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Kein zufälliger Zeitpunkt : Spiel mit dem Feuer

  • -Aktualisiert am

Angriff im Golf von Oman Bild: Reuters

Wer auch immer hinter dem Angriff auf zwei Tanker im Golf von Oman steckt, wollte den Großkonflikt am Golf anheizen. Nicht zufällig geschah das gerade dann, als Shinzo Abe in Teheran einen Gesprächswunsch von Donald Trump übermittelte.

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          Von den Sabotageakten, die seit Mai die Gefahr eines großen Golfkriegs erhöhen, waren die Angriffe auf zwei Tanker am Donnerstag die bisher schwersten. Offenbar wurden beide Schiffe im Golf von Oman (auch) von Torpedos getroffen. Beide wurden evakuiert; ein Tanker brannte. Damit war der Schaden größer und sichtbarer als bei den Angriffen auf vier Tanker vor gut einem Monat.

          Wer immer dahintersteckt, hat auch den Zeitpunkt sorgfältig gewählt: Die Geschosse schlugen an dem Morgen ein, an dem Japans Ministerpräsident Shinzo Abe in Teheran beim Obersten Führer Ali Chamenei vorsprach – und zwar in seiner Eigenschaft als Emissär des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Einer der beschossenen Tanker gehört einem Japaner.

          Die Amerikaner beschuldigen Iran. Das liegt nahe. Das Land ächzt unter amerikanischen Sanktionen, denen sich auch Japan und die Europäer beugen mussten. Es hätte die Macht und die Mittel, die Welt mit sorgsam dosierten Angriffen daran zu erinnern, dass es dem Westen seinerseits sehr schaden kann, denn ein großer Teil des Rohöls muss die Straße von Hormuz passieren. Schon nach den ersten Angriffen im Mai hatten sich die Amerikaner die Tätersuche leichtgemacht und Iran bezichtigt. „Wer hätte es sonst tun sollen?“, fragte Trumps Sicherheitsberater John Bolton sarkastisch. „Vielleicht Leute aus Nepal?“

          Gerade weil Irans direkte oder indirekte Täterschaft so naheliegt, ist es allerdings ebenso denkbar, dass seine arabischen Erzfeinde hinter dem Spiel mit dem Feuer stecken: Um Iran anzuprangern und die schon eingeleitete Rückkehr amerikanischer Truppen zu forcieren – mit dem schönen Nebeneffekt steigender Ölpreise. Selbst wenn aber Washington recht hat und die Spur tatsächlich nach Iran führt, bleibt die Frage, wer die Angriffe dort befohlen hat.

          Es ist kein Geheimnis, dass die (von Washington kürzlich als Terrorgruppe eingestuften) Revolutionsgarden den vorsichtigen Kurs von Präsident Rohani ablehnen. Ihnen dürfte gefallen haben, wie klar Chamenei jedenfalls öffentlich die von Abe bekräftigten und womöglich konkretisierten Avancen Trumps zurückwies: Der Ajatollah erklärte den notorisch wortbrüchigen Präsidenten für „unwürdig“, um sich mit ihm auszutauschen.

          Viel Hoffnung auf Deeskalation ist nicht übrig.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für politische Nachrichten und Politik Online.

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