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Abstimmung im Senat : Argentinien legalisiert Abtreibungen

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Aktivistinnen demonstrierten vor dem Kongress in Buenos Aires für das Recht auf Abtreibung. Bild: dpa

Die Entscheidung war bis zuletzt heftig umstritten: Nach zwölfstündiger Debatte stimmte der argentinische Senat für ein liberaleres Abtreibungsrecht. Zuletzt hatte Papst Franziskus noch versucht, das zu verhindern.

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          Der argentinische Senat hat eine Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen gebilligt. 38 Senatoren stimmten am Mittwoch nach einer mehr als zwölfstündigen Sitzung für eine Gesetzesreform, 29 dagegen, einer enthielt sich, wie die Senatspräsidentin und ehemalige Staatschefin Cristina Kirchner in Buenos Aires mitteilte. In dem streng katholischen südamerikanischen Land dürfen Frauen damit künftig bis zur 14. Schwangerschaftswoche abtreiben.

          Das Thema Schwangerschaftsabbruch hatte im Heimatland von Papst Franziskus seit Jahren für heftige Debatten und Proteste gesorgt. Ein ähnlicher Gesetzestext war im Senat vor zwei Jahren unter Druck der katholischen Kirche noch abgelehnt worden. Unterstützer der Kampagne für die Legalisierung demonstrierten ebenso wie deren Gegner vor dem Parlamentsgebäude. Unmittelbar vor der Abstimmung hatte sich Papst Franziskus noch gegen die Legalisierung ausgesprochen. „Der Sohn Gottes wurde als Ausgeschlossener geboren, um uns zu sagen, dass jeder ausgeschlossene Mensch ein Kind Gottes ist“, schrieb er am Dienstag auf Twitter. „Er kam in die Welt, wie ein Kind in die Welt kommt, schwach und zerbrechlich, so dass wir unsere Schwächen mit Zärtlichkeit aufnehmen können.“ Beobachter werteten dies als einen der letzten Versuche der katholischen Kirche, Einfluss auf die Entscheidung zu nehmen.

          Sie waren dagegen: Nonnen bei einer Demonstration vor dem Nationalkongress in der Nacht zum Mittwoch
          Sie waren dagegen: Nonnen bei einer Demonstration vor dem Nationalkongress in der Nacht zum Mittwoch : Bild: dpa

          Im Gegensatz dazu befürwortete Präsident Alberto Fernández die Legalisierung. „Ich bin Katholik, aber ich muss Gesetze für alle machen", sagte der Präsident, der den Gesetzesvorschlag selbst eingebracht hatte. Jedes Jahr würden 38.000 Frauen wegen Problemen bei illegalen Abtreibungen ins Krankenhaus gebracht; seit 1983 seien mehr als 3000 Frauen deswegen gestorben.

          In dem südamerikanischen Land waren Schwangerschaftsabbrüche seit Anfang der Zwanziger Jahre verboten und wurden mit bis zu vier Jahren Gefängnis bestraft. Ausnahmen waren bisher nur nach Vergewaltigungen zulässig oder wenn das Leben der Mutter in Gefahr war. Die Regierung schätzt, dass in Argentinien jährlich 370.000 bis 520.000 Frauen illegale Abtreibungen vornehmen lassen. Im Senat verfügt die Regierungskoalition des linksgerichteten Präsidenten Fernández über eine Mehrheit von 41 von 72 Sitzen. Jedoch unterstützten nicht alle Abgeordneten der Regierungskoalition das Vorhaben. Die rechtsgerichtete Opposition war mehrheitlich gegen die Legalisierung.

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