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Proteste gegen Militärjunta : UN: Blutigster Tag in Myanmar seit Militärputsch

Demonstranten und Polizisten stehen sich in der Stadt Mandalay gegenüber. Bild: Reuters

Bei Demonstrationen in Myanmar wurden laut UN am Mittwoch 38 Menschen getötet. Der örtliche Kardinal zieht einen Vergleich zur Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 in Peking.

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          Der Blutzoll, den die Myanmaren für die Machtergreifung des Militärs vor mehr als einem Monat bezahlen, wird immer größer. Nach Angaben der UN wurden am Mittwoch 38 Menschen getötet. Das Land habe somit den „blutigsten“ Tag seit dem Militärputsch am 1. Februar erlebt, sagte die UN-Gesandte Christine Schraner Burgener bei einer Video-Pressekonferenz. Insgesamt seien seit Beginn der Proteste mehr als 50 Menschen getötet worden.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Zwei Demonstranten starben laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters in Mandalay, der zweitgrößten Stadt des südostasiatischen Landes. In der etwa 100 Kilometer nordwestlich gelegenen Stadt Monywa berichteten Augenzeugen von mindestens fünf Toten und 30 Verletzten. In der Stadt Myingyan starb den Berichten zufolge ein Teenager. In den sozialen Medien wurden Fotos geteilt, die mutmaßlich einige der Getöteten zeigten. Darunter war eine 19 Jahre alte Frau, die ein T-Shirt mit der Aufschrift trug: „Alles wird O.K.“ Andere Aufnahmen zeigten einen leblosen Mann mit einem stark blutenden Gesicht, der von anderen Demonstranten weggeschleppt wurde.

          Insgesamt sind seit Beginn der Proteste damit bereits mehrere Dutzend Menschen getötet worden, die meisten davon durch Polizeischüsse. Myanmars Kardinal Charles Bo verglich die Situation mit der Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 in Peking: „Heute ist das Land in den meisten Städten wie der Tiananmen-Platz“, schrieb er auf Twitter. Augenzeugen vergleichen die Situation in einigen Großstädten mit einem Kriegszustand. Die Demonstranten verschanzen sich hinter selbstgebauten Schilden vor den ständig auf sie einprasselnden Tränengasgranaten und Gummigeschossen. Mit der zunehmenden Gewalt wächst auch der Ruf nach einer stärkeren internationalen Reaktion. Großbritannien will für Freitag eine Sitzung des UN-Sicherheitsrats einberufen.

          In den Vereinten Nationen zeigt sich derzeit auch, wie das Militärregime und Vertreter der entmachteten Zivilregierung darum ringen, wer als legitimer Vertreter des südostasiatischen Landes im Inland und Ausland anerkannt wird. Die Junta hatte den bisherigen UN-Botschafter Kyaw Moe Tun entlassen, nachdem er am vergangenen Freitag in einer emotionalen Rede vor der Vollversammlung in New York den Militärputsch verurteilt und erklärt hatte, er repräsentiere die rechtmäßig gewählte Regierung und nicht die Junta. Ein UN-Sprecher teilte mit, dass der UN-Generalsekretär António Guterres nun zwei Briefe bekommen habe, einen von Kyaw Moe Tun und einen vom Myanmars Außenministerium. Während sich der bisherige UN-Botschafter weiter als rechtmäßiger Vertreter Myanmars bezeichnete, erklärte das Außenministerium den Stellvertreter Tin Maung Naing zum vorläufigen Amtsträger. Der UN-Sprecher sprach daraufhin von einer „einzigartigen Lage“.

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