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Hungerkrise am Horn von Afrika : UN fliegen erste Hilfsgüter nach Somalia

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Dürrekrise: In Mogadischu erhalten vertriebene Frauen Nahrungsmittel Bild: AFP

Am Flughafen von Nairobi hat der Zoll ein Flugzeug des Welternährungsprogramm am Starten gehindert, das 14 Tonnen Nahrungsmittel nach Somalia bringen sollte. Erst eine Maschine mit zehn Tonnen Ladung konnte bislang nach Mogadischu starten.

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          Die angekündigte „Luftbrücke“ des Welternährungsprogramms (WFP) nach Mogadischu zur Versorgung der von Hunger bedrohten Bevölkerung im Süden Somalias verzögert sich. Ursprünglich sollte ein erstes Flugzeug des WFP am Dienstag in Nairobi mit einer Ladung von 14 Tonnen energiereicher Kindernahrung starten, musste aber am Boden bleiben, weil es „zolltechnische Probleme“ gebe, wie es beim WFP hieß. Worin diese Probleme bestanden, wurde nicht mitgeteilt.

          Erst am Mittwoch konnte eine Maschine mit zehn Tonnen Ladung von Nairobi aus nach Mogadischu starten. Ziel sei es, bis zu 100 Tonnen Lebensmittel jeden Monat in die somalische Hauptstadt zu transportieren, wofür zwischen acht und zehn Rotationen nötig seien, hieß es bei dem Koordinierungsbüro der UN in Nairobi. Wann die nächsten Flugzeuge starten können, wurde indes nicht mitgeteilt. Die Vereinten Nationen hatten in der vergangenen Woche zwei Regionen im Süden Somalias zu „Hungergebieten“ erklärt, in denen sich bis zu 350.000 Menschen in Lebensgefahr befinden sollen.

          Die beiden Regionen, Lower Shabelle und Bakool, werden von der radikal-islamischen Miliz al Shabaab kontrolliert, die ebenfalls in der vergangenen Woche ihren seit 2009 geltenden Bann gegen einige der größten Hilfsorganisationen der Welt, darunter alle UN-Agenturen, erneuert hatte. Die Miliz hatte diesen Organisationen vorgeworfen, eine „politische Agenda“ zu haben und „christliche Missionierung“ zu betreiben.

          Gleichwohl sind in den beiden Regionen etliche Hilfsorganisationen tätig, darunter mit dem „Internationalen Komitee des Roten Kreuzes“ (IKRK) die mutmaßlich professionellste von allen. Das IKRK hat über seine Schwesterorganisation „Roter Halbmond“ in der vergangenen Woche in Badheere in der Region Gedo, die an die beiden Hungerprovinzen angrenzt, 400 Tonnen Lebensmittel an 24.000 Menschen verteilen können.

          Lebensmittel unspektakulär mit Lastwagen verteilt

          Die Lebensmittel waren ganz unspektakulär mit Lastwagen auf dem Landweg dorthin transportiert worden. Daneben hat die arabische Hilfsorganisation „Kuwait Direct Aid“, die von der kuwaitischen Regierung finanziert wird, inzwischen zwei neue Lager in Lower Shabelle eingerichtet, in denen nach Angaben ihres Direktors Mohamed Bashir Ibrahim täglich bis zu 800 Kinder und ihre Mütter mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt werden.

          Nach Worten von Ibrahim sind dort bis zu 70 Prozent aller Kinder unter 15 Jahren unterernährt. Die Kuwaiter wollen in den kommenden Wochen drei bis vier weitere Zentren in den beiden Provinzen errichten. Auch andere Hilfsorganisationen haben durchaus Zugang zu den von al Shabaab kontrollierten Gebieten, darunter die italienische „Coopi“, die Franzosen von „Action contre la faim“ und „Solidarités international“ und die beiden skandinavischen Organisationen „Danish Refugee Council“ und „Norwegian Refugee Council“.

          In allen Fällen aber wird die Arbeit vor Ort von somalischen Mitarbeitern geleistet, weil es für Ausländer schlicht zu gefährlich ist, sich in diese Gebiete zu begeben. Nach Ansicht des Regionalbeauftragten von „Action contre la faim“, Jens Oppermann, funktioniere das System der Hilfe „per Fernbedienung“, das in Tschetschenien und Afghanistan entwickelt wurde, relativ gut, stoße aber angesichts der schieren Zahl der Bedürftigen in Somalia an seine logistischen Grenzen.

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