https://www.faz.net/-gpf-rf1s

UN-Tribunal : Gotovina: „Euer Ehren, nicht schuldig“

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Bei seiner ersten Anhörung vor dem internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat sich der kroatische General Ante Gotovina in allen sieben Punkten der Anklage für „nicht schuldig“ erklärt.

          2 Min.

          Bei seiner ersten Anhörung vor dem internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat sich der kroatische General Ante Gotovina am Montag in allen sieben Punkten der Anklage für „nicht schuldig“ erklärt. Dem früheren Fremdenlegionär werden Mord, gewaltsame Vertreibung, Plünderung und andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt, für die er als Befehlshaber der „Operation Sturm“ zur Rückeroberung der Krajina von serbischen Milizen im Sommer 1995 verantwortlich sein soll.

          Mit anderen Mitgliedern der politischen und militärischen Führung Kroatiens, einschließlich des Präsidenten Tudjman, sei er Teil einer kriminellen Vereinigung zur Vertreibung der serbischen Zivilsbevölkerung aus der Krajina gewesen, hieß es in der Anklageschrift, die auf Anordnung des Vorsitzenden Richters Carmel Agius in ganzer Länge verlesen wurde, um auch der „Versöhnung“ zu dienen. Mindestens 150 Menschen sollen seien bei der Aktion ums Leben gekommen.

          Die Vertreter der Anklage halten Gotovina vor, er habe gewußt oder Grund gehabt zu wissen, daß kroatische Truppen unter seinem Kommando im Begriff waren zu morden; und er habe nichts getan, um solche Taten zu verhindern oder die Täter zu bestrafen. Gotovina zeigte bei der Verlesung der Anklageschrift keinerlei Regung und antwortete auf die Vorhaltungen mit dem Satz: „Euer Ehren, nicht schuldig.“

          Nach vier Jahren auf der Flucht war er in der vergangene Woche auf Teneriffa festgenommen und nach Den Haag überstellt worden.

          Serbisches Gericht verhängt Höchststrafen für Vukovar-Massaker

          Ein serbisches Sondergericht hat unterdessen am Montag 14 frühere serbische Milizkämpfer wegen Kriegsverbrechen während der Balkankriege verurteilt und zu Gefängnisstrafen zwischen fünf und 20 Jahren verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, daß die Angeklagten an dem Massaker in der ostkroatischen Stadt Vukovar im November 1991 beteiligt waren, bei dem fast 200 Menschen getötet wurden.

          Das Massaker zum Ende einer dreimonatigen Belagerung des Ortes dauerte zwei Tage: Serbische Kämpfer trieben ihre Opfer aus einem Krankenhaus zusammen und fuhren sie zu einer nahe gelegenen Schweinefarm, wo sie mit mehreren Schüssen hingerichtet und verscharrt wurden. Drei weitere serbische Offiziere, denen die Verantwortung für das Massaker zugeschrieben wird, sind vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeklagt. Das serbische Sondergericht war 2003 eingerichtet worden - als Zeichen dafür, daß sich das Land selbst seiner Kriegsvergangenheit stellt.

          „Niemand bestreitet mehr diese Verbrechen

          Die Angeklagten hätten sich unmenschlich verhalten und bewußt die Menschenwürde verletzt, sagte der Vorsitzende Richter Vesko Krstajic bei der Urteilsverkündung. Acht der Verurteilten erhielten die Höchststrafe von 20 Jahren Gefängnis, drei weitere müssen für 15 Jahre in Haft. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, das Gericht habe die öffentliche Wahrnehmung von Kriegsverbrechen verändert. „Niemand bestreitet mehr, daß es diese Verbrechen gegeben hat.“

          Das Massaker von Vukovar war eine von vielen Greueltaten, die sich während der darauf folgenden Jahre ereigneten, in denen Kroaten, Bosnier und Serben gegeneinander kämpften. Etliche serbische mutmaßliche Kriegsverbrecher sind noch auf der Flucht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Schüler einer vierten Klasse sitzen zu Beginn des Unterrichts in Dresden auf ihren Plätzen.

          Im neuen Schuljahr : Welcher Lernstoff ist verzichtbar?

          Auch nach den Sommerferien wird der Unterricht anders sein als gewohnt. Drei Szenarien sind denkbar. Die Friedrich Ebert Stiftung schlägt nun vor, Prüfungs- und Lehrinhalte zu reduzieren. Streit ist programmiert.
          Streit mit der Bild-Zeitung: Virologe Christian Drosten

          „Bild“ gegen Drosten : Wahrheit im Corona-Style

          Die Kampagne gegen den Virologen Drosten ist sachlich unbegründet, niveaulos und niederträchtig. Sie richtet sich gegen die Wissenschaft. Und damit ist weder der Gesellschaft noch der Politik gedient.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.