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Vereinte Nationen alarmiert : Neue Proteste erschüttern Sudan

Demonstranten schleppen am Samstag eine Barrikade über eine Straße in Khartum. Bild: Reuters

Hunderttausende demonstrieren am Wochenende abermals gegen den Putsch des Militärs im Land. Von zahlreichen Verletzten und von Toten wird berichtet. Kommt es zur Bildung einer neuen Regierung?

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          In Sudan haben Menschen am Sonntag abermals gegen die Machtübernahme durch das Militär demonstriert, nachdem es bei einer Massendemonstration am Samstag Tote und Verletzte gegeben hatte. Medienberichten zufolge errichteten Demonstranten am Morgen wieder Barrikaden aus Steinen und Autoreifen. Die meisten Geschäfte in der Hauptstadt Khartum blieben geschlossen, landesweit erschienen viele Regierungsangestellte aus Protest nicht zur Arbeit.

          Christian Meier
          Politischer Korrespondent für den Nahen Osten und Nordostafrika.

          Hunderttausende Menschen im Land waren am Samstag den Aufrufen von Gewerkschaften und zivilgesellschaftlichen Gruppen zu einem „Millionenmarsch“ gefolgt. Sie forderten die Wiedereinsetzung der zivilen Übergangsregierung, die vom Militär am vergangenen Montag für abgesetzt erklärt worden war. Manche Demonstranten trugen Plakate mit dem Porträt des Ministerpräsidenten Abdalla Hamdok. Das Militär blockierte Brücken und Straßenkreuzungen; es kam zu Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften.

          Diese setzten laut Angaben des „Zentralkomitees sudanesischer Ärzte“ scharfe Munition und Tränengas ein. Zahlreiche Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht, in der Stadt Omdurman drei Menschen erschossen worden. Damit stieg die Zahl der Todesopfer seit dem Putsch auf mindestens zwölf. Das Innenministerium bestritt den Einsatz scharfer Munition, vielmehr hätten Demonstranten die Polizei angegriffen.

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          Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, schrieb nach der Großdemonstration auf Twitter, die Berichte über Gewalt seien „alarmierend“, die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. An die Armeeführung gerichtet äußerte Guterres, es sei „an der Zeit, zu den legitimen konstitutionellen Arrangements zurückzukehren“. Nach der Absetzung des Machthabers Omar al-Baschir hatten Militär und zivile Kräfte sich im Sommer 2019 auf eine gemeinsame Übergangsregierung geeinigt, die den Weg zu Wahlen ebnen sollte. Diese Konstruktion war vor einer Woche zerbrochen.

          Der UN-Sonderbeauftragte für Sudan, Volker Perthes, teilte am Sonntag auf Twitter mit, dass er den unter Hausarrest stehenden Hamdok in dessen Residenz getroffen habe. „Wir haben Optionen für Vermittlung und den weiteren Weg für Sudan besprochen“, schrieb Perthes. Er werde diese Bemühungen mit anderen wichtigen sudanesischen Akteuren fortsetzen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf Gesprächspartner Hamdoks, dieser sei bereit, über die Bildung einer neuen Regierung zu verhandeln. Zuvor müssten jedoch die Situation vor dem Putsch wiederhergestellt und alle Festgenommenen freigelassen werden.

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