https://www.faz.net/-gpf-9zd8e

Umgang mit Corona-Krise : Wer zahlt den Preis für Schwedens Sonderweg?

Alles wie immer? In Schweden sind Restaurants wie dieses in Stockholm auch in Pandemie-Zeiten geöffnet. Bild: AFP

Mehr Vertrauen, weniger Regeln: Schweden hat in der Corona-Krise einen Sonderweg eingeschlagen. Doch die Totenzahlen sind schon jetzt hoch, vor allem bei Älteren. Ist dieser Weg auf lange Sicht trotzdem besser?

          9 Min.

          Es ist nicht so, dass sich gar nichts verändert hätte. Natürlich komme jetzt nicht mehr so viel Besuch, sagt Margareta Lundin, und ihr Sohn kauft für sie und ihren Mann ein. Aber man muss ja nicht ständig raus und etwas einkaufen, erzählt sie am Telefon. Manchmal trifft sie sich mit Freunden, sie sitzen im Garten und reden über dieses und jenes, immer schön auf Abstand. „Vieles ist doch so, wie es immer war“, sagt Margareta. Nur ihr Mann Owe, seit Jahrzehnten Lokalpolitiker in ihrer kleinen schwedischen Gemeinde, muss nun alle Besprechungen digital führen, und natürlich geht es da immer um das Coronavirus. So etwas habe er auch noch nicht erlebt.

          Matthias Wyssuwa
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Margareta und Owe Lundin, 1940 und 1943 geboren, gehören zur Risikogruppe. Die schwedischen Behörden empfehlen Menschen über 70 Jahren, zu Hause zu bleiben und die sozialen Kontakte zu unterbinden, soweit es möglich ist. Das fällt den beiden nicht schwer. Sie leben mitten in Schweden, in einem Haus in einem winzigen Ort, Svenljunga, hinter ihrer Straße beginnt der Wald. „Wir haben viel Platz und kommen uns auch sonst nicht zu nah, wenn wir es nicht wollen“, sagt sie. Das Coronavirus scheint weit weg, auch wenn es in der Gemeinde schon Infektionen gegeben haben soll. Margareta sagt, sie vertraue auf die Behörden, darauf, dass sie den richtigen Weg durch die Corona-Krise finden. Nur wenn sie Bilder aus Stockholm sieht, auf denen Menschen dicht an dicht durch die Straßen ziehen oder die Sonne genießen, ärgert sie das. „Man kann doch nicht nur an sich selbst denken.“

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Nur mit einer inhaltlichen Zuspitzung kann sich Annalena Baerbock noch behaupten, findet die Berliner Agentur „Super an der Spree“.

          Annalena Baerbock : Ist der Wahlkampf der Grünen noch zu retten?

          Der Wahlkampf läuft schlecht für die Grünen, das Ansehen der Spitzenkandidatin ist am Boden. Wir haben einen Kampagnen-Experten gefragt: Was kann die Partei jetzt noch tun, um sich zu fangen?