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Nach Gift-Anschlag auf Spion : Von der Leyen: Russland muss aufklären, was geschehen ist

  • Aktualisiert am

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Archivbild aus dem vergangenen November Bild: dpa

Verteidigungsministerin von der Leyen hat Russland aufgefordert, zur Aufklärung des Giftgasanschlags auf einen russischen Ex-Spion in Großbritannien beizutragen. Es sei das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass „so schaurige Chemiewaffen“ in Europa eingesetzt worden seien.

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          Nach der Giftattacke auf einen früheren Doppelagenten in Großbritannien hat Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen Russland dringend aufgefordert, zur Aufklärung dieses Verbrechens beizutragen. „Wir nehmen das sehr, sehr ernst“, sagte von der Leyen am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Sie erinnerte an das Attentat auf den früheren Agenten Alexander Litwinenko: Russland habe 2006 einen Spion in Großbritannien mit radioaktivem Material getötet. „Russland muss seinen Teil zur Aufklärung beitragen“, verlangte die CDU-Politikerin.

          London wirft Moskau vor, für den Mord an dem früheren Spion und dessen Tochter mit Nervengift in Südengland verantwortlich zu sein. Von der Leyen zog eine Verbindung zum Engagement Russlands im Syrien-Krieg an der Seite des Präsidenten Baschar al-Assad: „Wir sehen, wie der Verbündete Assad Giftgas einsetzt. Russland ist der Verbündete von Assad. Deshalb ist es für Russland entscheidend aufzuklären, was dort geschehen ist.“ London wirft Moskau vor, für den Mordanschlag an dem früheren Spion und dessen Tochter mit Nervengift in Südengland verantwortlich zu sein.

          Die Bundesverteidigungsministerin sagte: „Das ist eine schaurige Waffe, die dort eingesetzt worden ist.“ Das Attentat sei ein „schwerer Bruch aller internationaler Abkommen, was Chemiewaffen angeht“. Und weiter: „Es ist eine schwere Gefährdung von unendlich vielen Unschuldigen.“ Sie werde am Donnerstagnachmittag mit ihrem britischen Amtskollegen Gavin Williamson telefonieren, der ihr Hintergründe zur Tat aufzeigen wolle.

          Ischinger: Keine Vorverurteilung

          Der Vorsitzende der Münchener Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, warnte vor einer Vorverurteilung und forderte mit Blick auf die Vorwürfe gegen Russland zu Augenmaß auf. „Ich glaube, wir müssen die Fakten von den Vermutungen trennen“, sagte er im Deutschlandfunk. Fakt sei, dass es um einen Nervenkampfstoff gehe, der in der früheren Sowjetunion produziert worden sei. Eine Möglichkeit könnte sei, dass die russische Regierung oder ein russischer Geheimdienst hinter der Gift-Attacke stecke. Denkbar sei aber auch, dass versprengte russischer Ex-Geheimdienstler hier aktiv geworden seien. „Das macht die Sache auch nicht schöner“, sagte Ischinger. Das Risiko sei, dass sich durch den Giftanschlag die ohnehin gespannten Ost-West-Beziehungen dramatisch zuspitzen.

          Die britische Regierung hat wegen des Attentats Strafmaßnahmen gegen Russland verhängt und unter anderem 23 russische Diplomaten ausgewiesen. Auch die Vereinigten Staaten machen Russland für den Gift-Anschlag verantwortlich. Russland weist die Vorwürfe zurück.

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