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Amerikanischer Flugzeugträger : Erstes Corona-Opfer auf „Roosevelt“

  • Aktualisiert am

Besatzungsmitglieder der „USS Theodore Roosevelt“ suchen im Einsatz das Deck nach kleinen Metallteilen ab (Archivbild). Bild: Lorenz Hemicker

Das Drama um die „Theodore Roosevelt“ hat offenbar einen neuen, traurigen Tiefpunkt erreicht. Ein Besatzungsmitglied starb an den Folgen der Viruserkrankung.

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          Die Corona-Krise auf dem amerikanischen Flugzeugträger „Theodore Roosevelt“ hat offenbar einen neuen, traurigen Tiefpunkt erreicht. Einer Reporterin der amerikanischen Zeitung „Politico“ zufolge starb ein Besatzungsmitglied am Montag an der Viruserkrankung. Sie sei zuvor am 9. April auf eine Intensivstation verlegt worden, schrieb Lara Seligman auf Twitter.

          Das Schiff liegt vor der Pazifikinsel Guam vor Anker, eine Vielzahl an Besatzungsmitgliedern hat den Flugzeugträger infolge des Corona-Ausbruchs verlassen. Aus Sicherheitsgründen können aber nicht alle Soldaten von Bord gehen. Um die 1000 Soldaten müssen nach Angaben des Chefs der Marineoperationen, Michael Gilday, von vergangener Woche an Bord bleiben, um die Sicherheit zu gewährleisten.

          In Folge des Schlagabtauschs rund um den Ausbruch des Virus an Bord des Flugzeugträgers war zuletzt der amerikanische Marineminister Thomas Modly zurückgetreten. Ende März war zunächst bekannt geworden, dass sich einige der 4800 Besatzungsmitglieder desmit dem Coronavirus infiziert haben. Das Virus breitete sich immer weiter aus. Wie die „Washington Post„ berichtet, wurden mittlerweile mindestens 585 Besatzungsmitglieder positiv auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet.

          Der mittlerweile entlassene Kapitän Brett Crozier schlug in einem Brief Alarm wegen der Situation an Bord – und sendete ihn an einen großen Verteiler. Er forderte eine weitgehende Evakuierung des Schiffs, um weitere Infektionen zu vermeiden. „Wir befinden uns nicht im Krieg. Keine Marineangehörigen müssen sterben“, schrieb Crozier. Ohne Evakuierung müsse mit dem Tod von Soldaten gerechnet werden, warnte er.

          Modly feuerte Crozier nach Bekanntwerden des Briefs. Ein Kommandeur eines so wichtigen Schiffes müsse jederzeit Führungskraft, Urteilsstärke und Disziplin zeigen, hatte er damals gesagt. Diese Anforderungen ließ Modly in dem Konflikt allerdings selbst vermissen. Am Montag gelangte ein Audio-Mitschnitt an die Öffentlichkeit, in der Modly das Verhalten des Kapitäns gegenüber dessen Mannschaft als „zu naiv oder zu blöd“ bezeichnet hatte.

          Rücktrittsforderungen wurden laut. Dessen Worte und Äußerungen hätten einen „ernsthaften Mangel“ an fundiertem Urteilsvermögen und starker Führung, die in dieser Zeit nötig seien, offengelegt, erklärte etwa die Sprecherin des amerikanischen Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi. Modly entschuldigte sich am Montagabend in einer Mitteilung.

          Trump sagte am Dienstagabend (Ortszeit) im Weißen Haus, Modly hätte nicht zurücktreten müssen. In vielerlei Hinsicht sei der Rücktritt ein „sehr selbstloser“ Schritt gewesen. Die gesamte Angelegenheit sei „sehr bedauernswert“: Der Kapitän hätte keinen Brief schreiben und ihn an viele Menschen schicken sollen und der amtierende Minister nicht unbedingt das sagen sollen, was er gesagt habe. Trump ist der Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er hatte am Montag angekündigt, in dem Konflikt vermitteln zu wollen.

          An Modlys Stelle tritt nun der Untersekretär des Heeres, Jim McPherson, treten. Das Kommando über die „Theodore Roosvelt“ hat der Vorgänger von Kapitän Brett Crozier, Konteradmiral Carlos Sardiello wieder übernommen.

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