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Umberto Bossis Rücktritt : Der Vater auch nur ein Vetter?

  • -Aktualisiert am

Nach dem Rücktritt: Umberto Bossi verlässt am Donnerstag das Hauptquartier der Lega Nord in Mailand. Bild: dapd

Umberto Bossi will die Lega Nord geschaffen haben, um der Korruption Einhalt zu gebieten. Nun stürzte er über Vetternwirtschaftsvorwürfe. Manche sagen: Endlich.

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          Es ist das Ende einer Ära. Umberto Bossi, der am Donnerstag in Mailand seinen Rücktritt von der Führung der Lega Nord erklärte, hatte die Partei nach seinen Vorstellungen geformt. In den achtziger Jahren verschmolz er die von ihm selbst begründete „Lega Lombarda“ mit ähnlichen Gruppen aus anderen norditalienischen Regionen, die man heute wohl Graswurzelbewegungen nennen würde.

          Bossi versprach, gegen Korruption in den Gemeinden und gegen die Vetternwirtschaft in Rom vorzugehen. Er predigte die Loslösung „Padaniens“ von Italien und schuf die stärkste Partei des Nordens. Im Bündnis mit Silvio Berlusconis „Volk der Freiheit“ (PdL) war sie bis zum vorigen November noch an der Regierung in Rom beteiligt.

          Nun stürzte der Anti-Parteien-Politiker Bossi wie so viele italienische Politiker vor ihm über Ermittlungen der Staatsanwälte. Sie werfen seiner Familie vor, sie hätte sich an Parteivermögen bereichert. Die Lega Nord steht nach seinem Rücktritt vor einem strukturellen und programmatischen Neuanfang. Doch freuen kann sich die Partei darüber nicht, muss sie sich doch im Mai in vielen Städten zur Wahl stellen. Nach einer Sondersitzung der Parteiführung im „Hauptquartier der Bewegung“ in Mailands Via Bellerio legte der 70 Jahre alte, gesundheitlich seit Jahren angeschlagene Bossi „unwiderruflich“ seine aktiven Parteiämter nieder. Er werde nur noch das eigens für ihn geschaffene Amt eines Ehrenpräsidenten ausüben.

          Für die Restaurierung der Villa floss Parteigeld

          Bis zum Parteitag im Herbst soll nun ein Triumvirat die Parteigeschäfte führen. Dazu gehören als frühere Bossi-Vertraute der ehemalige Vereinfachungsminister Roberto Calderoli und die aus Venetien stammende Abgeordnete Manuela Dal Lago. Beide gelten nicht als Parteireformer. Doch mit ihnen wird der frühere Innenminister Roberto Maroni den Übergang mitgestalten - und viele erwarten, dass das ein Übergang zu einem alleinigen Parteiführer Maroni werde. Maroni fordert Bossi schon seit längerem heraus und hat dabei viele Unterstützer in der Partei.

          Bossis Sturz begann sich abzuzeichnen, als immer mehr Fragen nach dem undurchsichtige Gebaren des 41 Jahre alten bisherigen Schatzmeisters der Lega, Francesco Belsito, aufkamen. Er hatte das Parteivermögen seit 2004 verwaltet und soll dabei unter Missachtung von Gesetzen und Parteistatuten in Tansania und Zypern fünf Millionen Euro investiert haben. Es gibt Hinweise auf die Beteiligung an der Geldwäsche aus Mafia-Geschäften. Belsito trat schon am Dienstag zurück.

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          Doch das reichte nicht mehr, um Bossi zu retten. Denn Belsito soll öffentliche Gelder aus Rückerstattungen für den Wahlkampf 2010 zugunsten der Familie Bossi unterschlagen haben: Für die Restaurierung einer Villa floss Parteigeld auf das Konto von Bossis Frau. Sohn Renzo erhielt einen Luxuswagen. Der kranke Vater hatte sich in den letzten Monaten immer mehr auf seinen 23 Jahre alten Sohn Renzo gestützt und ihm ein Amt als Abgeordneter im Regionalparlament der Lombardei verschafft. Es wird sogar der Vorwurf erhoben, Bossi habe Renzos Lehrer geschmiert, sodass er nach zwei gescheiterten Anläufen doch noch seinen Abschluss machen konnte. Vater Bossi bestreitet alle Vorwürfe. Aber er sagte auch, es sei ein Fehler gewesen, seine Familie in die Politik hineinzuziehen. „Für Fehler muss man zahlen.“

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