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Krieg in Syrien : UN-Syriengesandter will Extremisten persönlich aus Aleppo führen

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Er will Worten Taten folgen lassen: Der UN-Syrienbeauftragte Staffan de Mistura bietet den Extremisten in Aleppo sein Geleit an. Bild: AFP

Die nordsyrische Großstadt erlebt schwerste Luftangriffe. Um die russischen und syrischen Bombardements zu stoppen, macht Staffan de Mistura den Extremisten jetzt ein ungewöhnliches Angebot.

          Aleppo gehört zu den umkämpftesten Gebieten im syrischen Bürgerkrieg. Am Donnerstag warnte der UN-Syriengesandte Staffan de Mistura in Genf davor, dass der Ostteil der Stadt bis Weihnachten völlig zerstört werden könnte. Gleichzeitig machte er den Extremisten ein ungewöhnliches Angebot: De Mistura bot den Kämpfern der Fateh al-Scham-Front, die bisher unter dem Namen Al-Nusra-Front gekämpft hatten, sein persönliches Geleit an. „Wenn ihr euch dafür entscheidet, in Würde und mit euren Waffen zu gehen, bin ich persönlich bereit, euch zu begleiten“, erklärte der UN-Syriengesandte.

          Die Al-Nusra-Front nennt sich seit ihrer Trennung vom Terror-Netzwerk Al Qaida im Juli Fateh al-Scham-Front („Front für die Eroberung der Levante“). Über die Zahl der Fateh al-Scham-Kämpfer herrscht Uneinigkeit zwischen den Vereinten Nationen und Russland: Die UNO schätzt die Zahl der Kämpfer im von Rebellen kontrollierten Ostteil der syrischen Metropole auf rund 900. Russland rechnet die Hälfte der etwa 8000 Aufständischen, also 4000 Personen, der Fateh al-Scham-Front zu.

          De Mistura erklärte, Russland und Syrien müssten sich fragen lassen, ob sie tatsächlich wegen noch rund 900 bis 1000 Fateh al-Scham-Kämpfern in Ost-Aleppo ein Stadtgebiet mit 275.000 Einwohnern völlig in Schutt und Asche legen wollten, unter ihnen rund 100.000 Kinder.

          Die Gebiete der Aufständischen sind von der Regierungsarmee belagert, die Versorgungsrouten sind abgeschnitten. Von dem Abzug der Extremisten erhofft sich die UNO, eingeschlossene Zivilisten zu erreichen, die dringend Hilfe brauchen. Aleppo ist schwer umkämpft, aus beiden Teilen der Stadt gibt es Angriffe auf den Gegner. Die syrische Führung hatte am 22. September eine Offensive gestartet, um die ganze Stadt zurückzuerobern.

          De Mistura warnte, dass Tausende weitere Zivilisten  umkommen und Tausende zu fliehen versuchen würden, wenn Syriens von Russland unterstützte Luftwaffe ihre Angriffe in den nächsten Wochen ungehindert fortsetze. In der Nacht zuvor hatten Syrien und Russland die Bombardierung Aleppos vorerst ausgesetzt. Anhänger des Regimes kontrollieren den Westen Aleppos, Rebellen den Osten. Dieser Teil der Stadt hatte in den vergangenen zwei Wochen die heftigsten Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe seit Ausbruch des Konflikts im Jahr 2011 erlebt.

          Die Welt habe die moralische Pflicht, die humanitäre Tragödie zu beenden, die sich in Aleppo abspiele, erklärte de Mistura. Allein in den vergangenen Tagen seien durch die anhaltenden Bombardierungen in Ost-Aleppo mehr als 300 Menschen getötet worden – unter ihnen etwa 100 Kinder.

          Die ruhigste Nacht seit langem

          Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte am Donnerstagmorgen, Aleppo habe die ruhigste Nacht seit dem Scheitern der Waffenruhe im vergangenen Monat erlebt. Die heftigen Kämpfe zwischen Regimeanhängern und Rebellen gingen jedoch weiter.

          Der amerikanische Außenminister John Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow hatten zuvor trotz des Abbruchs ihrer Syriengespräche telefoniert und dabei auch über das Bürgerkriegsland gesprochen, wie ein Sprecher des Außenministeriums in Washington am Mittwoch erklärte. Aus Moskau verlautete dagegen, Russland wolle den Dialog mit den Vereinigten Staaten fortsetzen. „Moskau beerdigt das gemeinsame Syrien-Abkommen noch nicht“, sagte Vize-Außenminister Michail Bogdanow am Donnerstag. „Ich denke, dass auch Washington die Tür noch nicht zugeschlagen hat. John Kerry hätte sonst Sergej Lawrow nicht angerufen“, meinte er nach Angaben der russischen Nachrichten-Agentur Interfax.

          Der amerikanische Außenminister John Kerry (l) und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow

          Die syrische Armee teilte am Mittwochabend mit, sie werde ihre Angriffe auf Aleppo reduzieren, damit Zivilisten den von Rebellen beherrschten Ostteil der Stadt verlassen könnten. Dort herrscht akuter Mangel an Nahrung, Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Das UN-Nothilfebüro OCHA schätzt, dass rund die Hälfte der Einwohner den Osten Aleppos gerne verlassen würden. Demnach hält jedoch die militärische Präsenz der Regierung an den Ein- und Ausgängen Ost-Aleppos die Menschen vom Verlassen der Stadt ab.

          Bei einem Anschlag in der syrischen Grenzstadt Atmah wurden unterdessen nach Angaben von Aktivisten mindestens 29 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen Rebellenkämpfer. Es gebe zudem Schwerverletzte, meldeten die Menschenrechtsbeobachter. Nach ersten Informationen habe ein Selbstmordattentäter am Grenzübergang zur Türkei einen Sprengstoffgürtel gezündet.

          Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) übernahm über ihr Sprachrohr Amak die Verantwortung für die Explosion. Atmah im Nordwesten Syriens steht unter Kontrolle von Regimegegnern. Der Grenzübergang ist für die Versorgung von Rebellengebieten im Nordwesten des Bürgerkriegslandes wichtig. Bereits im August waren bei einem IS-Selbstmordanschlag in Atmah mehr als 30 Rebellen getötet worden.

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