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Kritik vom EU-Parlament : „Ungezügelte Korruption bei der FIFA“

FIFA-Präsident Gianni Infantino auf einer Pressekonferenz zur WM in Qatar Bild: dpa

Das EU-Parlament geht hart mit dem Fußball-Weltverband ins Gericht. Es fordert ein „demokratisches und transparentes Verfahren“ zur Vergabe von Weltmeisterschaften.

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          Das Europäische Parlament hat in einer Entschließung zur Lage der Menschenrechte in Qatar scharfe Kritik am Fußball-Weltverband FIFA geübt. In dem Text, der am Donnerstag mit großer Mehrheit angenommen wurde, heißt es, „dass in der FIFA ungezügelte, systemische und tief verwurzelte Korruption herrscht“. Die Organisation habe das Image und die Integrität des Weltfußballs „ernsthaft beschädigt“. Das Parlament forderte die EU-Staaten, insbesondere jene mit großen Fußballligen, auf, „Druck auf die UEFA und die FIFA auszuüben, damit letztere sich für grundlegende Reformen einsetzt“. Dazu solle ein „demokratisches und transparentes Verfahren“ zur Vergabe von Weltmeisterschaften gehören. Diese dürften nicht an Staaten vergeben werden, die Grund- und Menschenrechte missachten, „insbesondere systematische geschlechtsspezifische Gewalt“.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Diese Punkte richten sich gegen die Vergabe der Fußball-WM an Qatar und die Versuche der FIFA, Kritik daran abzuwehren. In der Resolution wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Weltverband sieben Fußballverbänden, darunter dem DFB, mit Sanktionen drohte, sollten ihre Spieler mit der regenbogenfarbenen „One Love“-Armbinde auflaufen. Außerdem heißt es, dass die Vergabe des Turniers an Qatar im Jahr 2010 „von glaubwürdigen Vorwürfen der Bestechung und Korruption begleitet war“. Das Parlament fordert, die strafrechtlichen Ermittlungen (in Amerika) fortzusetzen. Die EU-Staaten sollten den Ermittlern Zugang zu internen Unterlagen über die Vergabe gewähren.

          Die Entschließung war kurzfristig unter den Fraktionen ausgehandelt worden. Die Initiative dazu ging von der linken Hälfte des Parlaments aus, die Qatar scharf anprangerte. Im Ergebnis wurden diese Passagen jedoch von der rechten Hälfte abgemildert. So werden nun einerseits der Tod „Tausender Arbeitsmigranten“ beim Bau der Stadien, die Ausbeutung von Gastarbeitern und die Diskriminierung nicht-heterosexueller Menschen beklagt. Anderseits werden Reformen im Arbeitsrecht anerkannt, wie die Einführung eines Mindestlohns. Ausdrücklich heißt es, dass die EU von einer engeren Partnerschaft mit den Golf-Staaten „nur profitieren kann“ und dass Qatar den russischen Einmarsch in der Ukraine in der UN-Generalversammlung verurteilt habe.

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