https://www.faz.net/-gpf-z7yt

UN-Kriegsverbrechertribunal : Mladic in Den Haag eingetroffen

Ein Polizeikonvoi auf dem Weg zum Flughafen in Belgrad Bild: dapd

Der frühere bosnisch-serbische General Ratko Mladic ist nach seiner Auslieferung an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag eingetroffen. Zuvor hatte ein serbisches Gericht Mladics Berufung abgelehnt.

          2 Min.

          Der mutmaßliche serbische Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist nach seiner Auslieferung an das UN-Tribunal in den Niederlanden eingetroffen. Das berichtet das niederländische Fernsehen am Dienstagabend. Die Sondermaschine mit Mladic an Bord landete auf dem Flughafen von Rotterdam. „Mladic ist ausgeliefert“, hatte Serbiens Justizministerin Snezana Malovic am frühen Abend in Belgrad gesagt.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Die Polizei hatte zuvor aus Sicherheitsgründen ein Verwirrspiel organisiert. Insgesamt drei Kolonnen mit Polizei-Jeeps hatten im Abstand von einer Stunde das Gericht verlassen, in dem der 69 Jahre alte Mladic seit seiner Verhaftung in einer Zelle saß. Die Autobahn von der Innenstadt in Richtung Flughafen wurde von der Polizei blockiert. Weil sich der Transport von Mladic zum Flughafen „Nikola Tesla“ verzögert hatte, konnte die Justizministerin erst eine halbe Stunde später als geplant den Vollzug mitteilen.

          Belgrader Gericht lehnt Berufungsantrag ab

          Nach dem Scheitern eines von seinem Anwalt eingereichten Einspruchs war die Überstellung Mladics an das Haager UN-Tribunal für das ehemalige Jugoslawien am Dienstag nur noch eine Formsache. Mladics Anwalt wollte dessen Überstellung an das internationale Gericht mit der Begründung verhindern, sein Mandant sei gesundheitlich stark angeschlagen und weder körperlich noch geistig in der Lage, dem ihn im Haag erwartenden Prozess zu folgen. Der Antrag wurde jedoch am Dienstag durch das für Kriegsverbrechen zuständige serbische Gericht in Belgrad erwartungsgemäß als unbegründet abgelehnt.

          Höchste Sicherheitsstufe: Serbische Sondereinheiten vor dem Gericht in Belgrad

          Mladic ist seit 1995 vor dem Kriegsverbrechertribunal angeklagt und war in der vergangenen Woche im Haus eines Verwandten in einem serbischen Dorf im Banat festgenommen worden. Der genaue Zeitpunkt, zu dem Mladic zum Flughafen gebracht und von dort mit einem Regierungsflugzeug nach Rotterdam ausgeflogen werden sollte, war in Belgrad aus Sicherheitsgründen geheim gehalten worden.

          Besuch am Grab seiner Tochter

          Am Dienstag war Mladic noch der Wunsch erfüllt worden, das Grab seiner 1994 durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Tochter zu besuchen. Der zwanzig Minuten währende Besuch fand am frühen Morgen unter starkem Polizeischutz statt.

          Das serbische Innenministerium teilte unterdessen mit, man werde systematisch untersuchen, wer Mladic all die Jahre bei seiner Flucht geholfen habe. Insbesondere gehe es darum, welche Polizei- und Regierungsstrukturen, aber auch ausländische Geheimdienste, daran möglicherweise beteiligt waren.

          Der Staatssekretär im Innenministerium sagte: „Sollte es Beweise dafür geben, dass ausländische Dienste Mladic geholfen haben, müsste die serbische Diplomatie reagieren.“ Das war eine Anspielung die mögliche Rolle russischer Geheimdienstler bei Mladics Flucht. Der in Serbiens Regierung für die Suche nach Kriegsverbrechern zuständige Minister Rasim Ljajic teilte mit, die wichtigsten Stationen von Mladics Dauerflucht - er hatte sich seit 2002 nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt - seien rekonstruiert.

          Finanzquellen Mladics ausgetrocknet

          Nachdem Mladic bis 2001 unter seiner Belgrader Privatadresse lebte, hielt er sich demnach bis Mitte 2002 unter dem Schutz der Armee in Kasernen, Offiziersheimen und anderen Liegenschaften der damals noch kaum ziviler Kontrolle unterliegenden Streitkräfte Serbiens auf. Danach lebte er bis Dezember 2005 offenbar in verschiedenen Wohnungen in Belgrad, ab 2006 dann an „mindestens“ drei Orten außerhalb der Hauptstadt, so in einem Dorf in der Vojvodina bei Sremska Mitrovica.

          Nach offizieller Lesart trocknete der Staat ab 2008 systematisch mögliche Finanzquellen Mladics aus, weshalb dieser am Ende, mittellos, bei Verwandten Zuflucht suchen musste, die jedoch alle observiert wurden. So sei man dem Gesuchten in einer hochgeheimen Fahndung, über deren vollen Umfang nur zwei Personen im Staat im Bilde gewesen seien, auf die Spur gekommen.

          Weitere Themen

          Maas macht mobil

          Macrons „Hirntod“ der Nato : Maas macht mobil

          Der deutsche Außenminister versucht Emmanuel Macron den Wind aus den Segeln zu nehmen. Bei der Nato ist der Ärger über den französischen Präsidenten groß.

          „Die Medien in diesem Land sind gefährlich“ Video-Seite öffnen

          Trump von Presse empört : „Die Medien in diesem Land sind gefährlich“

          Die Presse in den Vereinigten Staaten spekuliert nach einem nicht angekündigten Aufenthalt im Krankenhaus über den Gesundheitszustand Donald Trumps - sehr zum Ärger des Präsidenten. „Die Medien in diesem Land sind gefährlich und korrupt", sagt er.

          Topmeldungen

          Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) äußert sich nach einem Treffen mit dem Außenminister der Ukraine Pristaiko.

          Macrons „Hirntod“ der Nato : Maas macht mobil

          Der deutsche Außenminister versucht Emmanuel Macron den Wind aus den Segeln zu nehmen. Bei der Nato ist der Ärger über den französischen Präsidenten groß.

          Impeachment-Anhörungen : Trumps Schattendiplomat

          Gordon Sondland muss sich auf ein regelrechtes Verhör gefasst machen. Von dem amerikanischen Botschafter bei der EU erhoffen sich die Demokraten Aussagen, mit denen sie Donald Trump der Erpressung und Bestechung überführen können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.