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Unruhen im Kosovo : Zwei UN-Polizisten erschossen

  • Aktualisiert am

Sakovica: Das beschossene UN-Fahrzeug wird untersucht Bild: AP

Neue Eskalation der Gewalt im Kosovo: Bei einem Angriff auf ein Fahrzeug der Vereinten Nationen sind ein UN-Polizist und sein einheimischer Kollege getötet worden. Ein Übersetzer wurde schwer verletzt.

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          Bei einem Angriff auf ein Fahrzeug der Vereinten Nationen im Kosovo sind ein UN-Polizist und sein einheimischer Kollege getötet worden. Das teilte UN-Sprecher Derek Chappell am Mittwoch in Pristina mit. Die beiden Polizisten wurden nach seinen Angaben am Dienstag abend während einer Patrouille in Sakovica, 25 Kilometer nordöstlich von Prishtina erschossen. Bei den Getöteten handele es sich um einen einheimischen Beamten und einen UN-Polizisten aus Ghana. Bei dem Schußwechsel sei auch einer der vier Angreifer getötet und ein Übersetzer der Polizisten schwer verletzt worden. Ihr Fahrzeug wurde von zahlreichen Schüssen durchlöchert.

          Es war der zweite solche Angriff, der sich gegen einen internationalen Polizisten richtete. Der UN-Sprecher wollte den Vorfall nicht mit den Unruhen zwischen Albanern und Serben in Zusammenhang bringen, bei denen seit Mitte vergangener Woche mindestens 28 Menschen getötet und mehr als 600 weitere verletzt wurden, unter ihnen 61 Soldaten der internationalen Friedenstruppe Kfor. Das UN-Fahrzeug sei auf einer Routinepatrouille gewesen und habe sich möglicherweise zur falschen Zeit am falschen Ort aufgehalten.

          „Mittelalterliche Barbarei“

          Zum fünften Jahrestag des Nato-Luftkriegs hat der UN-Verwalter im Kosovo, Harri Holkeri, zu einem Neuanfang in der Krisenprovinz aufgerufen. Es gebe Gruppen, die versuchten, die gesamte Zukunft des Kosovos zu zerstören, sagte Holkeri mit Blick auf die Ausschreitungen der vergangenen Woche. Das russische Außenministerium kritisierte eine „mittelalterliche Barbarei“ in der Provinz. Eine langfristige Lösung des Kosovo-Konflikts sei derzeit weit entfernt, erklärte der russische Außenamtssprecher Alexander Jakowenko: „Das Kosovo bleibt eine offene Wunde auf dem Balkan“. NATO-Friedenstruppen warf Jakowenko vor, eine „ethnische Säuberung“ im Kosovo nicht verhindert zu haben.

          Kosovos Präsident Ibrahim Rugova rief zur Erinnerung an „eines der wichtigsten Daten in der Geschichte des Kosovo“ auf. Auf Plakaten in der Hauptstadt Pristina war zu lesen: „Tage der Hoffnung - der Neuanfang“. In Belgrad waren Gedenkgottesdienste für die serbischen Opfer des Nato-Bombardements geplant. Mit der 78 Tage dauernden Offensive stoppte die Nato das gewaltsame Vorgehen des ehemaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic gegen die albanische Bevölkerungsmehrheit in der Provinz, dem mindestens 10.000 ethnische Albaner zum Opfer gefallen sein sollen. Nach dem Luftkrieg flohen mehr als 200.000 Serben aus dem Kosovo.

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