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Umsturz in Kirgistan : Dutzende Tote und Hunderte Verletzte

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

In Kirgistan hat die Opposition nach heftigen Straßenschlachten in der Hauptstadt Bischkek die Machtübernahme verkündet. Der Verbleib von Präsident Kurmanbek Bakijew ist unklar; er soll das Land verlassen haben. Am Nachmittag waren mehr als 40 Menschen getötet und mehr als 400 verletzt worden.

          In Kirgistan hat die Opposition am Mittwochabend nach heftigen Straßenschlachten in der Hauptstadt Bischkek die Machtübernahme verkündet. Die von der Opposition als Führerin einer „Regierung des nationalen Vertrauens“ benannte frühere Außenministerin Rosa Otunbajewa sagte, man tue alles, um die Stabilität im Lande sicherzustellen. Der Verbleib von Präsident Kurmanbek Bakijew war zunächst unklar; er soll das Land verlassen haben. Frau Otunbajewa gehörte schon bei der „Tulpenrevolution“ vor fünf Jahren, durch die Bakijew an die Macht kam, zu den Oppositionsführern.

          Zuvor waren im Laufe des Tages bei Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten nach offiziellen Angaben mehr als 40 Menschen getötet und mehr als 400 verletzt worden; nach Angaben der bisherigen Opposition liegt die Zahl der Toten dagegen bei hundert. Die Sicherheitskräfte hatten vor dem Regierungssitz in der Hauptstadt Bischkek mit scharfer Munition in die Menschenmenge gefeuert, die versucht hatte, Gebäude zu stürmen. Oppositionelle sprachen davon, dass auf dem Dach des Gebäudes Scharfschützen postiert gewesen seien.

          Demonstranten mit Schusswaffen in Bischkek

          Die Demonstranten hatten das Gebäude des staatlichen Fernsehens unter ihre Kontrolle gebracht und später das Parlament gestürmt. Das Gebäude der Generalstaatsanwaltschaft ging in Flammen auf. Auf Bildern aus Bischkek waren jugendliche Demonstranten mit Schusswaffen zu sehen. Laut der Nachrichtenagentur Interfax wurde das offenbar leerstehende und nicht bewachte Privathaus von Präsident Bakijew geplündert und angezündet.

          Die Unruhen hatten am Dienstag in der Stadt Talas begonnen und auf Bischkek und andere Städte übergegriffen, nachdem die Regierung in der Nacht zum Mittwoch mehrere Oppositionsführer hatte festnehmen lassen; diese wurden im Laufe des Tages allerdings wieder freigelassen. In Talas waren der Innenminister und der stellvertretende Ministerpräsident in die Hände von Demonstranten gefallen und offenbar schwer misshandelt worden. Dort und in einigen anderen Provinzen hatte die Opposition schon im Laufe des Tages erklärt, sie habe die Macht übernommen.

          Putin weist Anschuldigungen gegen Russland zurück

          Die Opposition versuchte im Laufe des Abends offenbar, Ordnungskräfte aufzustellen, um Plünderungen Einhalt zu gebieten. Der russische Ministerpräsident Putin wies Gerüchte zurück, Russland stehe hinter den Unruhen. Er kritisierte allerdings Präsident Bakijew, der dieselben Fehler gemacht habe wie sein vor fünf Jahren gestürzter Vorgänger Akajew, dem Korruption und Nepotismus vorgeworfen worden war. In der Nähe der Hauptstadt Bischkek unterhalten sowohl Russland als auch Amerika Militärstützpunkte.

          Über den amerikanischen Stützpunkt am Flughafen Manas läuft ein Teil des Nachschubs für die Truppen in Afghanistan. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), in der dieses Jahr Kirgistans Nachbar Kasachstan den Vorsitz hat, rief die Konfliktparteien zu Zurückhaltung auf. Für die Unruhen gebe es politische, wirtschaftliche und soziale Gründe, die einen breiten politischen Dialog erforderten, hieß es in einer am Vormittag verbreiteten Erklärung des amtierenden OSZE-Vorsitzenden, des kasachischen Außenministers Saudabajew. Die OSZE sei zur Vermittlung bereit.

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