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US-Botschaft in Jerusalem : Ein heikler Tag

Am Rande einer Straße zur neuen Botschaft werden amerikanische Flaggen angebracht. Bild: dpa

Die Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem ist erst einmal ein symbolischer Akt. Aber auch Symbole können Feuer fangen.

          Ein sanf­ter Wind streicht über die lan­gen Grä­ser der Brach­flä­che vor dem Kon­su­lat. Die ame­ri­ka­ni­sche Flag­ge be­wegt sich trä­ge. Dann und wann fährt ein Au­to die Elya­hu-Lan­kin-Stra­ße ent­lang, meist mit dem Ab­zei­chen ei­ner Fahr­schu­le auf dem Dach. Der Je­ru­sa­le­mer Stadt­teil Ar­no­na ge­hört zum Prü­fungs­ge­biet für den Füh­rer­schein, ein ein­fa­cher, ver­kehrs­ar­mer Ab­schnitt. Ob sich dar­an et­was än­dert, wenn der Bot­schaf­ter der Ver­ei­nig­ten Staa­ten zum sieb­zigs­ten Ge­burts­tag Is­ra­els am 14. Mai dort­hin zieht? „Ehr­lich ge­sagt, hö­re ich da­von zum ers­ten Mal“, sagt Ari­el vor dem klei­nen Su­per­markt der Ket­te Zol Tov. Er ha­be er­war­tet, dass die Bot­schaft eher ins Zen­trum Je­ru­sa­lems ver­legt wer­de und nicht nach hier drau­ßen. „Es ist gut, dass die Bot­schaft nach Je­ru­sa­lem kommt, und soll­te sie dann in Ar­no­na sein, wird sich be­stimmt nicht viel än­dern“, glaubt Ari­el.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Der Mann, Mit­te drei­ßig, stammt aus Pa­ris, lebt seit ein paar Jah­ren in Je­ru­sa­lem und ar­bei­tet für ei­ne pri­va­te fran­zö­si­sche Aus­wan­de­r­er­ge­sell­schaft. „Hier in Ar­no­na le­ben vie­le Ame­ri­ka­ner und Fran­zo­sen“, sagt Ari­el. Das Vier­tel ge­hört zu den teu­ers­ten der Stadt. Ent­spre­chend men­schen­leer sind die Fuß­we­ge. Vie­le der sand­stein­far­be­nen Mehr­ge­schoss­bau­ten wur­den neu ge­baut und ste­hen leer. „Zu ver­kau­fen“ steht auf vie­len Schil­dern. Die An­kün­di­gung des Bot­schafts­um­zugs freut Spe­ku­lan­ten. Ari­el sagt, er ha­be glück­li­cher­wei­se vor Jah­ren schon ei­ne Woh­nung ge­kauft. „Die steigt jetzt be­stimmt im Wert.“

          Ein diplomatischer Paukenschlag

          In der „Ar­no­na“-Apo­the­ke ne­ben­an ist die Stim­mung ge­dämpf­ter. Hin­ter dem Tre­sen steht ei­ne Pa­läs­ti­nen­se­rin, die von den Bot­schafts­plä­nen mehr weiß als Ari­el. Sie sagt: „Wir hof­fen das Bes­te für uns al­le, vor al­lem, dass es hier ru­hig bleibt, ins­hallah.“ Noch ist alles fried­lich im Vier­tel, dar­an ha­ben auch die jüngs­ten Pro­tes­te im Ga­za­strei­fen nichts ge­än­dert.

          Wenn das Konsulat am Montag zur Botschaft erklärt wird, dann ist das ein diplomatischer Paukenschlag, aber vor Ort ändert sich erst einmal nicht viel. Botschafter David Friedman wird mit nur wenigen Mitarbeitern umziehen und seine Zeit zwischen Tel Aviv und Jerusalem teilen, sagen Diplomaten. So könnten peinliche Fragen der Nichtanerkennung vermieden werden, wenn Friedman andere westliche Diplomaten weiterhin in Tel Aviv treffen wird.

          Bis­lang ha­ben die Ver­ei­nig­ten Staa­ten ih­re Bot­schaft mit rund tausend Mit­ar­bei­tern in Tel Aviv und un­ter­hal­ten in Je­ru­sa­lem nur zwei Kon­su­lats­stel­len. In West­je­ru­sa­lem be­fin­det sich das 1912 ge­bau­te Ge­ne­ral­kon­su­lat na­he der his­to­ri­schen Alt­stadt. Sie be­hält ihr Man­dat: Fak­tisch wirkt sie auch als Bot­schaft für die pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­bie­te. Ein wei­te­res Kon­su­lats­ge­bäu­de na­he dem Da­mas­kus­tor in Ost­je­ru­sa­lem dient heu­te der ame­ri­ka­ni­schen Kul­tur­ab­tei­lung.

          Die Kon­su­lar­ab­tei­lun­gen der Ame­ri­ka­ner be­fin­den sich schon seit acht Jah­ren in der neu­en An­la­ge in Ar­no­na, die vorerst zur Haupt­bot­schaft Ame­ri­kas er­wei­tert wird. Auf den ers­ten Blick un­ter­schei­det die An­la­ge sich nicht von an­de­ren ame­ri­ka­ni­schen Bot­schaf­ten, was Grö­ße und Si­cher­heits­maß­nah­men an­geht. Die Gras- und Brach­flä­chen rund­her­um wür­den Platz für Park­plät­ze oder Ab­sper­run­gen bie­ten. Zum Neu­bau hat­ten die is­rae­li­schen Be­hör­den vor acht Jah­ren ex­tra ei­ne neue Au­to­brü­cke an­ge­legt, die den Hü­gel hin­auf zum Kon­su­lat führt. Sie en­det in ei­nem Ron­dell, das rech­ter Hand in die ame­ri­ka­ni­sche Ver­tre­tung führt und lin­ker Hand zum alt­ehr­wür­di­gen „Ho­tel Di­plo­mat“. Seit Jahr­zehn­ten dient es rus­sisch­stäm­mi­gen Ein­wan­de­rern als Al­ten­heim. Land und Ge­bäu­de des Ho­tels hat Wa­shing­ton vor vier Jah­ren ge­kauft. In zwei Jah­ren läuft der Miet­ver­trag für das Al­ten­heim aus.

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