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UN-Friedensmission : Drei Blauhelmsoldaten in Ostkongo getötet

Demonstranten während eines Protests am Mittwoch gegen die Friedenstruppe der Vereinten Nationen in Kongo Bild: dpa

Demonstranten fordern in Kongo den sofortigen Abzug der UN-Friedensmission Monusco. Sie sind wütend über die schlechte Sicherheitslage.

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          Im Osten des Kongo sind in zwei Tage langen Protesten drei Blauhelmsoldaten und zahlreiche Zivilisten getötet worden. Am Montag waren in der Provinzhauptstadt Goma in Nord-Kivu schwere Unruhen ausgebrochen. Mehrere Hundert Demonstranten brachen in ein Lager der Monusco-Friedensmission der Vereinten Nationen (UN) ein, warfen Benzinbomben und Steine, zerstörten und plünderten die Gebäude. In den Medien waren Plakate mit der Aufschrift „Monusco, zieh sofort ab“ zu lesen. Ein Sprecher der Regierung teilte mit, es seien mindestens fünf Menschen getötet und etwa 60 verletzt worden.

          Claudia Bröll
          Politische Korrespondentin für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Im Osten des Kongos toben seit den neunziger Jahren Konflikte. Jüngst hat die bekannte Rebellenorganisation „M23“ wieder verstärkt Anschläge verübt. In der Region spitzen sich alte Konflikte zwischen Kongo und Ruanda wieder zu. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitiger Angriffe und der Unterstützung von Rebellengruppen.

          Die Wut über die Sicherheitslage hat sich jetzt offensichtlich auch gegenüber den Einsatzkräften der UN entladen. Die Demonstranten warfen Monusco vor, die Zivilbevölkerung nicht zu schützen. Aufgerufen zu den Protesten hatte eine Jugendorganisation der Regierungspartei. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, verurteilte am Dienstag die Gewalt. „Er unterstreicht, dass jeder Angriff auf die Friedenstruppen der Vereinten Nationen ein Kriegsverbrechen darstellen kann und fordert die kongolesischen Behörden auf, diese Vorfälle zu untersuchen und die Verantwortlichen rasch vor Gericht zu stellen“, sagte ein UN-Sprecher.

          Berichten zufolge handelte es sich bei den toten Blauhelmsoldaten um zwei indische und einen marokkanischen Staatsbürger. Ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters sah nach eigenen Angaben auch, wie Blauhelmsoldaten zwei Demonstranten töteten. Der UN-Sprecher kündigte Untersuchungen dazu an. Am Mittwoch kehrte das Leben in Goma nach Angaben eines lokalen Radiosenders wieder zur Normalität zurück. Der Arzt und Friedensnobelträger Denis Mukwege verurteilte die Angriffe auf die UN-Büros und die „unverhältnismäßige Gewalt“, die zu Todesfällen auch unter den Demonstranten geführt habe.

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