https://www.faz.net/-gpf-9dado

Entwurf der Regierung : Ungarn will Genderforschung aus Universitäten verbannen

  • Aktualisiert am

Geschlechterforschung (Symbolbild) Bild: Peter von Tresckow

Die Geschlechterforschung ist nach Ansicht der ungarischen Regierung offenbar unnötig. Ein Gesetzentwurf sieht ein Verbot vor. Dabei bietet im Land bereits fast keine Universität Gender-Studiengänge an.

          Die ungarische Regierung plant, das Studienfach Geschlechterforschung – auch Gender Studies genannt – von den Universitäten zu verbannen. „Niemand will ’Genderologen’ anstellen, infolgedessen braucht man auch keine auszubilden“, sagte der stellvertretende ungarische Ministerpräsident Zsolt Semyen am Montag dem Nachrichtenportal „atv.hu“. Der von ihm gebrauchte Kunstbegriff „Genderologen“ war abfällig gemeint.

          Die wissenschaftliche Geschlechterforschung untersucht die soziale Abhängigkeit von Rollenbildern, das heißt die von sozialen Normen bestimmte Festlegung dessen, was als männlich und weiblich gilt. Zugespitzte Varianten gehen davon aus, dass das Geschlecht ein reines gesellschaftliches Konstrukt ist und nichts mit der Biologie des Menschen zu tun hat. Konservative Kräfte erblicken in der Geschlechterforschung einen Angriff auf die traditionelle Rollenteilung zwischen den Geschlechtern, die aus ihrer Sicht von der Natur vorgegeben oder von Gott so gewollt ist.

          Eingriff in die Freiheit von Lehre und Forschung?

          Ende letzter Woche war in Ungarn der Entwurf einer Ministerialverfügung bekannt geworden, der es Universitäten untersagt, künftig Lehrgänge im Fach Geschlechterforschung anzubieten. Das zuständige Ministerium für Humanressourcen begründete dies nicht weiter. Die Universitäten, die den Entwurf zugesandt bekamen, hatten 24 Stunden Zeit, sich dazu zu äußern.

          Derzeit bieten in Ungarn die staatliche Lorand-Eötvös-Universität (ELTE) und die private amerikanische Central European University (CEU) Master-Kurse in Geschlechterforschung an, mit jeweils rund 20 Teilnehmern. Beide Hochschulen sind in Budapest ansässig.

          Vertreter der rechtsnationalen Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban hatten in letzter Zeit die Geschlechterforschung immer wieder angegriffen. Unter anderen warfen sie ihr vor, die „Fundamente der christlichen Familie“ untergraben zu wollen. Das Netzwerk der Lehrkräfte, eine Dachorganisation der Universitäts- und Hochschullehrer, kritisierte die geplante Abschaffung des Forschungszweigs als unzulässigen Eingriff in die Freiheit von Lehre und Forschung.

          Weitere Themen

          Polizei und Militär in vollem Einsatz Video-Seite öffnen

          Notstand in Sri Lanka : Polizei und Militär in vollem Einsatz

          Sieben Selbstmordattentäter sollen Ermittlern zufolge an den Anschlägen in Sri Lanka beteiligt gewesen sein. Einige vermuten militante Islamisten hinter der Attentatsserie. Der Notstand ermöglichte Polizei und Militär, bereits 40 Menschen festzunehmen.

          Spiel und Spaß im Weißen Haus Video-Seite öffnen

          Ostertradition : Spiel und Spaß im Weißen Haus

          Zum Osterfest haben Präsident Donald Trump und seine Frau Kinder und Eltern im Garten des Weißen Hauses begrüßt. Unter dem Motto „Be best“ versuchten sich viele Kinder im traditionellen „Eierrollen“ und anderen Spielen.

          Topmeldungen

          Trump und die Steuern : Ein Präsident zieht vor Gericht

          Seit Donald Trump im Amt ist, fordern die Demokraten, dass er seine Steuererklärungen veröffentlicht. Jetzt klagt der Präsident, damit ihn der Kongress nicht dazu zwingen kann.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.