https://www.faz.net/-gpf-a2pxz

Experten reagieren fassungslos : Amerikanische Gesundheitsbehörde weicht Corona-Test-Richtlinien auf

  • Aktualisiert am

Eine Anwohnerin des New Yorker Stadtteils Harlem unterzieht sich einem Covid-19-Test. Bild: AFP

Die Entscheidung der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC, Coronavirus-Tests bei Personen ohne Symptome zurückzufahren, ist von Experten heftig kritisiert worden. Medien berichten über politischen Druck von Präsident Trump.

          2 Min.

          Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC hat ihre Richtlinien aufgeweicht, wer sich einem Coronavirus-Test unterziehen sollte - Medienberichten zufolge auf Druck von Präsident Donald Trump. Bislang empfahl das Zentrum für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten (CDC) grundsätzlich einen Test für alle, die engen Kontakt zu einem mit Corona infizierten Menschen hatten. Dies sei notwendig, weil auch Menschen ohne Krankheitssymptome das Virus weiterverbreiten könnten.

          Seit dieser Woche heißt es auf der CDC-Website, wer sich mindestens 15 Minuten lang nahe eines Infizierten aufgehalten habe, aber selbst keine Symptome zeige, brauche nicht „notwendigerweise“ einen Test. Wurden bisher also auch Menschen ohne Symptome aufgerufen, sich einem Test zu unterziehen, wurde dies nun gestrichen.

          F.A.Z.-Newsletter „Amerika wählt“

          Kann Trump sich gegen Biden behaupten? Eine persönliche Einschätzung und die wichtigsten Amerika-Analysen der F.A.Z. jeden Donnerstag in Ihrem E-Mail-Postfach.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Gegenüber dem Nachrichtensender CNN erklärte ein Vertreter des amerikanischen Gesundheitsministeriums, die Richtlinien seien mit Blick auf den derzeitigen Kenntnisstand aktualisiert worden. Unklar blieb aber, in welcher Weise sich der Kenntnisstand zu Covid-19 verändert haben soll. Der für das Coronavirus-Testprogramm in Amerika zuständige Brett Giroir verteidigte den Schritt: Es gehe darum, die Ressourcen besser einzuteilen, sagte er. Er betonte, dass es keinen politischen Druck für diese Entscheidung gegeben habe.

          Gesundheitsexperten zeigten sich fassungslos. Geschätzt 40 bis 50 Prozent aller Infizierten seien asymptomatisch, schrieb die Medizinerin Leana Wen von der George-Washington-Universität im Kurzbotschaftendienst Twitter. Wer dem Virus ausgesetzt worden sei, müsse dies wissen, um seine Familie und die Öffentlichkeit zu schützen. „Es stellt sich die Frage: Wurde diese Änderung vorgenommen, weil wir nicht ausreichend Tests haben?“ Der renommierte Immunologe Anthony Fauci sagte dem Sender CNN am Mittwoch, das könne das falsche Gefühl vermitteln, dass es keine große Gefahr der Virus-Übertragung durch Menschen ohne Symptome gebe.

          Sowohl CNN als auch die „New York Times“ berichteten, die Gesundheitsbehörde CDC habe ihre Richtlinien auf Druck von Präsident Trump geändert. Der Republikaner hat wiederholt beklagt, dass die Vereinigten Staaten so hohe Infektionszahlen aufweisen würden, weil so viel getestet werde. Dies lasse sein Land und seine Regierung in einem schlechten Licht dastehen.

          In den Vereinigten Staaten wurden bereits mehr als 5,8 Millionen Corona-Fälle bestätigt, rund 180.000 Menschen starben an den Folgen einer Infektion. Zwar stimmt es, dass die Vereinigten Staaten besonders viel testen; zugleich steht außer Frage, dass das Land von dem Virus besonders hart getroffen wurde. Trumps, der sich am 3. November für eine zweite Amtszeit wiederwählen lassen will, steht wegen seines Umgangs mit der Pandemie massiv in der Kritik.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In der Krise haben viele Unicorns das Licht der Welt erblickt.

          Start-ups und Corona : Die fabelhafte Welt der Einhörner

          Die Anzahl riesiger Start-ups ist in der Pandemie gestiegen, der Unternehmergeist wirkt wie beflügelt. Heute tummeln sich mehr Einhörner in der Welt als je zuvor. Es ist eine Welt wie aus dem Märchenbuch.
          Die Ständige Impfkommission wehrt sich gegen den Druck der Politik

          Impfung von Jugendlichen : Ein törichtes Manöver

          Die Politik will nun auch Jugendliche impfen. Doch die STIKO ziert sich noch mit einer Empfehlung – zurecht, wenn sie ihre Autorität nicht leichtfertig aufs Spiel setzen möchte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.