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Unicef-Bericht : Hunderttausende Flüchtlingskinder aus Myanmar in Not

  • Aktualisiert am

Hunderttausende Rohingya-Kinder sind aus Myanmar in Lager nach Bangladesh geflohen. Bild: Reuters

12.000 Rohingya-Kinder flüchten jede Woche nach Bangladesch. Die meisten sind akut unterernährt, haben Angehörige verloren, und unvorstellbare Grausamkeiten erlebt.

          Die Lage für Flüchtlingskinder aus Myanmar ist nach Einschätzung des UN-Kinderhilfswerks Unicef kritisch. Fast 340.000 Rohingya-Kinder lebten unter armseligen Bedingungen in Lagern in Bangladesch, ohne ausreichend Nahrung, sauberes Wasser und medizinischer Hilfe, teilte Unicef am Freitag mit. Schätzungsweise jedes fünfte Kind sei akut unterernährt und benötige Unterstützung. „Das wird nicht so schnell aufhören“, sagte Unicef-Mitarbeiter Simon Ingram. Es bestehe die Gefahr, dass Seuchen wie Cholera ausbrächen. Bis zu 12.000 Kinder kämen wöchentlich neu in den Lagern an.

          Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen hat zu schneller und umfangreicher Hilfe für die geflohenen Rohingya-Kinder in Bangladesch aufgerufen. Die Mädchen und Jungen bräuchten dringend ausreichend Nahrung, sauberes Wasser, Impfungen, Medikamente und psychologische Betreuung,

          Verfolgte Minderheit ohne Bürgerrechte

          Seit Ende August sind nach UN-Angaben fast 600.000 Rohingya in das Nachbarland Bangladesch geflohen. Die Angehörigen der muslimischen Minderheit, die in Myanmar nicht anerkannt werden und keine Bürgerrechte haben, werden seit Jahren verfolgt. Die neueste Militär-Kampagne gegen die Muslime begann, nachdem eine Rohingya-Miliz Ende August Armee- und Polizeiposten attackiert hatte. Die UN und Menschenrechtsorganisationen rufen seit Wochen die Streitkräfte und die Regierung von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi auf, die Angriffe zu beenden. Die Vereinten Nationen und mehrere Staaten werfen dem Militär des überwiegend buddhistischen Landes "ethnische Säuberung" vor. Die Regierung des früher Birma genannten Landes weist dies zurück.

          Am kommenden Montag sollen Geberländer auf einer UN-Konferenz in Genf Geld für die Rohingya-Krise bereitstellen. Viele Kinder seien akut unterernährt. Sie hätten Grausamkeiten in Myanmar erlebt und Angehörige verloren, betonte Unicef-Exekutivdirektor Anthony Lake. Trotz angelaufener internationaler Hilfsoperationen lebten die meisten Rohingya in Bangladesch im Elend. Sie harrten in überfüllten Behelfsunterkünften aus oder schliefen im Freien.

          UN-Hilfsorganisationen wie Unicef brauchen für die Versorgung der Rohingya in Bangladesch bis Februar 2018 mindestens 434 Millionen US-Dollar. Davon war laut einem UN-Sprecher bis Dienstag erst knapp ein Viertel eingetroffen. Die UN hoffen auf großzügige Zusagen auf der Genfer Geberkonferenz.

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