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Amerikas Corona-Paket : Einer Kriegsanstrengung ähnlich

Finanzminister Steven Mnuchin nach der Einigung mit führenden Vertretern des Kongresses. Bild: dpa

Das Ausmaß des Rettungspakets verdeutlicht das Ausmaß des Schocks, unter dem jetzt auch Amerika steht. Fragt sich nur, ob auch der Präsident auf Dauer der Lage gewachsen ist.

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          Erst hat sich die Notenbank in die Schlacht geworfen, um den Absturz der amerikanischen Wirtschaft in eine tiefe Rezession zu verhindern und die Märkte zu beruhigen, nun ziehen Präsident und Kongress nach: Fast zwei Billionen Dollar wird das Rettungspaket schwer sein, das Unternehmen und ganze Wirtschaftssektoren vor dem Zusammenbruch bewahren, Arbeitnehmer und Konsumenten unterstützen und das Gesundheitssystem besser ausrüsten soll.

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          Es ist das größte Rettungspaket in der amerikanischen Geschichte; es wird verglichen mit Anstrengungen im Kriege. Das allein ist Indiz für die Schwere der Pandemie und dafür, wie sehr Wirtschaft und Gesellschaft der Vereinigten Staaten davon betroffen sind. Es ist ein Schock, wie man ihn nur aus Science-Fiction-Filmen kannte; darin übrigens „9/11“ ähnlich. Auch jetzt bedarf es größter Anstrengungen, damit die Folgen nicht alles mitreißen. Insofern ist das Volumen des Pakets gerechtfertigt, ist die Einigung, die Republikaner und Demokraten erzielt haben, lobenswert.

          Um die Folgen sorgt sich auch Präsident Trump. Ginge es nach ihm, dann soll die – vielerorts und vielfach eingeschränkte – Wirtschaft im ganzen Land in zweieinhalb Wochen wieder auf Touren sein. Das ist ein sehr gewagtes Vorhaben, aus dem vor allem politischer Ehrgeiz des Präsidenten spricht und nur vermeintlich die Sorge um den langfristigen Schaden für die Wirtschaft.

          Wird Trump zum erfolgreichen Krisenmanager?

          Im Moment gibt es keinerlei Grundlage für solchen Optimismus. Die Infektions- und Todeszahlen steigen auch in den Vereinigten Staaten rasant; New York ist ein Epizentrum des Coronavirus. Kein Mensch weiß, wann die Krise eingedämmt sein wird. Jetzt schon einen Termin für die Rückkehr zur Normalität zu nennen schafft nur neue Unsicherheiten. Was, wenn die Epidemie auch in anderen Landesteilen so explodiert wie in New York?

          Im Kampf gegen das Virus beschreitet auch Amerika politisches, wirtschaftliches und soziales Neuland. Seine Arsenale sind jetzt gefüllt. Wie später die politische Bilanz ausfällt, vermag man jetzt nicht zu sagen.

          Trump wird sich nicht mehr im Glanze schöner Wirtschaftsdaten sonnen können. Aber vielleicht als erfolgreicher Krisenmanager? Der Schock namens Covid-19 geht nun gewiss nicht auf sein Konto, nur der Unsinn, den er zunächst zum Besten gab.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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