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UN-Entwicklungsziele : 169 Mal nachhaltig

193 Staaten, 169 Entwicklungsziele: Am Sitz der UN in New York Bild: AP

Die Vereinten Nationen formulieren für das Jahr 2030 überambitionierte Entwicklungsziele. Dabei wird auch Deutschland zum Entwicklungsland erklärt.

          Im September 2000 hatte die Vollversammlung der Vereinten Nationen acht Milleniums-Entwicklungsziele (MDG) beschlossen. Bis 2015 sollte die Zahl der Hungernden auf der Erde halbiert werden, jedes Kind eine Grundschule besucht haben, die Kindersterblichkeit um zwei Drittel gesenkt und Frauen und Mädchen gleichberechtigt werden. Lange nicht alles davon wurde erreicht, aber es gibt Erfolge.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Mittlerweile besuchen weltweit ebenso viele Mädchen wie Jungen die Grundschule; halbiert wurde die Zahl der Menschen, die ohne sauberes Trinkwasser auskommen, und derer, die in absoluter Armut leben. Ob das an den Vereinten Nationen lag, ist zu bezweifeln. Mutmaßlich hat die Leistung Chinas, in den vergangenen Jahrzehnten Hunderte Millionen Menschen aus der bittersten Armut zu befreien, mehr positive Auswirkungen auf die Statistik gehabt als alles andere.

          Was auch immer die Erfolgsursache ist: Anstatt die verwirklichten MDG bescheiden zu feiern, haben die Vereinten Nationen einen neuen Zielkatalog formuliert, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Um ihn vorzubereiten, leiteten die UN den größten Planungs- und Konsultationsprozess ihrer Geschichte ein. An den Vorverhandlungen nahmen mehr als 60 UN-Unterabteilungen und internationale Organisationen teil. In den Verhandlungen der „Open Working Group“ teilte sich Deutschland einen Sitz mit Frankreich und der Schweiz, die Amerikaner mit Kanada und Israel. Hinzugezogen wurde ein „Sustainable Development Solutions Network“ aus verschiedenen Wissenschaftlern, Wirtschaftsleuten und Vertretern der Zivilgesellschaft unter Vorsitz des Entwicklungsökonomen Jeffrey Sachs.

          Auch Deutschland wird zum Entwicklungsland

          Was aber geschieht, wenn man - in der Hoffnung, die Welt vom Schreibtisch aus zu verbessern - ein Heer bestbezahlter Entwicklungsbürokraten aufeinander loslässt? Mehr als zwei Jahre dauerte der Verhandlungsprozess, mit vielen Dutzend Konsultationen auf der ganzen Welt. Jüngst haben sich die UN auf nicht weniger als 169 „nachhaltige Entwicklungsziele“ (SDG) in 17 Themenfeldern geeinigt. Die UN-Vollversammlung soll sie im September in New York offiziell beschließen, bis zum Jahr 2030 sollen sie verwirklicht werden. Diese „nachhaltigen Entwicklungsziele“ richten das Augenmerk nicht mehr allein auf Entwicklungsländer. Die UN machen erstmals auch den Schwellenländern und Industriestaaten Vorgaben zur Entwicklung. Somit macht das Gremium alle Staaten zu Entwicklungsländern - auch Deutschland.

          Das erste Ziel des neuen Programms bleibt die Beseitigung von Armut und Hunger. Um „niemanden zurückzulassen“, wie UN-Generalsekretär Ban Ki-moon fordert, und um Entwicklung auf allen Ebenen zu ermöglichen, verlangen die „nachhaltigen Entwicklungsziele“ einen ganzheitlichen Ansatz. Dieser geht weit über das hinaus, was gemeinhin mit Entwicklungspolitik verbunden worden ist. Dazu gehören sollen nun auch Infrastruktur, Geschlechtergerechtigkeit, Klimaschutz, die Konservierung der Ozeane, die Steuerpolitik, der Kampf gegen illegale Finanzströme, Frieden und Sicherheit, ein nachhaltiges Konsumverhalten, globale Vollbeschäftigung, der Abbau von Ungleichheit überall auf der Erde sowie die Beseitigung aller Agrarsubventionen. Letzteres läuft der praktizierten europäischen und amerikanischen Politik diametral entgegen - worauf aber nicht näher eingegangen wird.

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