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Abzug aus Afghanistan : Ein Schlag ins Gesicht für Bidens Verbündete

Amerikanische Truppen in der Provinz Helmand im August 2017 Bild: AFP

Der Präsident mag eine Lösung dafür gefunden haben, die Vereinigten Staaten aus dem längsten Krieg ihrer Geschichte herauszunehmen. Aber für die Afghanen ist der Krieg damit noch lange nicht beendet.

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          Symbolischer hätte die amerikanische Ankündigung kaum ausfallen können: Bis spätestens zum 11. September dieses Jahres sollen alle Truppen aus Afghanistan abgezogen sein. Dann jähren sich zum zwanzigsten Mal die Anschläge in New York und Washington, welche die jüngste Phase des „Kriegs gegen den Terror“ einläuteten. Nur Wochen später führten sie zur Invasion Afghanistans durch eine Koalition vorwiegend westlicher Staaten. Am Hindukusch saß nämlich die Führung von Al Qaida um Usama Bin Ladin und genoss die Gastfreundschaft der herrschenden Taliban.

          Der Al-Qaida-Anführer Bin Ladin ist seit fast zehn Jahren tot. Die Afghanistan-Mission hat sich indessen zu einem zermürbenden, opferreichen Einsatz entwickelt. Auch Präsident Biden will nicht, dass daraus ein „Endlos-Krieg“ wird; in diesem Punkt unterscheidet er sich nicht sehr von seinem Vorgänger Donald Trump. Daher hat Washington den Nato-Verbündeten nun umstandslos bedeutet, dass in weniger als fünf Monaten Schluss sein wird mit der gemeinsamen Mission. Und zwar – anders als es bei der Nato bislang stets hieß – „bedingungslos“. Das ist ein Schlag ins Gesicht für Bidens Verbündete.

          Bidens Abzugsdatum ist willkürlich

          Mit dem fixen Termin will Biden auch die Gefahr verringern, dass es nach dem 1. Mai zu neuen Angriffen auf die ausländischen Truppen kommt. Dieses Datum war unter Trump vereinbart worden, Biden hatte es zunächst in Frage gestellt. Das neue, vom Präsidenten bestimmte Abzugsdatum ist – ungeachtet aller Symbolik – aber genauso willkürlich. Und Biden riskiert, weitere Unruhe in einen Prozess zu bringen, dessen Erfolg ohnehin ungewiss ist.  

          Auf amerikanisches Drängen hatten sich die afghanische Regierung und die Taliban im Herbst 2020 erstmals zu direkten Verhandlungen zusammengefunden. Dass diese sehr schleppend verlaufen, dürfte ein Grund dafür gewesen sein, dass Washington seit Jahresbeginn den Druck erhöht hatte. Eigentlich hätten sich in dieser oder der kommenden Woche verschiedene Akteure des Konflikts in der Türkei zu einem Friedensgipfel einfinden sollen.

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          Die Taliban haben ihre Teilnahme nach der Ankündigung aus Washington endgültig abgesagt. Für die Islamisten stellt sich nicht mehr die Frage, ob sie Verhandlungen noch nötig haben. Ihre Aussichten sind so gut wie seit langem nicht, auf militärischem Weg die ersehnte Rückkehr an die Macht zu bewerkstelligen können. Die Kräfte der Regierung von Präsident Aschraf Ghani dürften dem Druck der Taliban nicht allzu lang standhalten, wenn die verbliebenen Streitkräfte ihrer ausländischen Verbündeten abgezogen sind. Schon jetzt hat die Gewalt wieder enorm zugenommen: Zwischen Oktober 2020 und März 2021 stieg die Zahl der zivilen Opfer um mehr als ein Drittel gegenüber dem Vorjahreszeitraum, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichen UN-Bericht: auf mehr als 4500 Getötete und Verletzte. 

          Da klingt es nachgerade zynisch, wenn es aus Washington nun heißt, eigentlich sei das Ziel des Einsatzes doch erreicht worden: zu verhindern, dass von dem Land weiter eine Terrorgefahr für die Vereinigten Staaten ausgehe. Biden mag eine Lösung dafür gefunden haben, Amerikas längsten Krieg zu beenden. Aber für die Afghanen ist der Krieg damit noch lange nicht beendet.

          Christian Meier
          Redakteur in der Politik.

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