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Urteil im Fall Trayvon Martin : Freispruch für den Todesschützen

  • Aktualisiert am

Ein Urteil, das Amerika zutiefst spaltet: George Zimmerman wurde freigesprochen Bild: AP

Der Fall des unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin, der erschossen wurde, wühlte die Vereinigten Staaten auf. Jetzt ist der Todesschütze freigesprochen worden - und das Land ist gespaltener denn je.

          Im amerikanischen Prozess um den Tod des schwarzen  Teenagers Trayvon Martin haben die Geschworenen den angeklagten  Nachbarschaftswächter George Zimmerman freigesprochen. Die sechs  Mitglieder der Jury kamen am Samstag nach 16-stündigen Beratungen  zu dem Schluss, dass Zimmerman nicht des Totschlags an dem  unbewaffneten Jugendlichen schuldig sei. Die Richterin Deborah  Nelson sagte zu Zimmerman, sie habe die Entscheidung der Jury  bestätigt und er könne den Gerichtssaal als freier Mann verlassen.

          „Herr Zimmerman, ich habe das Urteil unterschrieben, das die  Entscheidung der Jury bestätigt. Ihre Kaution wird aufgehoben. Ihre  GPS-Überwachung wird abgeschaltet, wenn Sie den Gerichtssaal hier  verlassen. Sie haben nichts weiter zu tun mit dem Gericht“, sagte  Nelson. Der 29-jährige Zimmerman lächelte kurz, erschien sonst aber  eher unbewegt. Seine Familie hinter ihm freute sich dagegen  sichtlich. Die Familie von Trayvon Martin war nicht im Saal.

          „Dies ist das Ende unseres Rechtssystems“

          Zimmermans Anwalt Mark O’Mara begrüßte das Urteil. „Offenkundig  sind wir verzückt über das Ergebnis. George Zimmerman war niemals irgendetwas schuldig, außer sich in Notwehr verteidigt zu haben“,  sagte O’Mara. Die Demonstranten, die sich vor dem Gericht  versammelt hatten, um „Gerechtigkeit für Trayvon Martin“ zu  fordern, reagierten dagegen empört auf das Urteil. „Dies ist das  Ende unseres Rechtssystems. Die Justiz ist nicht gleich für alle“,  sagte nach der Urteilsverkündung der 20-jährige Ashton Summer.

          Geschockt reagiert diese schwarze Frau in Sanford, Florida, auf den Freispruch Zimmermans

          Die sechs Frauen in der Jury, darunter fünf Weiße, mussten  einstimmig über Schuld und Unschuld des angeklagten  Nachbarschaftswächters entscheiden. Sie begannen die Beratungen am  Freitag, vertagten sie aber nach kurzer Zeit auf Samstag. Zuvor hatten die Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre  Schlussplädoyers gehalten. Bei einem Schuldspruch wegen schweren  Totschlags drohten Zimmerman lebenslange Haft. Zuletzt befand er  sich gegen eine Kaution von einer Million Dollar auf freiem Fuß.

          Ausgeprägtes Recht auf Schusswaffen in Florida

          Zimmerman hatte Trayvon Martin am Abend des 26. Februar 2012 auf  einem Patrouillengang in Sanford erschossen, nachdem es in der  Gemeinde eine Reihe von Einbrüchen gegeben hatte. Der unbewaffnete Jugendliche befand sich auf dem Weg von einem kleinen Einkauf nach  Hause. Zimmerman beteuert, dass Martin ihn zuerst attackiert habe.  Der Fall sorgte in den Vereinigten Staaten für großes Aufsehen, da der Verdacht  bestand, dass bei der Tat und beim anschließenden Umgang der Polizei mit dem Fall Rassismus im Spiel war.

          Empörung: Demonstrationen nach dem Freispruch auf den Straßen von Harlem, New York

          Die Polizei hatte Zimmerman nach dem Vorfall zunächst laufen  lassen. Dabei berief sie sich auf das „Stand Your Ground“-Gesetz  („Weiche nicht zurück“), das Bürgern in Florida ein besonders ausgeprägtes Recht auf Selbstverteidigung mit Schusswaffen einräumt. Martins Eltern warfen den Behörden vor, nicht angemessen  ermittelt zu haben, weil ihr Sohn schwarz war.

          Verteidigung: Es war Notwehr

          In die Debatte über  Rassismus in der Gesellschaft, die durch den Fall ausgelöst wurde,  schaltete sich sogar Präsident Barack Obama ein. „Wenn ich einen Sohn hätte, würde er wie Trayvon aussehen“, sagte er. „Wenn ich an diesen Jungen denke, denke ich an meine eigenen Kinder“, sagte er.

          „Das ist das Ende unseres Rechtssystems“: Viele Menschen können das Urteil in dem Prozess nicht verstehen

          Zehntausende Menschen gingen auf die Straße und forderten  Gerechtigkeit für Trayvon Martin. Zimmerman stritt aber ab, Martin bewusst wegen seiner Hautfarbe ins Visier genommen zu haben. Der Angeklagte verwies dabei auch auf sein lateinamerikanischen Wurzeln. Die Verteidigung argumentierte, Zimmerman habe in Notwehr gehandelt, als Martin ihn niedergerungen und begonnen habe, seinen Kopf auf den Boden zu schlagen.

          Rassismus-Debatte ist neu entbrannt

          Schon kurz nach dem Freispruch sprudelten die Kommentare beider Lager zuhauf im Internet. „Ich werde dich für immer lieben, Trayvon“, schrieb Sybrina Fulton, die Mutter des Getöteten, nach der Urteilsverkündung auf Twitter. „Vielen Dank an alle, die mit uns sind und die mit uns dafür sorgen, das so etwas nie wieder geschieht“, twitterte Vater Tracy Martin.

          Zimmerman mag recht bekommen haben - in Ruhe schlafen wird er deshalb noch nicht. Im Gegenteil: Schon im Vorfeld des Urteils hatten mehrere Organisationen aus Sorge vor möglichen gewaltsamen Ausschreitungen zu Ruhe und Besonnenheit aufgerufen. Zimmerman hatte einem Bericht der „New York Times“ zufolge die Öffentlichkeit gemieden und außerhalb des Gerichtssaals eine kugelsichere Weste getragen. Sein Bruder Robert sagte in einem Interview des Fernsehsenders CNN: „Mehr als jemals zuvor hat er jetzt Grund zu glauben, dass Menschen ihn umbringen wollen, wenn sie es könnten.“

          Der Fall Trayvon Martin

          Der Tod des 17 Jahre alten Trayvon Martin in Florida hat Amerika aufgewühlt. Der schwarze Jugendliche war von George Zimmerman, einem Mitglied einer Bürgerwehr, erschossen worden. Spekulationen über ein mögliches rassistisches Motiv sorgten während des Prozesses für Schlagzeilen. Knapp anderthalb Jahre vergingen bis zum Freispruch. Eine Chronologie der Ereignisse:

          26. Februar 2012: In Sanford (Florida) erschießt George Zimmerman den unbewaffneten schwarzen Teenager Trayvon Martin. Zimmerman, Mitglied einer Nachbarschaftswehr, wird zunächst festgehalten und kurz darauf wieder freigelassen. Er erklärt, aus Notwehr gehandelt zu haben.

          8. März 2012: Die Eltern von Trayvon Martin initiieren eine Internetpetition, in der sie die Strafverfolgung Zimmermans fordern.

          13. März 2012: Die amerikanischen Medien werden auf den Fall aufmerksam.

          16. März 2012: Im Internet werden Mitschnitte von Notrufen veröffentlicht, die Augenzeugen abgesetzt haben. Darunter ist auch ein Anruf Zimmermans, der einen „verdächtigen Typen“ meldet.

          19. März 2012: Das amerikanische Justizministerium kündigt Ermittlungen an. Eine 16-Jährige erzählt dem Anwalt der Familie Martin, dass Trayvon Martin sie kurz vor seinem Tod angerufen habe, da er verfolgt werde.

          20. März 2012: Die Staatsanwaltschaft gibt bekannt, dass am 10. April über eine Anklage gegen Zimmerman entschieden werden soll.

          21. März 2012: Martins Eltern nehmen in New York am „Million Hoodie March“, einer Demonstration gegen Rassismus und für Gerechtigkeit, teil. Viele Teilnehmer tragen einen schwarzen Kapuzenpullover („Hoodie“) - ähnlich jenem, den Martin am 26. Februar anhatte. In den folgenden Tagen weiten sich die Protestkundgebungen auf mehrere amerikanische Städte aus. Via Facebook und Twitter machen Millionen Menschen ihrem Ärger Luft. Bilder mit prominenten „Hoodie“-Trägern kursieren, auf Twitter weisen Prominente auf den Fall hin.

          23. März 2012: Der amerikanische Präsident Barack Obama spricht den Eltern des Opfers sein Mitgefühl aus: „Wenn ich einen Sohn hätte, er würde wie Trayvon aussehen.“ Bereits 1,5 Millionen Menschen unterstützen die Internetpetition von Martins Eltern.

          3. April: Auch das FBI ermittelt nun in dem Fall.

          9. April 2012: Zimmerman äußert sich erstmals seit seinem Abtauchen kurz nach Martins Tod. Über das Internet ruft er zu Spenden für seinen rechtlichen Beistand auf.

          11. April 2012: Die Sonderermittlerin der Staatsanwaltschaft teilt mit, dass Anklage gegen Zimmerman erhoben wird. George Zimmerman muss sich wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz („second degree murder“) verantworten.

          5. Juni 2012: Zimmerman kommt gegen eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar erneut auf freien Fuß. Eine erste Haftentlassung gegen Zahlung von 150.000 Dollar Kaution war vier Tage zuvor wegen falscher Angaben über die Vermögensverhältnisse aufgehoben worden.

          21. Juni 2012: Sanfords Polizeichef Bill Lee wird gefeuert. Im Zusammenhang mit dem Fall Trayvon Martin habe er das Vertrauen und den Respekt eines Teils der Gemeinde verloren, hieß es zur Begründung.

          26. Februar 2013: Am Jahrestag der tödlichen Schüsse auf Trayvon Martin halten Hunderte Demonstranten in New York eine Mahnwache ab. Viele Teilnehmer tragen Kapuzenpullover.

          20. Juni 2013: Mit zehn Tagen Verzögerung werden die Geschworenen für den Prozess gegen Zimmerman gewählt. Sechs Frauen - fünf Weiße und eine Hispano-Amerikanerin - sollen über Schuld oder Unschuld entscheiden.

          24. Juni 2013: In Sanford beginnt der Prozess. Die Staatsanwaltschaft wirft Zimmerman vor, Martin bewusst erschossen zu haben. Der Angeklagte beharrt weiter auf Notwehr.

          11. Juli 2013: Die Schlussplädoyers beginnen. Staatsanwalt Bernie de la Rionda nennt Zimmerman einen „Möchtegern-Cop“, der in dem 17-Jährigen einen Kriminellen gesehen habe. Verteidiger Mark O’Mara entgegnet, Zimmerman habe aus Notwehr geschossen und sei freizusprechen.

          13. Juli 2013: Die Geschworenen befinden Zimmermann des Mordes mit bedingtem Vorsatz für nicht schuldig. Er verlässt das Gericht als freier Mann.

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