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Ultimatum bis Jahresende : Pjöngjang droht Washington

Drohungen nach außen markieren Stärke nach innen: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un bei der Eröffnung der Retortenstadt Samjiyon Bild: dpa

Die Vereinigten Staaten könnten sich ihr Weihnachtsgeschenk aussuchen, sagte Pjöngjangs stellvertretender Außenminister. Das ist angesichts früherer Aussagen von Machthaber Kim Jong-un eine kaum verhohlene Drohung.

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          Das neue Jahr rückt näher und mit ihm auch das Ende des Ultimatums, das Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un den Vereinigten Staaten gestellt hat. Daran erinnerte am Dienstag das Außenministerium in Pjöngjang mit einer kaum verdeckten Drohung: „Die Vereinigten Staaten können sich aussuchen, welches Weihnachtsgeschenk sie haben wollen“, sagte der stellvertretende Außenminister Ri Thae-song laut einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Sein Land werde „nicht verbergen, was es von jetzt an tun wird, und erinnert die Vereinigten Staaten deshalb noch einmal daran, dass die Endjahresfrist näherrückt“. Amerika schinde Zeit, anstatt zu handeln, sagte der stellvertretende Außenminister weiter. Die Dialogaufforderungen aus Washington seien ein „dummer Trick“, um Nordkorea hinzuhalten und das Thema für den Wahlkampf in Amerika zu nutzen.

          Die von Ri erwähnte Frist hatte Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un im April in einer Rede vor der Obersten Volksversammlung gesetzt. In ihr kündigte er an, er werde „geduldig bis Ende des Jahres darauf warten, dass die Vereinigten Staaten eine mutige Entscheidung treffen“. Es gehe darum, „die gegenwärtige Kalkulation zu verwerfen und mit einer neuen auf uns zuzugehen“. Gemeint war, im Gegenzug zu nordkoreanischen Abrüstungsschritten die internationalen Sanktionen gegen Pjöngjang zu lockern. Sollte das nicht geschehen, werde es „sehr gefährlich“ werden, hatte er gedroht.

          Stärke nach innen demonstriert

          Mit der Rede wollte Kim Jong-un Stärke nach innen demonstrieren. Das war aus seiner Sicht auch dringend notwendig, denn der erfolglose Gipfel mit Donald Trump Ende Februar in Hanoi hatte dem Unfehlbarkeitsnimbus des Diktators arge Kratzer zugefügt. Nordkoreas Propaganda hatte vorab derart überschwänglich über die Reise des Obersten Führers nach Vietnam berichtet, dass es anschließend nur schwer zu erklären war, wieso er mit leeren Händen zurückgekommen war. Der Apparat verharrte daraufhin wochenlang in Schockstarre, bisherige Vertraute Kim Jong-uns mussten als Sündenböcke herhalten.

          Mit der Rede im April wollte Kim Jong-un wieder in die Offensive gehen. Doch nun setzen ihn seine eigenen Worte unter Zugzwang. Wenn Amerika sich nicht bewegt, wird er in seiner Neujahrsbotschaft am 1. Januar konkrete Konsequenzen verkünden müssen, um das Gesicht zu wahren. Nicht auszuschließen wäre eine Rückkehr zu Tests von Langstreckenraketen oder Atomwaffen. Denkbar wäre auch ein Satellitenabschuss, von dem Nordkorea behaupten würde, er diene allein zivilen Zwecken, wenngleich er Erkenntnisse für die Weiterentwicklung von Interkontinentalraketen liefern würde.

          Schon im Oktober hatte die Staatspropaganda den Boden für einen möglichen Politikwechsel bereitet. Kim Jong-un zeigte sich auf dem Rücken eines Schimmels auf dem Berg Paektu, der in der koreanischen Mythologie und in der Ideologie der Erbdiktatur der Kims eine zentrale Rolle spielt. Die Agentur KCNA kommentierte die Bilder mit den Worten, es werde „eine große Operation“ geben. Die Welt werde staunen. Schon früher hatte Kim den Berg vor politischen Richtungsentscheidungen besucht.

          In der Nähe des Berges eröffnete der Führer am Montag eine neue Stadt, die er persönlich in Auftrag gegeben hatte. Die Staatspresse schwärmte von einer „sozialistischen Utopie“ und dem „Inbegriff einer modernen Zivilisation“. Auch das sollte wohl das Selbstbewusstsein des Regimes unterstreichen.

          Donald Trump zeigte sich von der jüngsten Drohung aus Pjöngjang am Dienstag unbeeindruckt. Beim Nato-Treffen in London sagte er, Kim Jong-un „schickt gern Raketen nach oben, stimmt’s? Deshalb nenne ich ihn Raketenmann.“ So hatte Trump den Nordkoreaner zuletzt 2017 auf dem Höhepunkt der Eskalation zwischen beiden Seiten genannt. Er habe noch immer Vertrauen in Kim, fügte Trump hinzu. „Wir werden sehen.“

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