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Pew-Umfrage : Klimawandel und Corona verbreiten die meiste Angst

Protest mit Maske: Aktivisten nehmen vergangenen Freitag an der ersten Klima-Demonstration in Lausanne seit Anbeginn der Corona-Pandemie teil. Bild: dpa

Trotz der weltweiten Pandemie halten viele Menschen im Westen die Erderwärmung immer noch für die größte Bedrohung. Infektionskrankheiten liegen fast gleichauf. Andere Gefahren sind aus dem Blickfeld geraten.

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          27 Millionen Infizierten, knapp 900.000 Toten und einem heftigen wirtschaftlichen Einbruch zum Trotz – das Coronavirus wird auch inmitten der weltweiten Pandemie von vielen Menschen im Westen nicht als alles beherrschende Bedrohung wahrgenommen. Das zumindest ist das Ergebnis der jüngsten Umfrage des Washingtoner „Pew Research Centers“, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Für sie sprachen die Forscher der angesehenen Washingtoner Denkfabrik diesen Sommer mit über 14.000 Menschen in 14 entwickelten Ländern, vor allem in Europa, aber auch in Asien und Nordamerika. Den Klimawandel betrachten dort demnach 70 Prozent der Befragten als große Bedrohung. In Asien sowie in einigen europäischen Staaten teilen die Ansicht tendenziell noch mehr Menschen, in den Vereinigten Staaten und Australien sind es weniger.

          Lorenz Hemicker
          (lohe.), Politik

          Sorglosigkeit herrscht mit Blick auf die Verbreitung von Infektionskrankheiten dennoch nicht. Im Gegenteil: Das Coronavirus hat quasi aus dem Nichts bei den meisten Menschen den Sprung in die Reihe der großen Bedrohungen geschafft. Mit 69 Prozent hat es mit dem Klimawandel nahezu gleichgezogen. In Japan und in Südkorea steht die Angst vor Corona sogar an erster Stelle. Knapp neun von zehn Befragten in beiden Ländern sehen in dem Virus eine große Gefahr. Auch in Spanien, Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten, wo sich sehr viele Menschen mit dem Virus infiziert haben, teilen überdurchschnittlich viele Befragte die Ansicht. In Deutschland sind es gerade einmal 55 Prozent – weniger als in jedem anderen Land.

          Die Sorge vor der Erderwärmung ist im Gegensatz zur Pandemie in den vergangenen Jahren nicht sprunghaft, sondern stetig gewachsen. 2013 hielten noch 54 Prozent der Befragten in einer ähnlichen Pew-Umfrage den Klimawandel für eine große Bedrohung. 2017 waren es 61 Prozent.

          Andere Herausforderungen für die eigene Sicherheit, die in früheren Jahren eine bedeutende Rolle gespielt hatten, sind entweder aus dem Blickfeld gerückt oder haben, wie die Flüchtlingskrise, stark an Bedeutung verloren. Unter den großen Bedrohungen, die das Pew verzeichnet, rangieren massenhafte Fluchtbewegungen mittlerweile auf dem letzten Platz. Nur noch 40 Prozent der Befragten fühlen sich wegen ihnen stark beunruhigt. Noch stärker geschwunden ist die Sorge vor zwischenstaatlichen Konflikten, trotz zunehmender Spannungen, etwa zwischen Russland und der Nato oder Amerika und China. Sie werden gar nicht mehr erfasst.

          Für eine große Bedrohung halten viele Menschen – neben Klimawandel und Infektionskrankheiten –  Terrorismus (66 Prozent), Cyberangriffe aus anderen Ländern (65 Prozent), und die Verbreitung von Atomwaffen (61 Prozent). Dabei fallen die Zustimmungsraten regional stark auseinander. Und sie wachsen durchweg mit zunehmendem Lebensalter. Was Nuklearwaffen angeht, sorgt sich etwa nur etwas mehr als jeder Zweite zwischen 18 und 29 wegen ihrer Weiterverbreitung. Unter den über 50 Jahre alten Teilnehmern der Umfrage sind es 68 Prozent. In Deutschland werden vor Terrorismus, Cyberangriffe und nukleare Proliferation von jeweils rund zwei Dritteln für eine große Bedrohung gehalten.

          Gegenwärtig steigt außerdem die Sorge um den Zustand der Weltwirtschaft. 58 Prozent alle Befragten nehmen ihn als große Bedrohung war. Sie wächst im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in nahezu allen Ländern rapide, unabhängig davon, wie hoch die Zustimmungsraten liegen. Das schließt zusätzliche Einflüsse freilich nicht aus. In Großbritannien, dessen wirtschaftliche Zukunft angesichts des Brexit ungewiss ist, ist die Sorge um den Zustand der Weltwirtschaft in den vergangenen zwei Jahren so stark gewachsen wie nirgends sonst – um 24 Prozent. 

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