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UN-Klimagipfel in New York : Neue Versprechen nach Thunbergs Wutrede

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Minister Müller: „Klimaschutz beginnt nicht mit Greta Thunberg“

Greta Thunberg warf den Politikern vor, sie seien nicht reif genug zu sagen, wie ernst die Lage sei. „Wie könnt Ihr es wagen zu glauben, dass man das lösen kann, indem man so weiter macht wie bislang – und mit ein paar technischen Lösungsansätzen?“, fragte sie. „Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens, und alles, worüber Ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum.“

Thunberg ist die Initiatorin der Jugendbewegung „Fridays for Future“, die vergangene Woche weltweit Millionen Menschen zu einem Klima-Streik auf die Straße gebracht hatte. Zusammen mit 15 weiteren Kindern und Jugendlichen aus zwölf Ländern reichte sie am Montag eine Beschwerde beim Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen ein. Darin werfen sie den UN-Mitgliedsstaaten vor, nicht genug gegen den Klimawandel zu unternehmen und damit gegen die vor 30 Jahren verabschiedete UN-Kinderrechtskonvention zu verstoßen.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) verwahrte sich gegen den Vorwurf Thunbergs, die Politik habe den Klimaschutz bislang sträflich vernachlässigt. „Der Klimaschutz beginnt nicht mit Greta Thunberg“, sagte Müller am Montagabend in einer Vorbemerkung bei einer Veranstaltung am Rande des UN-Klimagipfels in New York. Müller verwies etwa auf die Politik von Klaus Töpfer (CDU), der von 1987 bis 1994 Bundesumweltminister war, sowie auf das Kyoto-Protokoll und das Pariser Klimaabkommen. Diese Vorbemerkung sei ihm wichtig, sagte Müller. „Denn das wäre in der Tat ein Eingeständnis, wenn wir jetzt sagen müssten: Klimaschutz wird heute erfunden bei der UN-Versammlung in 2019 hier in New York.“

Stippvisite von Trump

Überraschend nahm auch der amerikanische Präsident Donald Trump an dem Gipfel teil. Er kam aber zu spät und verpasste Thunbergs Rede. Und er blieb auch nur wenige Minuten, weil er zu einer Parallelveranstaltung zu religiöser Freiheit musste, zu der er selbst eingeladen hatte. Auf die Frage, warum er als Überraschungsgast erschienen sei, sagte Trump später: „Weil ich an saubere Luft und sauberes Wasser glaube. Wir haben die sauberste Luft, wir haben das sauberste Wasser.“ Trump gilt als mächtigster Bremser beim Kampf gegen den Klimawandel. Nach seinem Amtsantritt verkündete er den Ausstieg aus dem zentralen Pariser UN-Klimaabkommen – und das als Staatschef des Landes mit dem zweithöchsten Ausstoß klimaschädlicher Gase.

Die Welt hinkt weit hinter den Zielen des Pariser Abkommens von 2015 hinterher. Ziel ist es, die Erderhitzung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, möglichst auf 1,5 Grad. Wenn man alles zusammennimmt, was die Staaten bisher zugesagt haben, steuert der Planet aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auf rund drei Grad zu. Das hat katastrophale Folgen, die jetzt schon in vielen Weltregionen sehr deutlich zu spüren sind, zum Beispiel durch den steigenden Meeresspiegel und die Zunahme extremer Wetterphänomene wie Wirbelstürme.

UN-Generalsekretär Guterres zeigte sich zum Abschluss des Gipfels dennoch zufrieden mit den Ergebnissen. „Heute in dieser Halle hat die Welt klare Handlungen und konkrete Initiativen gesehen“, sagte er. Guterres stellte aber auch klar, dass die Arbeit trotz der neuen Impulse weitergehe: „Wir haben noch einen langen Weg zu gehen, wir sind noch nicht da.“

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