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Unruhen in Afghanistan : Karzai setzt einen seiner mächtigsten Widersacher ab

  • Aktualisiert am

Präsident Karzai setzt sich durch Bild: REUTERS

Präsident Karzai hat seinen Widersacher Ismail Khan entmachtet. In dessen Provinz Herat kam es zu schweren Unruhen, sieben Menschen wurden getötet, elf verletzt, als Demonstranten mehrere UN-Gebäude stürmten.

          Vier Wochen vor den Wahlen in Afghanistan verschärft der Übergangspräsident Karzai seinen Kampf gegen die lokalen Kriegsherren. Nachdem er den Gouverneur der Provinzhauptstadt Herat, Ismail Khan, abgesetzt hatte, ist es am Wochenende in der bisher vergleichsweise friedlichen Provinzhauptstadt zu schweren Ausschreitungen gekommen.

          Aus Protest gegen die Entscheidung Karzais zogen mehr als tausend Demonstranten vor die örtliche Vertretung der Vereinten Nationen, riefen Parolen gegen die afghanische Regierung sowie die Vereinigten Staaten und setzten ein Gebäude in Brand. Mindestens zwei Anhänger Khans sollen bei Auseinandersetzungen mit afghanischen und amerikanischen Soldaten getötet worden sein. In einer unbestätigten Mitteilung sprach ein Krankenhausarzt in Herat von sieben Toten. Die zehn UN-Mitarbeiter, die sich in den Gebäuden aufhielten, blieben offenbar unverletzt.

          In Herat sehr beliebt

          Khan führte in den achtziger Jahren von Herat aus eine Widerstandsbewegung gegen die sowjetischen Besatzungstruppen. Auch die nach dem Ende der Talibanzeit eingesetzte Zentralregierung in Kabul konnte den in seiner Heimatstadt beliebten Despoten nicht davon abhalten, für seinen Herrschaftsbereich Autonomie zu beanspruchen. Nachdem Karzai unlängst den regionalen Kriegsherren den Kampf angesagt hatte, war mit einer Absetzung Khans gerechnet worden.

          Abgesetzt: Herats Provinzfürst Ismail Khan

          Khans Verhältnis zu Karzai hatte sich schon im März verschlechtert, nachdem aus Kabul befehligte Truppen bei Kämpfen seinen Sohn getötet hatten. Der Kriegsherr galt zudem als geschwächt, seit seine Truppen im vergangenen Monat dem Angriff eines Rivalen, Amanullah Khan, nicht standhalten konnten. Amanullah eroberte in kurzer Zeit maßgebliche Gebiete Herats und wurde nur mit Hilfe afghanischer Truppen zurückgeschlagen.

          Khan lehnte Ministerposten in Kabul ab

          Dem Vernehmen nach akzeptierte Khan seine Entlassung und kündigte an, fortan als "Privatperson" in Herat zu leben. Welche Konsequenzen dies für seine zuweilen auf 100.00 Mann geschätzte Privatarmee hat, blieb zunächst ungewiß. Karzais Angebot, zum Ausgleich als Industrieminister nach Kabul zu kommen, lehnte Khan ab. Als neuen Gouverneur ernannte Karzai den derzeitigen afghanischen Botschafter in der Ukraine, Sayid Mohammed Khairkhwa, der noch am Sonntag unter amerikanischem Schutz nach Herat gebracht wurde.

          Unterdessen ging in Afghanistan der Wahlkampf weiter. Auf einer Kundgebung kündigte Karzai an, im Falle eines Wahlsieges am 9. Oktober keine Koalition einzugehen. Möglicherweise um seine Unterstützung in den Paschtunengebieten zu erhöhen, ordnete der Präsident die Freilassung von 700 Talibankämpfern an, unter ihnen 300 pakistanische Staatsbürger. Das afghanische Verfassungsgericht teilte mit, Karzai habe ein entsprechendes Dekret erlassen.

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