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Flugzeug-Abschuss bei Teheran : Iran weist Vorwurf der Vertuschung zurück

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Ein Wrackteil des ukrainischen Flugzeugs nahe Teheran Bild: AP

Ein Sprecher der Regierung in Teheran sagt, Iran habe nicht gelogen, um den Abschuss des ukrainischen Flugzeugs bei Teheran zu verschleiern. Auch der Präsident habe erst nach zwei Tagen die Fakten erfahren.

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          Iran hat bestritten, die Fakten zum Abschuss eines ukrainischen Passagierflugzeugs vertuscht zu haben. „Der Regierung wurden Vertuschung und Lügen vorgeworfen, aber dies war wirklich nicht der Fall“, sagte Regierungssprecher Ali Rabiei am Montag.

          Das Flugzeug der Ukraine International Airlines mit 176 Menschen an Bord war am Mittwoch kurz nach dem Start in Teheran abgestürzt. Es war auf dem Weg nach Kiew. Niemand überlebte. Der Iran hatte den versehentlichen Abschuss der Maschine am Samstag zugegeben, nachdem die Behörden in den Tagen zuvor von einem technischen Defekt gesprochen hatten.

          Die erste Presseerklärung, in der von einem technischen Fehler die Rede war, sei direkt nach der Bestätigung des Absturzes veröffentlicht worden, sagte der Sprecher. Selbst Präsident Hassan Rohani habe erst zwei Tage nach dem Vorfall vom Sicherheitsrat die entsprechenden Fakten zum Abschuss mitgeteilt bekommen, sagte Rabiei und bedauerte den Tod der Passagiere sowie verloren gegangenes Vertrauen in die Glaubwürdigkeit von Staat und Regierung.

          Zudem verwies er auf militärische Spannungen an dem Tag. Nach der Tötung des iranischen Generals Qassem Soleimani hatte der amerikanische Präsident Donald Trump für den Fall einer iranischen Vergeltung gedroht, 52 Ziele im Iran anzugreifen. „Daher waren alle Streitkräfte in höchster Alarmbereitschaft und dies war die Ursache für den tragischen Fehler und das Unglück“, erklärte Rabiei.

          In Irans Hauptstadt Teheran weiten sich die regierungskritischen Proteste nach dem Abschuss des Passagierflugzeugs aus. Bis zu 3000 Menschen demonstrierten am Sonntag laut der Nachrichtenagentur ILNA in der Hauptstadt.

          Der kanadische Premierminister Justin Trudeau hat den Hinterbliebenen des Abschusses derweil am Sonntag „Gerechtigkeit“ versprochen. „Diese Tragödie hat unsere iranisch-kanadische Gemeinde getroffen, aber es war wahrhaftig eine kanadische Tragödie“, sagte Trudeau bei einer Trauerzeremonie an der Universität Edmonton im Westen des Landes.

          „Wir werden nicht Ruhe geben, bis Antworten vorliegen“, sagte Trudeau. „Wir werden nicht Ruhe geben, bis es Gerechtigkeit gibt und Verantwortung übernommen wird.“ Die zahlreichen gebürtigen Iraner mit doppelter iranisch-kanadischer Staatsangehörigkeit in dem Flugzeug seien „Leistungsträger“ gewesen, sagte der 30 Jahre alte Ali Esnaashani. „Ich bin wütend, ich bin traurig.“ Iran müsse für Gerechtigkeit sorgen und Entschädigung leisten, sagte der Chef der kanadisch-iranischen Kulturorganisation Tirgan, Mehrdad Ariannejad.

          Auch an der Universität Toronto fand eine Trauerzeremonie statt, an der sich mehrere tausend Menschen beteiligten. In Kanada lebt eine große iranischstämmige Gemeinschaft, 2016 wurden ihr 210.000 Menschen zugerechnet. Kanada beteiligt sich an den Aufklärungsarbeiten zu dem Flugzeugabschuss im Iran mit einem Team von zehn Fachleuten.

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