https://www.faz.net/-gpf-7mr01

Umbruch in der Ukraine : Lehren in Orange

Zum Erfolg zweier Revolutionen beigetragen: Der Milliardär Petro Poroschenko Bild: REUTERS

Heute erinnert in Kiew vieles an die „Revolution in Orange“. Wieder werden öffentliche Interessen und private Geschäfte vermischt. Woran die Revolution in der Ukraine nach 2004 gescheitert ist.

          4 Min.

          Auf der Bühne des Majdans in Kiew war in den vergangenen Wochen immer wieder ein Mann zu sehen, den sie in der Ukraine auch den „Schokoladenkönig“ bezeichnen. Er selbst sagte vor kurzem in einem Interview mit der russischen „Nowaja Gaseta“ über seine Position in der Ukraine: „Ich arbeite in diesem Land als Petro Poroschenko, und ich habe alle Möglichkeiten und Einflusshebel, um mich selbst zu verwirklichen.“ Poroschenko hat vor den Demonstranten einige Reden gehalten, aber meistens stand er hinter denen, die in der Öffentlichkeit als Oppositionsführer auftraten. So war das auch schon Ende 2004 während der Revolution in Orange, bei der er eine Schlüsselrolle spielte.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Der Mann, der mit einem weitverzweigten Lebensmittelkonzern zum Dollarmilliardär geworden ist, gehörte damals zu den wichtigsten Financiers des Wahlkampfs des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Viktor Juschtschenko. Noch wichtiger als die finanzielle Unterstützung aber war vielleicht Poroschenkos Fernsehsender, der „Fünfte Kanal“, der damals als einziger auch die Sicht der Opposition darstellte - so wie nun auch in den Wochen seit dem Beginn des „Euromajdans“ im Dezember 2013.

          Poroschenko hat nicht nur zum Erfolg zweier ukrainischer Revolutionen beigetragen - er war auch an zentraler Stelle am Misserfolg der ersten Revolution beteiligt. Sein politischer Werdegang ist typisch für die postsowjetische Ukraine: Er ließ sich 1998 ins Parlament wählen, weil das die Geschäfte erleichterte. Anfangs gehörte er zu einer Partei, die sich als sozialdemokratisch bezeichnete, aber überwiegend aus Millionären bestand und die wichtigste Stütze der Macht des damaligen autoritären Präsidenten Leonid Kutschma war.

          Unternehmer als Stützen der Opposition

          Es folgten einige Jahre des regen Parteiwechsels (in denen Poroschenko unter anderem Mitbegründer der Partei der Regionen wurde), bevor er zwei Jahre vor der Revolution in Orange in das Lager Juschtschenkos fand. Seither ist er relativ eindeutig im westorientierten, demokratischen Lager verortet, hat allerdings die Kontakte auf die andere Seite nie abreißen lassen: Noch 2012 war er unter Präsident Janukowitsch für ein halbes Jahr Wirtschaftsminister.

          Poroschenko ist der sichtbarste jener ukrainischen Oligarchen, die nach der ersten wilden Phase des postsowjetischen Kapitalismus ihre Geschäfte lieber unter rechtsstaatlichen und stabilen demokratischen Bedingungen weiterführen würden. Solche Geschäftsleute sind die finanzielle Stütze der Oppositionsparteien.

          Vermischung öffentlicher Interessen und privater Geschäfte

          Doch auch wenn sie - vielleicht ehrlich - Veränderungen wünschen, betreiben sie ihre Unternehmen in der ukrainischen Realität. Das heißt: Sie streben selbst in das Parlament und dort besonders gerne in jene Ausschüsse, die für ihre Branchen zuständig sind - und sie legen nie alle ihre Äpfel in einen Korb. Die Vermischung von öffentlichem Interesse und privatem Geschäft, die man auch Korruption nennen kann, ist deshalb auch in den Oppositionsparteien weit verbreitet.

          Weitere Themen

          Meuthen startet Angriff auf rechtes Lager Video-Seite öffnen

          AfD-Parteitag : Meuthen startet Angriff auf rechtes Lager

          Auf dem AfD-Bundesparteitag hat Parteichef Jörg Meuthen einen Frontalangriff auf das rechte Lager gestartet. In seiner Rede in Kalkar kritisierte er eine zunehmend radikale Wortwahl und warnte vor der Nähe zur Querdenken-Bewegung.

          Ein Stich ins iranische Herz

          Mord an Atomwissenschaftler : Ein Stich ins iranische Herz

          Der „Vater“ des iranischen Atomprogramms wird Opfer eines Anschlags. Kaum jemand zweifelt daran, dass Israel dahinter steckt. Das Attentat ist auch ein Fingerzeig für Joe Biden und seinen Umgang mit Iran.

          Topmeldungen

           Der Sarg des getöteten Wissenschaftlers am Sonntag in der iranischen Stadt Mashhad

          Mord an Atomwissenschaftler : Ein Stich ins iranische Herz

          Der „Vater“ des iranischen Atomprogramms wird Opfer eines Anschlags. Kaum jemand zweifelt daran, dass Israel dahinter steckt. Das Attentat ist auch ein Fingerzeig für Joe Biden und seinen Umgang mit Iran.
          Markus Söder am Sonntag in München

          Söder bei der Jungen Union : Seine Art, sich nicht einzumischen

          Der CSU-Vorsitzende heizt auf dem „Deutschlandtag“ der Parteijugend die Debatte um Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur an. So zweifelt Markus Söder unter anderem daran, dass es bei den drei gegenwärtigen Kandidaten bleibt.
          Hier soll Impfstoff abgefüllt werden: im Werk des Impfstoffherstellers IDT Biologika in Dessau-Roßlau

          Wer? Wann? Wo? : Was Sie über die Corona-Impfung wissen müssen

          Bald soll es losgehen mit der Impfung: Kann man sich aussuchen, welchen Impfstoff man bekommt? Wie wirken mRNA-Vakzine? Was ist mit Nebenwirkungen? Und muss man sich aktiv um einen Impftermin kümmern? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.