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Unruhen in Burma : Eine Stadt im Ausnahmezustand

Zuflucht: Nur in dieser Straße in Sittwe können Rohingyas noch einigermaßen sicher leben Bild: Till Fähnders

Die Rohingyas sind ein Volk, das es für die Burmesen offiziell gar nicht gibt. Die Gewalt gegen diese Muslime ist aber sehr real. Die Kritik muslimischer Staaten an Burma wächst.

          Es gibt derzeit nur eine Straße im Stadtgebiet von Sittwe, in der noch Rohingyas leben. Sie wird streng bewacht. Am Eingang stehen zwei etwa eineinhalb Meter breite Barrikaden, deren Holzbalken mit Stacheldraht überzogen sind. Ein alter Soldat gestikuliert mit den Händen, um den Journalisten aus dem Ausland aufzuhalten. Der Soldat trägt einen grünen Helm, grüne Uniform und ein Gewehr. Zwei bewaffnete Polizisten in grau-blauen Uniformen kommen hinzu.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Als die Rohingyas in ihren Häusern den Besucher bemerken, stecken immer mehr von ihnen die Köpfe aus Türen und Fenstern. Männer mit weißen Kappen auf dem Kopf und in langen weißen Hemden kommen die matschige Straße heruntergelaufen, ein paar junge Männer drängen sich neugierig an die Seite. „Wir sind Rohingyas“, sagt einer. Doch der Soldat und die Polizisten werden nervös, bis schließlich ein Mann in Zivil auftaucht und den Ausländer grob an die Seite drängt.

          Tiefempfundene Abneigung

          Die Rohingyas sind ein Volk, dessen Existenz von der burmesischen Regierung und großen Teilen der Bevölkerung geleugnet wird. Sie sehen sie als illegale Einwanderer, die in den vergangenen Jahrzehnten aus dem angrenzenden Bangladesch in den Rakhaing-Staat im Westen Burmas gekommen seien. Dabei leben einige schon seit Generationen hier. Doch ist unter Burmesen offensichtlich eine tiefempfundene Abneigung gegenüber diesen burmesischen Muslimen verbreitet

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          Bilderstrecke

          Im Juni kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Rohingyas und einer anderen ethnischen Bevölkerungsgruppe, den buddhistischen Rakhaing. Nach offiziellen Angaben sind etwa 80 Menschen getötet worden. Laut den Vereinten Nationen sind seither bis zu 80.000 Menschen auf der Flucht und leben größtenteils in temporären Flüchtlingslagern. Auch zwei Monate nach den Unruhen hat die Regierung für sie noch keine Lösung gefunden.

          Wohnsiedlungen in Flammen

          In der Regionalhauptstadt Sittwe, die am Golf von Bengalen liegt, sind die Spuren der Kämpfe nicht zu übersehen. Es klaffen Lücken im Stadtbild, etwa dort, wo Rakhaing die Moscheen der Rohingyas zerstörten und niederbrannten. An einem Küstenstreifen liegen Schutt und Asche über mehrere hundert Meter verstreut. Hier sollen zuvor 2000 Rohingyas gelebt haben, die meisten von ihnen waren Fischer. Die lodernden Flammen hätten die gesamte Wohnsiedlung eingehüllt, berichtet ein Nachbar. Er habe um sein Leben gefürchtet.

          Noch katastrophaler scheint die Zerstörung in einem Viertel mit dem Namen Narzi. Auf einer Fläche der Größe mehrerer Fußballfelder steht kein einziges Gebäude mehr. Hier haben die Behörden die Überreste der abgebrannten Häuser offensichtlich schon beseitigt. Links und rechts der Straße sollen insgesamt 10.000 Menschen gelebt haben, hauptsächlich Rohingyas, aber auch ein paar Rakhaing.

          An einer anderen Stelle am Stadtrand liegen noch umgestürzte und verkohlte Palmen und Häuserreste auf einem Feld. Es haben sich Narben in der urbanen Struktur und auf den Seelen ihrer Bewohner gebildet, die wahrscheinlich nicht so schnell verheilen werden. Die Lage ist sehr unübersichtlich, wie auch ein westlicher Beobachter sagt. Eine klare Unterscheidung zwischen Opfern und Tätern sei nicht möglich. Schließlich sollen sich sogar die Sicherheitskräfte an Greueln an den Rohingyas beteiligt haben.

          Am Wochenende hat der Präsident nun immerhin eine nationale Kommission beauftragt, die Unruhen und ihre Hintergründe zu untersuchen. Damit kommt er Forderungen aus dem Ausland entgegen. Vor allem muslimische Staaten und Gruppen hatten zuletzt scharfe Stellungnahmen veröffentlicht. Das bringt negative Publicity und kommt für die Regierung zum völlig falschen Zeitpunkt. Denn schließlich bemüht sich Präsident Thein Sein gerade darum, aus dem Paria-Staat eine respektable Demokratie zu machen. So wurde am Montag etwa die Abschaffung der Pressezensur in Burma verkündet.

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