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Umstrittenes Dekret : Oberrabbinat bricht Kontakte zu Rom ab

  • Aktualisiert am

Antwortete seinen Kritikern: Benedikt XVI. am Mittwoch im Vatikan Bild: dpa

Nach der Entscheidung des Papstes, die Exkommunikation von vier Bischöfen rückgängig zu machen, hat das israelische Oberrabbinat alle Kontakte zum Vatikan abgebrochen. Ohne öffentliche Entschuldigung und Widerruf sei eine Fortsetzung des jüdisch-katholischen Dialogs „schwierig“, hieß es.

          Papst Benedikt XVI. hat am Mittwoch des Völkermords an den Juden gedacht. Nach der traditionellen Generalaudienz sprach der Papst über seine „wiederholten Besuche“ in Auschwitz. Der Papst äußerte seine „volle und unbestreitbare Solidarität“ mit den Juden. Die Schoa sei für alle eine Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder die Verharmlosung.

          Ein Dekret des Vatikans vom Samstag, in dem die Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen und gegenüber dem II. Vatikanischen Konzil kritisch eingestellten Priesterbruderschaft Pius X. zurückgenommen wird, hatte zu zahlreichen Protesten geführt. Einer der vier Bischöfe, die dem französischen Erzbischof Lefebvre anhängen, der Engländer Richard Williamson, hatte die Existenz von Gaskammern geleugnet.

          Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelt gegen Williamson

          Vor der Generalaudienz teilte der Papst am Mittwoch mit, dass er die Rücknahme der Exkommunikation für die Bischöfe im Dienst an der Einheit und auf inständige Bitten der vier angeordnet habe. Er ermahnte die Begnadigten, „weitere Schritte zur vollen Einheit mit der Kirche zu tun, um so wahre Treue und Anerkennung gegenüber dem Lehramt des Papstes und des Zweiten Vatikanischen Konzils zu bezeugen“.

          Das israelische Oberrabbinat brach wegen des Dekrets vom Samstag alle offiziellen Kontakte mit dem Heiligen Stuhl bis auf weiteres ab. Die israelische Zeitung „Jerusalem Post“ berichtete am Mittwoch aus dem Brief des Generalsekretärs im Rabbinat Weiner. Der Generaldirektor des Oberrabinats schreibt in dem Brief, ohne eine öffentliche Entschuldigung für den Vorgang und ohne Widerruf sei eine Fortsetzung des jüdisch-katholischen Dialogs „schwierig“. Zugleich sagte das Rabbinat das nächste Treffen zum interreligiösen Dialog Anfang März in Rom ab.

          Gegen Williamson ermittelt die Staatsanwaltschaft Regensburg wegen des Verdachts auf Leugnung des Holocausts. In einem Fernsehgespräch hatte der Bischof dem Vernehmen nach die Zahl der ermordeten Juden auf „höchstens 300.000“ beziffert und die Existenz von Gaskammern geleugnet. Nach den bisherigen Plänen will der Papst in der ersten Maihälfte Israel besuchen. Doch schon der Krieg in Gaza brachte den Termin dem Vernehmen nach ins Wanken.

          Priesterbruderschaft Pius X. distanziert sich von Bischof

          Die Priesterbruderschaft Pius X. distanzierte sich unterdessen von Bischof Williamson. Dessen Äußerungen „spiegeln in keiner Weise die Position der Bruderschaft“, sagte deren Generaloberer Bernard Fellay in einer am Dienstagabend vom Vatikan veröffentlichten Erklärung. „Wir bitten den Papst und alle Menschen guten Willens um Vergebung für die dramatischen Folgen dieses Aktes.“

          Der deutsche Distriktobere der Piusbruderschaft, Schmidberger, sagte am Mittwoch, die Verharmlosung der Judenmorde seien für die Priesterbruderschaft inakzeptabel. Schmidberger sagte auch, die Aussage, die heutigen Juden trügen die Schuld ihrer Väter, müsse „auf jene Juden eingeschränkt werden, welche die Tötung Jesu Christi gutheißen“. Es gebe für Juden „keinen separaten Heilsweg“.

          Keine Stellungnahme gab es von Bischof Williamson. „Selbst wenn er hier ist, wird er nichts sagen“, lautete die Auskunft des französischen Priesters Jacques Barrou zum Aufenthalt von Williamson in Moreno, 40 Kilometer außerhalb der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, wo der britische Bischof dauerhaft lebt und ein Seminar leitet. Nach Berichten italienischer Zeitungen vom Mittwoch empfindet Williamson die Kritik als Komplott gegen Traditionalisten in der Kirche.

          Wiesel: „Vulgärsten Erscheinung des Antisemitismus“

          Die Diözese Regensburg gab am Mittwoch bekannt, dass gegen Bischof Williamson ein Hausverbot erteilt worden ist. Der Regensburger Bischof Müller bezeichnete die Äußerungen Williamsons als „menschenverachtend“ und warf ihm „Gotteslästerung“ vor. Williamson stehe mit seinen Aussagen außerhalb der katholischen Kirche.

          Das von Bischof Müller ausgesprochene Hausverbot erstreckt sich auf Gebäude der Diözese, greift aber nicht für das Zentrum in Zaitzkofen bei Regensburg, wo Williamson die Existenz von Gaskammern bestritten hatte, da es nicht Müllers Ordinariat untersteht.

          Der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel, der die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebt hat, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Papst habe mit seiner Entscheidung „der vulgärsten Erscheinung des Antisemitismus“ Glaubwürdigkeit verliehen.

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