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Unruhen in Äthiopien : Der Tod des Protestsängers und die Folgen

Der bekannte Sänger Hachalu Hundessa im Juli 2018 bei einem Konzert in Addis Abeba. Bild: Reuters

In Äthiopien gibt es nach der Ermordung eines bekannten Musikers blutige Unruhen. Ministerpräsident Abiy Ahmed verspricht Aufklärung – agiert aber zunehmend autoritär. Ist der Friedensnobelpreisträger gescheitert?

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          Der Protestsänger bekam ein Staatsbegräbnis mit Trauerfeier im Fußballstadion seiner Heimatstadt. Das Fernsehen übertrug live, Polizei und Militär marschierten auf. Am Montagabend war der äthiopische Musiker Hachalu Hundessa in der Hauptstadt Addis Abeba niedergeschossen worden und kurz darauf im Tirunesh Beijing General Hospital gestorben. Am Donnerstag wurde er in der Stadt Ambo beigesetzt. Zumindest bei der Trauerzeremonie blieb es friedlich. Allerdings zogen nach Informationen des amharischen Dienstes der BBC bewaffnete Oromo-Milizen durch Addis Abeba und griffen Angehörige anderer Ethnien an.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Wer den beliebten Sänger von der Volksgruppe der Oromo auf dem Gewissen hat, ist unklar. Nach Angaben der Polizei wurden bereits einige Verdächtige festgenommen. Dennoch kam es nach den tödlichen Schüssen in etlichen Städten des ostafrikanischen Landes zu Unruhen. Zehntausende gingen auf die Straße; Barrikaden wurden errichtet. In Addis Abeba detonierten drei Sprengsätze. Bis Mittwoch kamen bei den Krawallen mindestens 90 Menschen ums Leben. 81 sollen im Bundesstaat Oromia umgekommen sein und mindestens zehn in der Hauptstadt. Nach Angaben der Tageszeitung „Addis Standard“ handelte es sich bei 78 der Opfer aus Oromia um Zivilisten, unter ihnen soll sich ein Verwandter Hachalus befunden haben. Der Polizeichef der Oromia-Region, Ararsa Merdasa, teilte am Mittwoch mit, auch drei Angehörige einer Spezialeinheit der Polizei seien ums Leben gekommen. Doch die Informationen aus der Krisenregion fließen nur spärlich. Am Dienstag kappte die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed die Internetverbindungen im Land.

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