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Ungarischer EU-Abgeordneter : Die Orgie endet an der Regenrinne

József Szájer im April 2019 in Budapest Bild: Reuters

József Szájer führte für Viktor Orbán in Brüssel den Kampf gegen angebliche LGBT-Zumutungen der EU. Nun wurde er nach einer illegalen Schwulen-Feier festgenommen – mit Ecstasy im Rucksack. Sein Mandat legt er nieder.

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          Jahrelang war József Szájer die Stimme seines Herrn in Brüssel. Der ungarische Abgeordnete führte die Delegation von Viktor Orbáns Partei Fidesz im Europäischen Parlament. Doch am Sonntag wartete der Mann mit dem markanten Vollbart mit einer Überraschung auf: Er lege sein Abgeordnetenmandat zum Ende des Jahres nieder, schrieb Szajer auf seiner Internetseite. Mit dem gegenwärtigen Kampf um Recht und Geld auf europäischer Bühne habe das nichts zu tun, er unterstütze das Veto der ungarischen Regierung gegen den EU-Haushalt und die Corona-Hilfen.

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Stattdessen gab er diese Erklärung ab: „Seit einiger Zeit ist die Teilnahme am täglichen politischen Kampf eine zunehmende mentale Belastung für mich, und diejenigen auf dem Schlachtfeld müssen sich in einem Kampfzustand befinden.“ Was belastete ihn? Darüber kann nun jeder spekulieren, denn eines ist gewiss: Am vorigen Freitag befand sich der 59 Jahre alte Mann definitiv nicht im Kampfzustand.

          Da ging abends ein Anruf bei der Brüsseler Polizei ein: Anwohner beschwerten sich über eine laute Party. Die Beamten hatten es nicht weit, ihre Wache liegt gleich um die Ecke von der Rue des Pierres. Diese Straße ist das Zentrum der Schwulenszene in der belgischen Hauptstadt. Als die Polizisten die fragliche Wohnung kontrollierten, fanden sie dort Alkohol, Rauschmittel und ungefähr zwanzig Männer, von denen mehrere unbekleidet waren. Als „schwule Orgie“ wurde das später in belgischen Medien beschrieben.

          Ecstasy im Rucksack

          Einer der Feiernden versuchte, vor den Polizisten zu flüchten, indem er sich an der Dachrinne entlang hangelte. Als ein Passant die Beamten darauf hinwies, stellten sie den Mann. Seine Hände bluteten, in seinem Rucksack war die Partydroge Ecstasy. Er sagte, er sei Europaabgeordneter, konnte sich aber nicht ausweisen. Die Polizisten brachten ihn nach Hause, wo er einen Diplomatenpass vorlegte. Im Bericht der Staatsanwaltschaft wurde er als „S. J.“ und mit dem Geburtsjahr 1961 identifiziert.

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          Am Dienstag nahm Jozsef Szajer auf entsprechende Medienberichte Bezug. Er habe an einer „privaten Feier“ teilgenommen, bestätigte er auf seiner Internetseite, aber keine Rauschmittel genommen. Das Ecstasy sei nicht von ihm gewesen, er wisse nicht, wie es in den Rucksack gekommen sei. „Ich bedaure zutiefst, dass ich gegen die Covid-Einschränkungen verstoßen habe, es war unverantwortlich von mir“, schrieb Szajer. Die Strafe von 250 Euro werde er entrichten. Mit seinem Rücktritt habe er die politischen und persönlichen Konsequenzen gezogen. Seine Familie, Kollegen und Wähler bat er um Verzeihung.

          Szájer ist in der ungarischen Regierungspartei nicht irgendwer. Wie der Partei- und Regierungschef Viktor Orbán zählt er zu den Gründungsmitgliedern des „Bundes junger Demokraten“ (Fidesz) im Jahr 1988. Seit den ersten freien Wahlen in Ungarn nach der Wende ist er Parlamentarier, zunächst in Budapest, seit 2004 in Brüssel. Im ungarischen Parlament hatte er führende Positionen inne. Zwei Regierungsperioden lang war er Fraktionsvorsitzender des Fidesz, darunter während der ersten Regierungszeit des jungen Viktor Orbán bis 2002. Im Europaparlament führte er die Delegation der Fidesz-Abgeordneten an und hielt sie auf Orbáns Kurs.

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