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Politik unter Orbán : Ungarns Jugend wehrt sich

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Der Sitz von Momentum, einer oppositionellen Partei, die aus einer 2015 entstandenen Jugendbewegung kommt

Das Hauptproblem der kommenden Wahl sind laut Kopper fehlende Informationen. Die Regierung hat die Mittel, ihre Botschaften auf allen Kanälen zu verkünden, doch für Oppositionsparteien gestaltet sich die Situation immer schwieriger. Eine wirkliche Informationsfreiheit sei momentan nicht gewährleistet, sagt Kopper. Er sieht da auch die Europäische Union in der Pflicht.

Den wachsenden Einfluss der Regierung bekommt auch Momentum zu spüren. Die Partei verteidigt derzeit eine Anhängerin vor Gericht, die ihren Job verlor, weil sie auf Facebook die Seite von Momentum gelikt hatte.

Im Alltag zeugen nur die Plakate der Regierung von diesem Druck. Auf ihnen steht: „Ungarn ist ein stolzes und starkes europäisches Land.“ Was von den einen als Propaganda beschimpft wird, gefällt den anderen – wie etwa dem 21 Jahre alten Gellért. Er ist stolz darauf, Ungar zu sein. Sein Elternhaus ist konservativ und katholisch, typische Fidesz-Wählerschaft.

Auch Gellért hat 2014 für Orbán gestimmt. Doch er würde es nicht wieder tun. Fidesz habe sich verändert, Orbán gebe seinen Freunden Geld und Posten, die Korruption sei einfach zu weit verbreitet. Wen er stattdessen wählt, weiß Gellért noch nicht. „Die Optionen sind schlecht“, sagt der Student, der sich als konservativ bezeichnet. Nur eines sei klar: Weg von der EU dürfe Ungarn auf keinen Fall.

Offiziell will das auch in der Fidesz niemand. Lázló Böröcs, Vorsitzender der „Fidelitas“, der Jugendorganisation der Fidesz, sagt mit Nachdruck, dass er pro-europäisch eingestellt sei. „Wir können uns Ungarn nicht ohne die EU vorstellen“, sagt der 33 Jahre alte „Fidelitas“-Vorsitzende. Das habe auch Orbán ausgedrückt. Trotzdem hingen bis vor kurzem Plakate mit einer anderen Aussage in ganz Budapest. „Stoppt Brüssel“, stand auf ihnen. Bis Anhänger von Momentum die Chance ergriffen: In einer Guerrilla-Aktion machten sie daraus mit Stickern „Stoppt Orbán“.

Der 21 Jahre alte Gellért ist stolz darauf, Ungar zu sein.

Widerstand hat viele Formen und im Moment werden in Budapest einige ausprobiert. Wie erfolgreich sie sind, wird sich erst im Frühjahr 2018 zeigen. Bis dahin übt weiter Orbán seine Macht aus. „Im Alltag merkt man das gar nicht so sehr, aber wenn man versucht, etwas auf die Beine zu stellen und kritisch zu sein, wird man daran gehindert“, berichtet ein Pärchen, das wie Gergely die Sonne im Park genießt. Eigentlich sprechen sie nicht über Politik, nicht mit Fremden und schon gar nicht mit Journalisten. Zu riskant. „Heute scheint die Meinungsfreiheit offiziell zwar noch gegeben, aber wer weiß, wie es in der Zukunft aussieht?“, sagen die beiden Mittzwanziger.

„Wir haben gesehen, wie schnell es in der Türkei und Russland ging. Wir wollen in fünf Jahren nicht wegen regierungskritischer Aussagen verhaftet werden.“ Trotzdem wollen sie sich gegen die Regierung wehren. Wie allerdings, können sie nicht verraten: „So was erzählen wir doch nicht der Presse!“  Gergely jedenfalls bleibt optimistisch. „Ich glaube, bei diesen Wahlen können wir jungen Ungarn wirklich etwas bewegen!“

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