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UNHCR-Bericht : Weltweit sind immer mehr Menschen auf der Flucht

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Flüchtlinge der Rohingya auf dem Weg von Myanmar nach Bangladesch. Bild: AP

Der jährliche Bericht des UNHCR zeigt: Zwar befinden sich weltweit immer mehr Menschen auf der Flucht. In Europa aber gehen die Zahlen zurück. Einige Punkte der Statistik widersprechen zudem weit verbreiteten Annahmen.

          Die Asyldebatte dominiert dieser Tage die deutsche und europäische Politik: Die CSU will Flüchtlinge künftig an der deutschen Grenze abweisen, der italienische Innenminister Matteo Salvini spricht davon, 500.000 Flüchtlinge unabhängig von ihrem Status auszuweisen. In die zum Teil emotional geführte Diskussion hinein hat das UNHCR an diesem Dienstag, kurz vor dem Weltflüchtlingstag am 20. Juni, seinen jährlichen Bericht zur Situation von Menschen vorgestellt, die sich weltweit auf der Flucht befinden. Damit will das Flüchtlingskommissariat zu einer Versachlichung der Debatte beitragen.

          Die Zahlen für Europa zeigen: Gerade in Deutschland ist die Zahl Asylsuchender im Jahr 2017 deutlich zurückgegangen. Demnach kamen im vergangenen Jahr 186.444 Asylsuchende nach Deutschland, im Jahr zuvor waren es noch 280.000. Dieser Trend hat sich im ersten Quartal 2018 fortgesetzt. Dort sank die Zahl im Vergleich zu 2017 um fast 16 Prozent.

          Zum fünften Mal in Folge mehr Flüchtlinge

          Ein gegensätzlicher Trend ist dagegen auf globaler Ebene zu beobachten: Die Zahl der Menschen, die sich weltweit auf der Flucht befinden, ist im vergangenen Jahr zum fünften Mal in Folge gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr 2016 stieg sie um fast drei Millionen auf 68,5 Millionen Menschen. Rund 40 Millionen davon gelten als Binnenvertriebene, also Menschen, die im eigenen Land auf der Flucht sind. Von den restlichen 28,5 Millionen sind 25,4 Millionen Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention und 3,1 Millionen Asylsuchende, die den Flüchtlingsstatus noch nicht haben.

          Insgesamt befindet sich damit weltweit jeder 110. Mensch auf der Flucht. „Auch wenn die Flüchtlingszahlen in Deutschland deutlich zurückgehen, ist das für fast 70 Millionen Menschen auf der Erde der Alltag und jeden Tag kommen 44.000 dazu. Das ist die Tragödie unserer Zeit“, sagte Dominik Bartsch, Repräsentant des UN-Hochkommissars für Deutschland, gegenüber FAZ.NET.

          Im Vergleich zum Jahr 2016 ist die Zahl der Binnenvertrieben leicht zurückgegangen, die Zahl der Flüchtlinge stieg dagegen um 2,9 Millionen Menschen. Das bedeutete den Angaben zufolge den größten Anstieg innerhalb eines Jahres seit Bestehen des UNHCR im Jahr 1951. Als wesentliche Ursache dafür gelten weiterhin andauernde Konflikte wie der Krieg in Syrien oder dem Südsudan. Dazu passt, dass zwei Drittel der Flüchtlinge aus nur fünf Ländern kommen: Syrien (6,3 Millionen), Afghanistan (2,6 Millionen), Südsudan (2,4 Millionen), Myanmar (1,2 Millionen) und Somalia (986.400).

          Der Bericht räumt darüber hinaus mit der weit verbreiteten Annahme auf, dass die Mehrzahl der Flüchtlinge in westlichen Industrieländern Schutz sucht. Das Gegenteil sei der Fall. 80 Prozent der Flüchtlinge bleiben in einem Nachbarland und damit in der Nähe ihrer Heimat. Viele der aufnehmenden Länder haben wiederum selbst mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen zu kämpfen – 85 Prozent aller Flüchtlinge leben in Entwicklungsländern. Nur 15 Prozent leben in Industrieländern. Mit 3,5 Millionen aufgenommenen Flüchtlingen, die meisten davon Syrer, ist die Türkei das weltweit größte Aufnahmeland. Relativ zur eigenen Bevölkerung hat der Libanon die meisten Flüchtlinge aufgenommen.

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