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UN-Kriegsverbrechertribunal : Lebenslange Haftstrafen für Srebrenica-Völkermord

  • Aktualisiert am

Ein Mahnmal erinnert an das Massaker in Srbrenica Bild: AFP

Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat zwei ehemalige bosnisch-serbische Offiziere wegen des Massakers von Srebrenica zu lebenslanger Haft verurteilt. Fünf weitere Angeklagte erhielten Haftstrafen zwischen fünf und 35 Jahren.

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          Rund 15 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica sind zwei der mutmaßlichen Haupttäter zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Der UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag befand die beiden Kommandeure von Einheiten der bosnisch-serbischen Armee für schuldig, maßgeblich an Massakern an rund 8000 muslimisch-bosnischen Männern und Jugendlichen beteiligt gewesen zu sein. Laut Anklage hatten Ljubisa Beara (70) und Vujadin Popovic (53) im Juli 1995 die Exekutionen durch die dafür ausgewählten Truppen koordiniert. „Die einzige Strafe, die es dafür geben kann, ist lebenslang“, sagte der Vorsitzende Richter Carmel Agius.

          Fünf weitere Angeklagte, darunter vier ehemalige Armeeangehörige und ein ehemaliger Polizist, erhielten Freiheitsstrafen zwischen fünf und 35 Jahren. Mit Vinko Pandurevic (50) und Drago Nikolic (52) waren Kommandeur und Sicherheitschef jener Einheit angeklagt, die seinerzeit die Angriffe auf Srebrenica anführte. Weiterhin stand der stellvertretende Polizeichef der bosnischen Serben, Ljubomir Borovcanin (50), vor Gericht. Zwei weitere ehemalige Offiziere, Radivoje Miletic (62) und Milan Gvero (72), waren nicht wegen Völkermordes, sondern wegen der Verhinderung humanitärer Hilfe für die vom Tode bedrohten Menschen in Srebrenica als Kriegsverbrecher verurteilt worden.

          Die sieben Angeklagten standen seit Juli 2006 vor Gericht und erklärten sich für unschuldig. Bosnisch-serbische Truppen hatten am 11. Juli 1995 die von Muslimen bewohnte Stadt Srebrenica erobert, obwohl sie zur UN-Schutzzone erklärt worden war. Rund 8000 überwiegend männliche Muslime wurden abgeführt, die meisten erschossen und in Massengräbern verscharrt. Der damalige militärische Befehlshaber, Ratko Mladic, der in Abwesenheit des Völkermordes angeklagt wurde, ist immer noch auf der Flucht. Dessen politischer Vorgesetzter, der Chef der bosnischen Serbenrepublik Radovan Karadzic, wurde im Sommer 2008 in Belgrad enttarnt, verhaftet und an das Tribunal in Den Haag ausgeliefert.

          Auch Karadzic droht in einem Prozess, der nach wiederholten Verzögerungen im Oktober vergangenen Jahres begann, wegen Völkermordes während des Bosnienkrieges lebenslange Haft. Der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic, der unter anderem ebenfalls als mutmaßlicher Hauptverantwortlicher für die Verbrechen von Srebrenica vor Gericht stand, war am 11. März 2006 nach fast fünfjähriger Untersuchungshaft in Den Haag an einem Herzinfarkt gestorben.

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