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Vertrauter Trumps : Botschafter Grenell wird Geheimdienstdirektor

  • Aktualisiert am

Der bisherige amerikanische Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, wurde von Präsident Trump zum Geheimdienstkoordinator ernannt und nach Washington zurückberufen. Bild: AFP

Sein Auftreten brachte dem amerikanischen Botschafter in Deutschland viel Kritik ein, wiederholt wurde ihm Einmischung in innere Angelegenheiten vorgeworfen. Bei Trump aber steht der umstrittene Diplomat hoch im Kurs – und übernimmt nun ein hohes Amt in Washington.

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          Der amerikanische Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, wird neuer amtierender Geheimdienstdirektor seines Landes. Der 53 Jahre alte Diplomat löst als Aufseher über alle amerikanischen Geheimdienste den geschäftsführenden Geheimdienstdirektor Joseph Maguire ab, wie Präsident Donald Trump am Mittwoch auf Twitter bekannt gab. Grenell sei ein „hoch angesehener Botschafter“ und habe die Vereinigten Staaten „äußerst gut repräsentiert“.

          Grenell ist seit dem Frühjahr 2018 der höchste diplomatische Vertreter Washingtons in Deutschland. Der Trump-Unterstützer nutzte sein Botschafteramt in Berlin für oftmals offensive Ansagen an die Bundesregierung und brach damit mit der üblichen diplomatischen Zurückhaltung.

          So drohte Grenell im vergangenen August im Streit um die deutschen Verteidigungsausgaben mit einem Teilabzug der amerikanischen Soldaten aus Deutschland, sollte die Bundesregierung den Wehretat nicht erhöhen. Bereits im März 2019 hatte er der Bundesregierung in der Debatte um eine Beteiligung des chinesischen Huawei-Konzerns am Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes mit Konsequenzen für die Geheimdienstzusammenarbeit gedroht.

          Sein Auftreten brachte Grenell in Deutschland viel Kritik ein. Wiederholt wurde ihm eine Einmischung in innere Angelegenheiten vorgeworfen. Bei Trump steht er aber hoch im Kurs. In der Vergangenheit war der Diplomat immer wieder für hohe Posten im Gespräch, so etwa für das Amt des Nationalen Sicherheitsberaters oder des amerikanischen Botschafters bei den Vereinten Nationen.

          Scharfe Kritik von den Demokraten

          Die Personalie sorgte bei den Demokraten umgehend für scharfe Kritik. Der demokratische Senator Mark Warner erklärte, Grenell besitze keinerlei Geheimdiensterfahrung. Trump ernenne zudem zum zweiten Mal in Folge nur einen amtierenden Geheimdienstdirektor und umgehe damit den amerikanischen Senat. Als lediglich geschäftsführender Geheimdienstdirektor muss Grenell nicht von der Kongresskammer bestätigt werden. Der demokratische Abgeordnete Bill Pascrell bezeichnete Grenell als „Schoßhund“ Trumps. Die Republikaner zeigten, dass ihnen Loyalität gegenüber Trump wichtiger sei als der Schutz der nationalen Sicherheit.

          Das Amt des Director of National Intelligence (DNI) wurde seit dem Rücktritt von Dan Coats Mitte August kommissarisch von Joseph Maguire betreut. Da Grenell amtierender Direktor wird, benötigt er für seine Ernennung nicht die Zustimmung des Senats. Der DNI koordiniert die 17 zivilen und militärischen Geheimdienste der Vereinigten Staaten. Die Stelle wurde nach den Anschlägen vom 11. September geschaffen. Trump dankte dem scheidenden Geheimdienstdirektor Maguire für seine „wunderbare Arbeit“. Er wolle weiter mit ihm zusammenarbeiten, womöglich in einem anderen Regierungsamt, twitterte der Präsident.

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