gegen Frankreich in islamischen Ländern. Doch ein Pauschalverdacht gegen alle Muslime ist falsch.

          Der Papst und die Satire : Mit der Faust zuschlagen

          Der Muslimische Ältestenrat will das Magazin „Charlie Hebdo“ wegen der Mohammed-Karikaturen verklagen. Zeichnungen wie diese gefallen auch Papst Franziskus nicht. Da gibt es einen gefährlichen Schulterschluss.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.