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Untergang der Sewol : Südkoreas Ministerpräsident tritt wegen Fährunglück zurück

Rettungseinsatz nach dem Untergang der Fähre „Sewol“ Bild: dpa

Weil sie zu langsam reagierte, steht die südkoreanische Regierung seit Tagen in der Kritik. Nun zieht Ministerpräsident Chung Konsequenzen aus dem Fährunglück, bei dem mindestens 187 Menschen umkamen.

          Elf Tage nach dem schweren Fährunglück in Südkorea hat Ministerpräsident Chung Hong-won seinen Rücktritt angekündigt. Er bat um Entschuldigung dafür, dass er nicht angemessen auf das Unglück reagieren habe, sagte Chung am Sonntag auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Seoul. Chung übernahm mit seinem Rücktritt die Verantwortung für die wachsende öffentliche Kritik am Krisenmanagement der Regierung nach dem Schiffsunglück. Auch elf Tage nach der Katastrophe werden noch 115 Menschen vermisst.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Taucher versuchten am Wochenende, die Kabinen im dritten und vierten Deck des Wracks zu durchsuchen, in denen die meisten der Vermissten vermutet werden. Stürmisches Wetter, starke Unterwasserströmungen und die extrem schlechte Sicht auf dem Meeresboden führten aber dazu, dass die Taucher ihre Versuche, in das Wrack zu kommen, immer wieder ergebnislos abbrechen mussten. 174 Passagiere - unter ihnen der Kapitän und der größte Teil der Mannschaft - konnten sich am Tag des Untergangs retten. In den zehn Tagen danach haben die Retter allerdings keinen Überlebenden mehr gefunden.

          „Die Schreie lassen mich nicht schlafen“

          Der Unfall habe das ganze Land in tiefe Trauer gestürzt, sagte Chung. „Viele Tage sind seit dem Unglück vergangen, aber die Schreie der Familien von Vermissten lassen mich nicht schlafen“. Er habe schon vorher zurücktreten wollen, doch habe er es zunächst für notwendiger gehalten, die Lage in den Griff zu bekommen, sagte Chung weiter. Er appellierte an die Koreaner, nun auf Schuldzuweisungen zu verzichten und die Bergungsarbeiten zu unterstützen.

          Mit seinem Rücktritt versucht Chung, Druck von Präsidentin Park Geun-hye und ihrer Regierung zu nehmen, die in den vergangenen Tagen immer stärker attackiert worden waren. Park erklärte am Sonntag, dass sie den Rücktritt ihres Ministerpräsidenten annehme. Chung soll allerdings im Amt bleiben, bis die Bergung beendet ist.

          Die Fähre „Sewol“ war am 16. April mit 476 Menschen an Bord gekentert und gesunken. Die meisten Passagiere waren Schüler, die einen Schulausflug auf dem Weg zur Insel Jeju machten. Bis Sonntag wurden 187 Tote geborgen.

          Inzwischen sind alle 15 überlebenden Besatzungsmitglieder in Untersuchungshaft, die letzten vier wurden am Samstag festgenommen. Der Crew, allen voran ihrem Kapitän Lee Joon-seok, wird vorgeworfen, die Evakuierung verzögert und die Passagiere im Stich gelassen haben, weil sie frühzeitig das Schiff verließ. Weitere Ermittlungen richten sich gegen die Reederei und ihre Geschäftspartner sowie gegen acht ehemalige und amtierende führende Vertreter des südkoreanischen Schiffsregisters, das die Sicherheitszertifikate ausstellt.

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